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Tipps für Arbeitgeber:innen, Teil 1: Bewerbungsverfahren inklusiv gestalten

Viele Menschen haben unbewusste Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung. Deshalb ist die Haltung derjenigen, die Arbeitsplätze im Unternehmen besetzen, ein wichtiger Faktor. Damit Bewerbungsverfahren inklusiver werden können, sollten sich die Personalverantwortlichen daher vorab mit ihren eigenen Vorurteilen auseinandersetzen, damit sie nicht unbeabsichtigt Bewerber:innen bevorzugen, die ihnen ähnlich sind – in vielen Fällen also Menschen, die keine Behinderung haben.

Die GLS-Bank und JOBinklusive geben über diesen ersten Tipp hinaus auch konkrete Empfehlungen, wo und wie Unternehmen gezielt nach Bewerber:innen mit Behinderung suchen und wie sie ihr Auswahlverfahren verändern können. Mögliche Mitarbeiter:innen werden nämlich häufig nach Kriterien beurteilt, die Menschen mit Behinderung von vornherein ausschließen.

Auch, wenn ein:e Mitarbeiter:in mit Behinderung im Unternehmen zu arbeiten anfängt, gibt es einiges zu beachten. Neben einem barrierefreien Arbeitsplatz ist auch hier wieder die Haltung der Vorgesetzten wichtig: Je positiver sie der Inklusion in ihrem Unternehmen gegenüberstehen, desto offener sind wahrscheinlich auch die Kolleg:innen ohne Behinderung.

Hier geht es zu dem ausführlichen Beitrag der GLS-Bank, hier zu einer kompakteren Zusammenfassung der Tipps von JOBinklusive, das übrigens ein Projekt des Vereins Sozialheld:innen ist.




Preisgekrönt: Inklusive Ausbildung bei der „Deutschen Welle“

Insgesamt arbeiten mehr als 100 Menschen mit Behinderung für die „Deutsche Welle“ (DW), das sind rund sechs Prozent der Beschäftigten. Und es sollen noch mehr werden: Das Unternehmen hat sich vorgenommen, die Quote in diesem Jahr auf acht Prozent zu steigern.

Kerstin Nitz hat sich im Sender mit dafür eingesetzt, dass Inklusion am Arbeitsplatz dort selbstverständlich geworden ist. Heute ist sie am Standort Berlin die Vertrauensperson für die festen und freien Mitarbeiter:innen mit Behinderung. Sie sitzt also mit am Tisch, wenn sich eine schwerbehinderte Person um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bewirbt, und unterstützt im Arbeitsalltag bei praktischen Fragen.

Der Tagesspiegel aus Berlin hat mit Kerstin Nitz über ihre Arbeit und ihr Engagement gesprochen. Außerdem berichten in dem Text zwei Auszubildende mit Behinderung über ihre Erfahrungen.

Hier geht es direkt zum Artikel.




Filmtipp: Inklusives Studium an der Uni Marburg

Anna Mühlhause studiert Psychologie. Sie lebt mit Rollstuhl und braucht im Alltag manchmal Hilfe. Deshalb hat sie sich für die Uni Marburg entschieden: Dort gibt es ein barrierefreies Wohnheim mit einem integrierten Pflegedienst, Assistent:innen und einem Fahrdienst, der sie zur Uni und wieder zurück bringt.
Für die Studentin sind aber nicht nur diese Angebote wichtig, sondern auch die Einstellung ihrer Kommiliton:innen und Dozent:innen. Sie bieten Hilfe an und gestalten Prüfungen ganz unkompliziert so um, dass sie durch ihre Behinderung keinen Nachteil hat.





Hör-Tipp: Ein Podcast zur Inklusion in der Gesellschaft

Jürgen Dusel erzählt im Gespräch mit Simone Fischer, warum er für sein Amt brennt und was Inklusion für ihn bedeutet. Für ihn geht es dabei nämlich um Demokratie und die Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Er erklärt außerdem, welche Themen er in den nächsten Jahren besonders in den Blick nehmen möchte: Neben der barrierefreien Mobilität und mehr bezahlbarem, barrierefreien Wohnraum beschäftigt ihn auch die Teilhabe am Arbeitsleben. Der Beauftragte der Bundesregierung schildert, was aus seiner Sicht bei diesem Thema schon gut läuft, aber auch, wo es noch viel zu tun gibt und welche Lösungen er dafür anstrebt.




Der Fachkräftemangel als Inklusionsmotor (?)

 „Ein knappes Zehntel der Deutschen ist schwerbehindert. Nur gut die Hälfte von ihnen hat einen Job. Bei den Nichtbehinderten sind es über 80 Prozent. Was läuft da schief?“, fragt Andreas Monning gleich zu Beginn seines Kommentars – und fasst damit die nach wie vor unausgeglichene Situation auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zusammen.

Ausgerechnet der Fachkräftemangel, der schon länger ein großes wirtschaftliches Problem ist, könnte nun zugleich der Motor für mehr Inklusion im Arbeitsleben sein, analysiert Monning – und stellt fest, dass der Anteil an Menschen mit Behinderung im erwerbsfähigen Alter, die einen Job haben, zwischen 2009 bis 2017  tatsächlich um vier Prozent angestiegen ist. Vor allem große Unternehmen mit Tausenden und Zehntausenden von Mitarbeiter:innen scheinen die Chance erkannt zu haben, denn laut Monning inserieren sie inzwischen sehr viel häufiger Stellen, die explizit an Menschen mit Behinderung gerichtet sind.




