1

Roboter Schorsch arbeitet mit Menschen mit Handicap

Schorsch ist nicht aus Fleisch und Blut, aber trotzdem ein gern gesehener Kollege in einem inklusiven Unternehmen in Baden-Württemberg. Er ist ein Assistenzroboter, sein richtiger Name – nicht so klangvoll wie Schorsch, aber passend zu seiner Aufgabe – ist „APAS assistent“. Er wurde von der Firma Bosch entwickelt, das Fraunhofer-Institut hat ebenfalls mitgewirkt und gefördert wurde Schorsch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Der Roboter übernimmt seit einiger Zeit bei der ISAK gGmbH  (Abkürzung für „Initiative zur Schaffung von Arbeitsplätzen für Körperbehinderte“) die körperlich anstrengenden Arbeiten in der Produktion. Schorsch ist es damit zu verdanken, dass nun auch Menschen in der Montage mitarbeiten können, die mit körperlichen Behinderungen leben und deshalb keine körperlich allzu belastenden Aufgaben übernehmen können.

Website-Screenshot des Projektes AQUIAS

Vorschau auf die AQUIAS-Projekt-Website

Der neue metallene Kollege bei der ISAK ist Teil des Projekts „AQUIAS“ (die Abkürzung steht für „Arbeitsqualität durch individuell angepasste Arbeitsteilung zwischen Servicerobotern und schwer-/nicht behinderten Produktionsmitarbeitern“). Er ist der erste Roboter in Deutschland, der extra für den Zweck entworfen wurde, mit Menschen zusammenarbeiten und diese am Arbeitsplatz zu unterstützen, die eine Behinderung haben. Mit dem Projekt wollen die Initiatoren die zukünftige barrierefreie Zusammenarbeit von Robotern und Menschen erproben und damit bestenfalls den Weg für einen inklusiveren Arbeitsmarkt ebnen. Wie das im Arbeitsalltag und unter verschiedenen Voraussetzungen funktionieren kann, sollen jetzt weitere Testläufe zeigen, die bis zum Jahr 2019 geplant sind.

⬈ Unser Linktipp für euch zu diesem Thema: Dieser schöne Artikel aus der Südwest-Presse über Schorsch und seinen menschlichen Kolleginnen und Kollegen und die Webseite zum dahinterstehenden Projekt AQUIAS.

 

 

 




VIER FRAGEN AN… Carina Kühne

Carina Kühne hat einen Beruf, von dem viele träumen: Sie ist Schauspielerin. Ihren Durchbruch hatte sie im Jahr 2014 mit „Be my Baby“, einem Film, in dem sie eine junge Frau spielt, die wie sie selbst das Down-Syndrom hat. Seit diesem ersten großen Erfolg in Deutschland darf Carina Kühne immer wieder in neue, verschiedene Rollen schlüpfen. Wenn sie mal nicht vor der Kamera steht, engagiert sich die 32-jährige mit viel Herzblut für die Inklusion. Als Aktivistin hält sie zum Beispiel Vorträge, gibt Interviews zum Thema und bloggt über ihr Leben und das, was sie bewegt. Sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der Menschen einander auf Augenhöhe begegnen. Im Interview hat sie uns verraten, was dem aus Ihrer Sicht noch im Weg steht und wo sie Lösungen sieht, um die Barrieren im Kopf – und auch anderswo – abzubauen.


#1: Frau Kühne, was bedeutet für Sie Inklusion im Beruf und bei der Arbeit?

Inklusion heißt für mich in diesem Zusammenhang: Es ist selbstverständlich, dass Menschen mit und ohne Behinderung miteinander arbeiten, sich gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können. Es wäre allerdings erst dann wirklich Inklusion, wenn die Behinderung nicht mehr beachtet würde und keiner mehr als etwas „Besonderes“ darüber sprechen würde.

Ein Screenshot der Website von Carina Kühne

Auf ihrer Webseite berichtet Carina Kühne über aktuelle Auftritte in Film und Fernsehen, bloggt über ihr Leben und schreibt über ihre Projekte als Aktivistin.

#2: Was bremst Ihrer Meinung nach die Inklusion – bei der Arbeit, aber auch in der Gesellschaft insgesamt?

