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„Fünf Jahre, was soll ich sagen. Ich sitz noch immer“

Linktipp der Woche: Amelie Ebners Blog ‚zweiterfebruar‘
Screenshot des Blogs von Amelie Ebner.

„5 Jahre, was soll ich sagen. Ich sitz noch immer, shit happens, get over it. Gute Nacht“, schreibt Amelie Ebner auf ihrem Blog am 2. Februar 2018. Das Datum ist der fünfte Jahrestag eines schweren Skiunfalls, den sie mit 17 Jahren hatte. Seither ist sie querschnittsgelähmt. Über ihr Leben mit dieser Behinderung bloggt sie jetzt fleißig, ihre Seite nennt sie nach dem Jahrestag des Unfalls „zweiterfebruar“. Die heute 22-Jährige schreibt in all ihren Beiträgen sehr offen, direkt und ehrlich über sich, über ihre oft merkwürdigen Erlebnisse mit anderen Menschen (vor allem denjenigen, die keine sichtbare Behinderung haben) und über ihren Alltag, der sich seit dem Unfall stark verändert hat. Humor hat sie auch, und der ist oft ziemlich schwarz:

„Lag mal wieder flach mit Gehirnerschütterung. Die Leute sagen: ‚Haha, du bist zu dumm zum Laufen und sitzt im Rollstuhl!‘ Ich bin zu dumm zum Rollstuhl fahren. Passiert, wenn man einen anderen Rollstuhl ausprobiert, den Kipppunkt falsch einschätzt, zu viel Schwung gibt. Da landet man schon mal ungebremst auf dem Hinterkopf. Für Kippschutz ist Prinzessin ja zu cool. ‚Nene, ich kann das.‘“

In anderen Posts denkt sie laut darüber nach, warum es sie zwar nicht stört, wenn Leute ihr Hilfe anbieten, sie es aber unglaublich nervig findet, wenn ihr „Nein“ auf dieses Angebot nicht respektiert wird und einfach weiter„geholfen“ wird. Weil gutmeinende, fremde Menschen nämlich nicht wissen, dass zum Beispiel Jacke Anziehen im Rollstuhl sowieso schon schwierig genug ist. Mit ungebetener Hilfe gerät sie dabei eher noch schneller aus dem Gleichgewicht. Amelies Fazit dazu:

„Es ist nett gemeint, ich weiß. Aber es hilft kein Stück, ganz im Gegenteil. Und wenn ich sage ‚Nein‘, versteht das keiner. Manchmal werd ich dann nach dem dritten ‚Nein, bitte nicht!‘ lauter und die Leute sind verdutzt. Ich versteh euch ja auch, aber versteht bitte auch mich. Nein heißt Nein. Und ‚Finger weg‘ heißt ‚Finger weg‘. Egal in welcher Situation.“

Toller Blog, finden wir – und deshalb ist er unserer Linktipp der Woche. Hier geht’s zur Seite: ↗zweiterfebruar.blogspot.de. Unbedingt reinlesen!

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