Von Redaktion: Constanze Busch, Eva Windhausen LWL-Messe 2020 | Projekte und Unternehmen

„Unser Unternehmen ist durch die Inklusionsabteilung gewachsen“

Die Unternehmen Kontorvier und Habig und Krips sind beide in der Verpackungs- und Spielkartenindustrie tätig. Als Inklusionsunternehmen tragen sie zur gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben bei, denn sie haben sich dafür entschieden, Inklusionsabteilungen in ihren Firmen aufzubauen. Wir stellen euch Martin Kapovits von Kontorvier, Heidi Emmerich von Habig und Krips und Jochen Twelker vor, der für beide Unternehmen als freiberuflicher Jobcoach arbeitet.

Jochen Twelker (hinten links), Heidi Emmerich und Martin Kapovits (vorne rechts) stehen gemeinsam in einem großen Flur und unterhalten sich.

Win-Win-Situation für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Unternehmen

Bei Kontorvier übernimmt die 2012 geschaffene Inklusionsabteilung einen Bereich, der früher extern abgewickelt wurde: Die Verarbeitung von Schaumstoff und Folien. Das bringt eine Reihe von arbeitsintensiven Handling-Arbeiten wie Packarbeiten oder die Kommissionierung mit sich.

Ein solches so genanntes Insourcing von Arbeitsschritten kann nicht nur aus Kostengründen wichtig werden. Im Falle von Habig und Krips führte es auch zu einem neuen Großkunden, der viel Wert auf die Abwicklung aus einer Hand legt. Das Unternehmen schuf 2013 die erste Inklusionsabteilung, die sich seither um die Garten-, Rasen- und Außenpflege der firmeneigenen Immobilien kümmert. Auch bei Kontorvier eröffnete die neue Inklusionsabteilung dem Unternehmen ganz neue Möglichkeiten.

Wir sind ein gutes Stück gewachsen durch den Bereich. Das ist eine echte Win-Win-Situation: Die Beschäftigten haben einen festen Arbeitsplatz und wir können Tätigkeiten anbieten, die wir vorher nicht im Portfolio hatten.
Martin Kapovits, Geschäftsführer bei Kontorvier

Stark vernetzt in der Umgebung

Beide Unternehmen werden von Jobcoach Jochen Twelker unterstützt. Mindestens zweimal pro Woche besucht er die Betriebe, spricht mit allen Beteiligten und stellt bei Bedarf auch Kontakte zu den Integrationsfachdiensten oder anderen Institutionen her. 

Auch die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Bielefeld funktioniert gut. Die Stadt Bielefeld hat bei der Vergabe von Aufträgen einen Vermerk eingeführt, der die Entscheider dazu bewegt, ein besonderes Augenmerk auf die Auftragslage zu stellen – und somit Inklusionsbetriebe und -abteilungen zu berücksichtigen. Zukünftig soll das per Gesetz verbindlich für alle öffentlichen Einrichtungen Pflicht werden.

Ich kenne die Integrationsfachdienste schon seit 30 Jahren und die Betriebe seit ihrer Gründung. Wir sind hier sehr eng vernetzt. Und dadurch, dass allein in dieser Straße drei Betriebe mit Inklusionsabteilungen liegen, können wir auch immer passende Praktikumsstellen vermitteln.
Jochen Twelker, freiberuflicher Jobcoach

Unterschiedliche Arbeitszeit-Modelle

Sowohl Kontorvier als auch Habig und Krips beschäftigen hauptsächlich Menschen mit psychischen Erkrankungen. Kontorvier bietet seinen Angestellten dabei besonders flexible Arbeitszeiten, sodass viele Angestellte je nach persönlicher Präferenz zur Arbeit erscheinen können. Das kommt besonders Beschäftigten entgegen, die bedingt durch Medikamente morgens oder abends nicht fit sind.