Die größte Bremse ist meiner Meinung nach das System in Deutschland, durch das viele Menschen mit Behinderung immer noch in Sondereinrichtungen landen. Das geht los mit dem Förderkindergarten, dann geht es weiter in der Förderschule und danach landen viele in einer Werkstatt für behinderte Menschen anstatt auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Auch im Freizeitbereich werden viele ausgesondert und finden keinen Anschluss, weil sie zum Beispiel in eigenen Wohnheimen für Menschen mit Behinderung wohnen. Da gibt es oft kaum eine Begegnung, und das führt dann dazu, dass es so viele Berührungsängste und Barrieren in unseren Köpfen gibt. In unserer Gesellschaft wird leider immer noch stark vom so genannten „Anderssein“ her gedacht. Menschen werden also vor allem danach beurteilt und in den Köpfen „sortiert“. Ich glaube außerdem, dass viele Menschen ohne Behinderung irgendwie Angst haben, dass ihre eigene Arbeit nicht mehr so viel wert ist, wenn auch Menschen mit Handicap sie leisten können oder dass diese ihnen die Jobs wegnehmen. Dazu kommt noch, dass sich viele Unternehmen davor scheuen, Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter mit Behinderung einzustellen. Dafür gibt es auch ein gesetzliches Schlupfloch: Wenn ein Arbeitgeber nicht genug Menschen mit Behinderung einstellt, leistet er stattdessen die so genannte Ausgleichsabgabe – und für viele hat sich das Thema damit erledigt. Es gibt also sehr viele Barrieren, die aus meiner Sicht nur abgebaut werden können, indem wir gemeinsam leben und nicht getrennt voneinander. Das gilt von Anfang an und in allen Bereichen.

#3: Mit welchen kleinen oder größeren Handlungen könnten einzelne Menschen aus Ihrer Sicht selbst zur Inklusion beitragen?

Indem sie aufeinander zugehen, sich auf Augenhöhe begegnen und keine Angst haben, dass  sie nicht den richtigen Umgangston finden. Wenn wir uns besser kennen lernen, verstehen wir einander auch besser und können selbstverständlicher miteinander leben und arbeiten. Außerdem sollte jedem Menschen ohne Behinderung bewusster sein, dass es kein Verdienst oder eine Selbstverständlichkeit, sondern ein Geschenk ist, nicht behindert zu sein. Wenn alle mit dem Wissen durchs Leben gehen würden, dass sich das jederzeit ändern kann, würden sie vielleicht auch anders mit Menschen mit Behinderung umgehen, als das aktuell viele noch tun.

#4: Wenn Sie Ihren Traum-Arbeitsplatz frei entwerfen könnten: Wie sähe dieser aus?

Da ich ja Schauspielerin bin, wünsche ich mir natürlich viele inklusive Rollen. Die Medien haben in unserer Gesellschaft einen sehr großen Einfluss, das bedeutet umgekehrt: Wenn in Berichten und Filmen öfter Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam gezeigt werden, dann wird Inklusion irgendwann auch in der Gesellschaft selbstverständlich. Was ich mir noch wünschen würde: Dass auch im Berufsleben niemand wegen seiner Behinderung ausgegrenzt wird. Ich selbst konzentriere mich immer lieber auf die Stärken der Menschen als auf ihre Defizite – und das sollten andere Menschen, Arbeitgeber und Kollegen auch öfter tun.

Carina Kühne schaut freundlich in die Kamera.

Foto: Anna Spindeldreier

Über unsere Interviewpartnerin

Name: Carina Kühne
Geburtsjahr: 1985 (32 Jahre)
Beruf: Schauspielerin
(Persönlicher Bezug zum Thema) Behinderung: Hat das Down-Syndrom und spielt gerne inklusive Rollen, engagiert sich außerdem als Aktivistin für die Inklusion

Mehr über Carina Kühne, ihre Schauspielerei und ihre aktuellen Projekte erfahrt ihr auf www.carinakuehne.de.




VIER FRAGEN AN… Volker Westermann

Wenn er nicht gerade mit seiner Frau Iris um die Welt reist, findet man Volker Westermann in der Küche. Als Moderator und Showkoch in der Sendung „dinner for everyone“  hat er unter anderem schon mit Alfred Biolek, Bernhard Hoëcker, Guildo Horn und Ole Plogstedt den Kochlöffel geschwungen und sich mit seinen Gästen dabei über spannende Themen unterhalten. Als „Inklusions-Lobbyist“, wie er sich selbst bezeichnet, setzt sich der 43-Jährige für eine inklusive Medienlandschaft ein und ist unter anderem aktives Mitglied im Verein Inclutainment Media

Wir wollten von Volker Westermann wissen: Was ist seiner Meinung nach für die Inklusion im Berufsleben wichtig?


#1: Herr Westermann, was bedeutet Inklusion im Beruf und bei der Arbeit für Sie?

