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Für die Kunden auf Achse

Integrationsunternehmen im Porträt: Edeka Wehrmann

Drei Menschen mit Handicap arbeiten für die Märkte von Edeka Wehrmann in Ostwestfalen. Sie gehen für Kindergärten, Unternehmen und Privathaushalte einkaufen – und liefern frei Haus.

Mit schnellen Schritten eilt Cira Franke durch die langen Gänge des Edeka Marktes, der etwas außerhalb der Gemeinde Kirchlengern liegt. Direkt hinter ihr läuft Christina Klocke. Sie schiebt einen kleinen Rollwagen, auf dem eine halb gefüllte, gelbe Plastikkiste steht. „Wir brauchen noch Geflügelwurst. Aber nicht die günstige, sondern die hier vorne“, sagt Cira Franke und deutet auf ein Regal.

Eine neue Dienstleistung: Christa Klocke (li.) und Cira Franke sind Profi-Einkäuferinnen bei Edeka Wehrmann.
Eine neue Dienstleistung: Christa Klocke (li.) und Cira Franke sind Profi-Einkäuferinnen bei Edeka Wehrmann.

Die beiden jungen Frauen kaufen nicht für Zuhause ein. Sie bearbeiten die Bestellung eines Kindergartens, der Lebensmittel und Getränke benötigt. Bei den Wasserkisten hilft den beiden Christian Kiehl. „Wenn ich Zeit habe, passt das schon. Die Kästen sind ja schwer“, sagt er und bringt gleich zwei nach draußen. Dort wartet ein Transporter, an dessen Seite »Sie kaufen ein, wir bringen’s heim« steht – und auf den Türen sind die Kolleginnen und Kollegen in Überlebensgröße zu sehen.

 

Große Entlastung für den Betrieb

Das Trio arbeitet in der im Februar vorigen Jahres gegründeten Integrationsabteilung von Edeka Wehrmann, das fünf Märkte in Herford, Enger, Spenge, Hiddenhausen und Kirchlengern führt. Die drei Menschen mit Behinderung wickeln alles selbst ab: Vom Kommissionieren des Einkaufs über die Auslieferung – immer zu zweit – an rund 30 Kindergärten und Firmen sowie Privatpersonen bis hin zum Kassieren beim Kunden. „Das klappt hervorragend“, sagt Wilhelm Bischoff, der als Geschäftsführer für Personal, Ausbildung, Finanzen und Controlling zuständig ist. Gemeinsam mit Firmenchef Peter Wehrmann hat er die Zusammenstellung des kleinen Teams vorangetrieben.

Christian Kiehl arbeitet auch für Edeka. Er packt gerade eine Kiste und schaut in die Kamera.
Christian Kiehl hat es ebenfalls auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Er packt mit an und hilft seinen Kolleginnen, die schweren Kisten in den Lieferwagen zu tragen.

Mehrere Faktoren veranlassten das Unternehmen, die Abteilung zu gründen. „Wir hatten vor einigen Jahren erste Gespräche mit dem Integrationsfachdienst Herford, ob es nicht Arbeitsmöglichkeiten bei uns für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Werkstätten für behinderte Menschen in Lübbecke und Herford geben könnte“, erinnert sich Bischoff. Einige der Menschen mit Behinderung hatten einen Führerschein – und der Mitarbeiter des Integrationsfachdienstes traute ihnen auch komplexere Aufgaben zu. „Außerdem wollten wir damals gern unseren Lieferservice ausbauen.“

 

Zuvor hatten das Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen. „Weil die Lieferungen immer zu den Zeiten stattfinden, wenn auch im Geschäft viel los ist, passte das oft nicht so gut“, sagt Wilhelm Bischoff. Er ergriff die Chance: Mit den drei Menschen mit Behinderungen hat sich die Engstelle nun aufgelöst.

Wilhelm Bischoff in der Obst- und Gemüseabteilung von Edeka Wehrmann.
Wilhelm Bischoff ist Geschäftsführer für Personal, Ausbildung, Finanzen und Controlling. Er hat gemeinsam mit dem Firmenchef den Aufbau des Lieferservice-Teams vorangetrieben.

Geholfen hat Edeka Wehrmann der LWL, der den Transporter mit einem Investitionskostenzuschuss mitfinanziert hat. Ebenso bekommt das Unternehmen laufende Zuschüsse für die drei Kräfte, weil sie aus einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wechseln. Und bei der Einarbeitung half der Integrationsfachdienst Herford.

Mehr Service, höhere Umsätze

Das Geschäft mit dem Lieferservice wächst, ebenso wie die Märkte von Peter Wehrmann. „Die Edeka-Zentrale forciert das, indem sie zum Beispiel einen Internet-Shop anbietet, den die einzelnen Franchise-Unternehmen nutzen können“, erklärt Wilhelm Bischoff. So könne der Service für die Kunden steigen und es würden größere Umsätze möglich. Vorstellbar seien für ihn auch weitere Einstellungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Behinderungen. „Wenn wir die richtigen Aufgaben für die Beschäftigten finden, sehe ich da gar kein Problem.“

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