Jochen Twelker spielt Doppelkopf mit Martin Kapovits und Karl-Heinz Wohletz von der Kontorvier GmbH.
Von links nach rechts: Jochen Twelker (freiberuflicher Jobcoach), Martin Kapovits (Kontorvier) und Karl-Heinz Wohletz (Kontorvier) liegt Inklusion mindestens genauso am Herzen wie ihre wöchentliche Doppelkopfrunde. Foto: LWL/Kopfkunst

Bei Habig und Krips hat sich in einer der drei Inklusionsabteilungen ein gänzlich anderes Modell bewährt: strikte Arbeitszeiten ohne Überstunden und feste Pausen, die den Angestellten eine feste Struktur und Sicherheit bieten. Die Unternehmensgruppe bietet ihren mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit und ohne Behinderung außerdem viele Extras, zum Beispiel eine Gesundheitsmanagerin, wöchentliche Obstkörbe, freies Mineralwasser und Kaffee und viele Mitarbeiterrabatte. Genauso wichtig für die Zufriedenheit aller Angestellten sind die regelmäßigen Gespräche, in denen Schwierigkeiten möglichst früh angesprochen und gelöst werden sollen. Das Konzept geht auf, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlen sich offenbar wohl im Unternehmen.

Einige unserer Beschäftigten mit Behinderung nun schon seit dem Start der Inklusionsabteilungen dabei. Wir haben zum Beispiel einen Mitarbeiter, der über ein Praktikum und eine Probebeschäftigung auf einen Inklusionsarbeitsplatz kam. Mittlerweile ist er technischer Betriebsleiter und nicht mehr wegzudenken. Neben dem betrieblichen Wachstum sind es solche persönlichen Erfolgsgeschichten, die uns sagen: Es lohnt sich!
Heidi Emmerich, Ansprechpartnerin für die Inklusionsabteilung bei Habig und Krips

Porträtfoto von Martin Kapovits

Foto: LWL/Kopfkunst

Über Martin Kapovits

Der Geschäftsführer von Kontorvier engagiert sich an der Spitze seines Betriebs für die Inklusion. Das Unternehmen verarbeitet Schäume, Folien und Luftpolsterfolien. Die Inklusionsabteilung besteht seit 2012 und kümmert sich um die Kommissionierung, das Handling und die Packarbeiten der Produkte.

Porträtfoto von Jochen Twelker

Foto: LWL/Kopfkunst

Über Jochen Twelker

Der freiberufliche Jobcoach arbeitet seit Jahren für das LWL-Inklusionsamt Arbeit und unterstützt Firmen wie Habig und Krips oder Kontorvier bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Er ist regelmäßig vor Ort, um gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Unternehmen die Zusammenarbeit optimal zu gestalten.

Porträtfoto von Heidi Emmerich

Foto: LWL/Kopfkunst

Über Heidi Emmerich

Die Industriekauffrau arbeitet seit 15 Jahren bei Habig und Krips, einer Firmengruppe mit acht eigenständigen Unternehmen aus der Verpackungsindustrie. Seit 2013 beschäftigt das Unternehmen Menschen mit Behinderungen – inzwischen sind es 25 – und unterstützt so die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Arbeitsleben.


Inklusion auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt

VERSCHOBEN: Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen 2020

Über 160 Inklusionsunternehmen und -abteilungen behaupten sich in Westfalen-Lippe am Markt – darunter auch die Grünbau GmbH. Sie und andere Betriebe dieser Art tragen besonders viel zur Inklusion bei, weil sie mindestens 30 Prozent Menschen mit Schwerbehinderung auf festen Arbeitsplätzen beschäftigen. Wie jedes andere Unternehmen müssen all diese Firmen dennoch erfolgs- und wettbewerbsorientiert arbeiten.

Das LWL-Inklusionsamt Arbeit widmet diesen vorbildlichen Unternehmen und dem Thema Arbeit und Inklusion eine eigene Veranstaltung: Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen, die in diesem Jahr eigentlich am 18. März 2020 in der Messe Dortmund stattfinden sollte. Wegen der zunehmenden Verbreitung des neuartigen Coronavirus‘ muss die Veranstaltung nun um ein Jahr verschoben werden: Der neue Termin ist voraussichtlich der 17. März 2021.

Mehr Informationen und eine Telefonnummer für Rückfragen findet ihr in der offiziellen Pressemeldung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

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