Gerade im Arbeitsleben ist das eine sehr spannende Sache, weil hier neben Persönlichkeit ja auch Leistung gefragt ist. Damit diese erbracht werden kann, sollten sich alle gegenseitig aufeinander einstellen, also auf die unterschiedlichen Bedürfnisse, Kenntnisse und auch Einschränkungen des jeweiligen Gegenübers, um so im Arbeitsleben gemeinsam stark zu sein.

#2: Was bremst Ihrer Meinung nach die Inklusion – bei der Arbeit, aber auch in der Gesellschaft insgesamt?

Volker Westermann hält einen Basilikumstrauch vor sein Gesicht.

Volker Westermann kocht leidenschaftlich gern, am liebsten vor der Kamera mit spannenden Gästen. Foto: Volker Westermann

Häufig fehlt eine kollegiale Bereitschaft, füreinander da zu sein. Das ist auch unter Mitabeitern ohne Behinderung(en) so. Heutzutage liegt der Schlüssel zum Erfolg für viele nur noch im Alleingang. Das endet oft in Überlastungsgefühlen und Frust. Genau hier kann Inklusion ein Türöffner sein. Man kann sie als Chance begreifen, auch mal nach links und rechts zu schauen, bevor Arbeitsabläufe stur und in Eigenregie erledigt werden. Dabei würden viele entdecken, dass es dank der vielen unterschiedlichen Fähigkeiten von Menschen gemeinsam oftmals einfacher wird.

#3: Mit welchen kleinen oder größeren Handlungen könnten einzelne Menschen aus Ihrer Sicht selbst zur Inklusion beitragen?

Egoismus und Verbohrtheit sind für mich die größten „Inklusionskiller“. In unserer Gesellschaft ist es leider schwierig geworden, aufeinander zuzugehen, für Menschen mit ebenso wie für Menschen ohne Behinderung. Ich persönlich habe große Freude am Miteinander, sowohl im Job als auch im Privatleben. Das bevorzuge ich auch in meinem Beruf als Koch. Gerade dort erlebe ich oft, dass es in der Küche zusammen immer besser klappt und auch schmeckt. Dabei spielt nämlich weniger unser geschärfter Verstand eine Rolle als vielmehr ein herzlicher Umgang miteinander und die Freude daran, Dinge gemeinsam anzupacken.

#4: Wenn Sie Ihren Traum-Arbeitsplatz frei entwerfen könnten: Wie sähe der aus?

Die Grundlage für einen idealen Arbeitsplatz ist für mich die oder der Vorgesetzte. Sie oder er sollte es verstehen, auf die Stärken und Schwächen seiner Mitarbeiter einzugehen. Ein guter Chef versteht sich aus meiner Sicht selbst als Teil des Teams und geht auf die Bedürfnisse seiner Belegschaft ein. Durch Verständnis und den Kontakt auf Augenhöhe kann sich dann ein kollegiales Miteinander entwickeln und so kann sich jeder Einzelne entfalten.

[lgc_column grid=“100″ tablet_grid=“100″ mobile_grid=“100″ last=“false“]

Grafik einer GlühbirneVolker Westermann ist übrigens nicht nur vor der Kamera an Töpfen und Pfannen zu sehen, sondern kocht auch regelmäßig live. Wann diese Koch-Events stattfinden, was er sonst noch so treibt und welche anderen Projekte gerade aktuell sind, erfahrt ihr auf seiner Website.

[/lgc_column]




VIER FRAGEN AN… Laura Gehlhaar

#1: Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit die Inklusion im Beruf und bei der Arbeit besser wird?

Um ein nachhaltigeres inklusives Arbeitsleben für alle zu schaffen, müssen sich zuerst dringend die schulischen Strukturen ändern. Es muss gesetzlich und finanziell so funktionieren, dass behinderte Kinder wie alle anderen ein Recht auf Bildung haben Bildung, wie sie im regulären Schulsystem vermittelt wird. Erst dadurch werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Kinder und Jugendliche mit Behinderung später Berufsausbildungen machen oder ein Studium absolvieren können. Dann steigen die Chancen, überhaupt auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Es gilt also, für alle die gleichen Möglichkeiten und Zugänge zu Bildung und Arbeit zu schaffen.

#2: Was bremst Ihrer Meinung nach die Inklusion – bei der Arbeit, aber auch in der Gesellschaft insgesamt?

Die Politik benutzt meiner Meinung nach zu oft die Ausrede, dass für die Umsetzung der Inklusion zu wenig Geld da sei. Das ist mir etwas zu einfach. Wir leben in einem der wohlhabendsten Länder der Welt, da sollte es also keine finanziellen Ausreden dafür geben, dass verfassungmäßige Rechte der Menschen, die hier leben, nicht eingehalten werden. Aus meiner Sicht ist das alles mehr eine Frage des „Wollens“ auf der politischen Ebene  was sich gerade für mich, als Frau mit einer Behinderung, sehr erniedrigend anfühlt. Ich möchte mein Leben nicht vom guten Willen anderer abhängig machen und nicht auch noch große Dankbarkeit schulden müssen für etwas, was für Menschen ohne Behinderung seit Jahr und Tag eine Selbstverständlichkeit ist. Dabei geht es manchmal um ganz einfache Dinge: Wenn ich gerne Russisch lernen und dafür einen Sprachkurs machen möchte, aber vor dem Schulgebäude eine Stufe ist, die mir den Zugang zu diesem Kurs ohne Hilfe schlichtweg unmöglich macht, dann finde ich, dass mir als Rollstuhlfahrerin eine Rampe zusteht und zwar ohne, dass ich mir diese Barrierefreiheit erst langwierig rechtlich erkämpfen oder erbetteln muss.

Screenshot des Blogs von Frau Gelhaar
Auf ihrem Blog schreibt Laura Gelhaar unverblümt und ehrlich über ihr Leben als Frau mit Behinderung. Screenshot: Blog Laura Gelhaar (Stand: 2016) | Bearbeitung: LWL

#3: Wie könnten aus Ihrer Sicht andere Menschen im Alltag mit kleinen oder größeren Handlungen zur Inklusion beitragen?

Durch Hinsehen und indem sie sich selbst und den eigenen Standpunkt öfter mal reflektieren. Es ist nunmal leider so, dass ich aufgrund meiner Behinderung zu einer Minderheit gehöre, die im Alltag zugleich am allerhäufigsten diskriminiert wird. Ich fühle mich daher nicht nur systematisch von vielem ausgeschlossen, ich bin es auch, und zwar ganz faktisch: Aus Gebäuden, die nicht barrierefrei sind, oder aus dem Arbeitsleben, weil es dort zu wenige Einstiegsmöglichkeiten und tragende Strukturen für Menschen mit Behinderungen gibt. Ich bin aber niemand, der sich mit gesenktem Haupt umdreht und darüber jammert. Ich mache auf meine Art und sehr vehement auf solche Verhältnisse aufmerksam und konfrontiere andere damit, auch wenn das manchmal vor allem für die anderen weh tut. Es muss meiner Meinung nach aber unbedingt so sein, dass vor allem Nichtbehinderten bewusster wird, dass meine Behinderung nicht nur mir alleine gehört, das also nicht allein ,,mein Problem“ ist. Es geht jede und jeden etwas an, die oder der mich aus dem regulären Leben ausschließt, denn damit verursacht mein Umfeld diese Diskriminierung ganz direkt mit. Dann bin ich nicht behindert, sondern ich werde behindert.

#4: Wie sähe Ihr Traum-Arbeitsplatz aus, wenn sie ihn frei entwerfen dürften?

Ich würde auf jeden Fall erst um 11:00 Uhr anfangen zu arbeiten! (lacht) Nein, im Ernst: Ich bin selbstständig und habe damit sowieso schon die tolle Möglichkeit, mir meine eigenen Rahmenbedingungen zu setzen. Das ist für mich sehr gut. Ich teile mir meine Arbeitszeiten also selbst ein und bestimme auch über mein Pensum, so weit es geht. Und: Manchmal fange ich wirklich nicht vor 11:00 Uhr an. Das kann sich nicht jeder einfach so aussuchen. —

Alle, die gern mehr über Laura Gehlhaar erfahren möchten, möchten wir hiermit nochmals auf ihren Blog Frau Gehlhaar sowie auch auf ihr kürzlich erschienenes Buch „Kann man da noch was machen? Geschichten aus dem Alltag einer Rollstuhlfahrerin“ hinweisen. Das Taschenbuch ist im Heyne-Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 9,99 Euro.




Kompetent – und trotzdem arbeitslos

Menschen mit Behinderung einstellen: Zu teuer und zu aufwändig? Das scheinen jedenfalls rund ein Viertel aller beschäftigungspflichtigen Unternehmen in Deutschland so zu sehen, die sich immernoch davor scheuen, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anzubieten. Warum genau das so ist, bleibt ungeklärt, denn nur die wenigsten äußern sich zu diesem Problem. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer entrichten lieber die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsabgabe (was hinter diesem Begriff steckt, wird in unserem Interview-Artikel „Was sind Integrationsunternehmen?” erklärt).

Sie sind aber nicht die einzigen „Inklusionsbremsen” in unserer Arbeitswelt. Warum so vielen Menschen mit Behinderung nach wie vor die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt bleibt, obwohl sie gute Qualifikationen mitbringen, ergründet Charly Kowalczyk in seinem ARD-Radio-Feature Schwer behindert – Ein Feature über hoch qualifizierte Menschen, das in der Mediathek des ARD nachzuhören ist unsere ausdrückliche Empfehlung zum Wochenende!




Ohne Blatt vor dem Mund

Ihre Behinderung sei ihr „persönlicher Arschlochfilter”, sagt in bewusst unverblümter Wortwahl die Bloggerin Frau Gehlhaar über sich und ihre Begegnungen mit anderen Menschen. Die Autorin und Redakteurin schreibt, direkt und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, über das Leben, ihre Arbeit und über das, was sie im täglichen Kontakt mit anderen erlebt. Die Begegnungen reichen von angenehm bis anstrengend und Inklusion ist dabei nur eines von vielen Themen. Schließlich ist auch Gelhaars Behinderung nur eine von vielen Facetten, die sie als Mensch ausmachen das scheinen andere aber manchmal zu vergessen.
Fazit: Es macht Spaß, den Blog zu lesen. Die unterhaltsamen Beiträge enthalten außerdem indirekt und ohne erhobenen Zeigefinger Anregungen dazu, wie Menschen auf Augenhöhe miteinander umgehen könnten und sollten – egal, ob sie mit oder ohne Behinderung durchs Leben rollen und laufen.

Hier geht es zum Blog: Frau Gehlhaar




Alle sind anders

“Anderssein ist keine Hürde, sondern eine große Chance”, könnte der Grundsatz einer Initiative lauten, die sich in Deutschland für eine bessere Unternehmenskultur engagiert: Die Charta der Vielfalt hat sich zum Ziel gesetzt, dafür zu sorgen, dass in Zukunft das Potenzial aller Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Behinderung oder sexueller Orientierung angemessen wertgeschätzt, gefördert und genutzt wird.
“Diversity Management” heißt dieses Prinzip in der Fachwelt und in den Personalabteilungen von Unternehmen. Die Idee dahinter: Wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Firma oder Organisation sich gegenseitig schätzen, untereinander gerne Erfahrungen austauschen und ihr Fachwissen ungehindert weitertragen können, fördert das die Kreativität eines Teams – und das wirkt sich wiederum positiv auf die Innovationskraft des Unternehmens aus. Vielfalt beim Personal lohnt sich für Firmen demnach nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, es steigert auch deren Anpassungsfähigkeit an neue Entwicklungen auf den Märkten in Deutschland und der Welt.
Wie diese wertschätzende und profitable Unternehmenskultur gestaltet werden kann, wird auf den  Seiten der Charta der Vielfalt genauer erklärt.




Weit mehr als Rampen und Aufzüge

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur den freien Zugang zu Orten und Gebäuden. Genauso ist damit die Teilhabe etwa am Arbeitsleben gemeint, aber auch die Möglichkeit für jeden Menschen, ein eigenständiges Leben zu führen.
Welche verschiedenen Facetten Barrierefreiheit hat, darüber schreibt Christiane Link in ihrem Blog „Stufenlos“. Alltäglichkeiten sind bei ihr genauso Thema wie politische Fragen. Die Bloggerin beschränkt sich aber nicht darauf, Mängel aufzuzählen, sondern versucht stets, konstruktive Lösungswege aufzuzeigen. Christiane Link, die selbst mit Rollstuhl lebt, will damit ihren persönlichen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft leisten.

↗ Zum Zeit-Blog Stufenlos




Das Online-Magazin ROLLINGPLANET

Die Macher:innen beschreiben so gleich auf der Startseite sehr treffend, worum es bei ihrem nicht-kommerziellen Projekt geht:
Besucher:innen lesen hier keine gewöhnlichen Nachrichten, sondern viele verschiedene Beiträge, die immer einen Fokus auf Ereignisse und Entwicklungen haben, die sich um ältere Menschen und solche mit Behinderung drehen oder für diese besonders relevant sind. Die inzwischen acht ehrenamtlichen Redakteur:innen beschreiben sich selbst und ihren Stil als „politisch nicht immer korrekt“ und haben zu vielen Themen eine Meinung (aber „ohne ideologisch zu sein“).

Eine weitere interessante Funktion des Portals soll helfen, für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zu sorgen und Behindertenparkplätze für diejenigen freihalten, die sie brauchen: Unter der Rubrik „Parkplatzschweine“ können die Nutzer Fotos von Falschparkern einreichen, die offenkundig ohne entsprechenden Ausweis einen Behindertenparkplatz blockieren.

Hier geht es zum Portal: www.rollingplanet.net