Ein Model mit Downsyndrom erzählt von sich und ihrem Job

Langes braunes Haar, helle blaue Augen, unzählige Sommersprossen und ein strahlendes Lächeln – Tamara Röske verdient ihr Geld als Model unter anderem mit ihrem Aussehen und ihrer Ausstrahlung. In einem YouTube-Interview mit Leeroy Matata erzählt sie, wie es dazu kam und was sie in ihrem Job schon alles erlebt hat. Sie hat sie zum Beispiel schon in Paris, Rom, Wien und München gearbeitet, war also in gleich mehreren Modehauptstädten Europas unterwegs. Neben ihrer Karriere als Model schauspielert Tamara Röske auch noch, und zwar sowohl in Fernsehrollen („Die Toten vom Bodensee“, ORF/ZDF) als auch im Kino („Fack ju Göthe“, Teil 3; mit dem Hauptdarsteller Elyas M’Barek ist sie heute befreundet, verrät sie im Interview).

Tamara Röske ist oft auch Hass und Diskriminierungen ausgesetzt, vor allem im Netz. Im Interview liest Leeroy Matata als Beispiel einen Kommentar vor, den jemand unter einen Post auf Röskes Instagram-Seite gesetzt hat: „Nur normale Menschen dürfen sich so präsentieren“, schreibt eine Nutzerin dort. Mit solchen behindertenfeindlichen Ansichten anderer Menschen ist Tamara Röske häufiger konfrontiert. Sie versucht, souverän damit umzugehen: „Ich hab’s schon mal gesagt: Das geht da rein und da wieder raus.“

Leeroy Matata fragt zum Abschluss noch, was Tamara Röske anderen Menschen raten würde, wenn sie unsicher sind, wie sie sie am besten behandeln sollen. Auch darauf hat sie eine klare Antwort: „Nett, höflich und nicht anstarren.“




Filmtipp: Das ZDF begleitet zwei Schwestern mit und ohne Down-Syndrom

Die beiden Schwestern erzählen im Film von ihrer gemeinsamen Kindheit und Jugend und was sie sich für ihre Zukunft wünschen. Für Victoria ist der Berufseinstieg außerdem einfacher als für ihre Schwester, denn Elisabeth muss beim Jobcenter erst einmal finanzielle Unterstützung für eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme beantragen, um überhaupt eine Ausbildungsstelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bekommen zu können.

Die schöne 37-Grad-Reportage über die beiden zeigt, wie die Schwestern und ihre Eltern mit unterschiedlichen Herausforderungen umgehen, wie sie sich an einen neuen Alltag ohne die jeweils andere Schwester gewöhnen und ihren Kontakt zueinander neu gestalten müssen – und wie sie dabei neue gemeinsame Pläne schmieden.

Das Filmteam hat außerdem ein zweites, jüngeres Zwillingspaar und dessen Familie begleitet und zeigt, wie sie mit den Herausforderungen des Erwachsenwerdens umgehen.




Patienten-Information.de: Gesundheitsinfos in Leichter Sprache

Was ist eine Essstörung und wie wird sie behandelt? Welche Medikamente helfen bei Asthma und wie werden sie angewendet? Und was sollten Patient:innen beachten, wenn sie ein Antibiotikum einnehmen müssen?
Solche und ähnliche Fragen beantwortet die Website Patienten-Information.de in Leichter Sprache. Medizinische Informationen einfach zu aufzubereiten, ist eine Herausforderung. Denn die Übersetzer:innen müssen gut auswählen, welche Aspekte sie überhaupt aufnehmen, und auch entscheiden, wie stark sie Zusammenhänge vereinfachen wollen und können, um sie in Leichte Sprache zu übersetzen.




Selbst sprechen, selbst Themen setzen: Das Social-Media-Team des YouTube-Kanals „Behindert – so what!“

In vielen Medien wird zwar heute mehr über Inklusionsthemen berichtet als noch vor einigen Jahren, doch Menschen mit Behinderung kommen dabei nach wie vor eher selten selbst zu Wort. In der Social-Media-Redaktion der Hephata-Stiftung ist das anders. Fast alle Mitglieder des Teams haben eine Behinderung. Sie bestimmen die Themen mit, die sie anschließend eigenständig für den YouTube-Kanal umsetzen.

Das ZDF-Magazin 37 Grad hat für die Reportagereihe „einfach Mensch“ einen Blick hinter die Kulissen geworfen und das Social-Media-Team bei Redaktionssitzungen oder auch bei Filmdrehs begleitet, einer zum Beispiel im Stadion des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Auch Alltagssituationen von Menschen mit Behinderung, die oft von Barrieren geprägt sind, sind auf dem YouTube-Kanal immer wieder Thema und werden kritisch in Frage gestellt.




Raus aus dem Tabu: Wie Sexualbegleiter:innen Menschen mit Behinderung sinnliche Erfahrungen ermöglichen

Berührungsängste hatte Edith Arnold nie. Der Kontakt zu Menschen mit Behinderung war für sie schon immer normal, sie besuchte als Kind einen integrativen Kindergarten und wuchs mit einer Tante auf, die das Down-Syndrom hatte.
Nach einigen beruflichen Zwischenstationen entschied sich die 34-Jährige für eine eher ungewöhnliche Arbeit: Sie wollte geistig behinderten Menschen dabei helfen, ihre eigene Sexualität kennenzulernen. Seitdem arbeitet sie als Sexualbegleiterin und hat damit ihren Traumberuf gefunden. Sie hat intimen Kontakt mit ihren Kunden, berührt, streichelt oder massiert sie. Aktiven Sex hat sie mit ihnen aber nicht. Als Sexualassistentin unterstützt sie außerdem Paare mit Behinderung dabei, ihre Bedürfnisse auszuleben. Darüber hinaus hält sie Vorträge und gibt Seminare zu diesem wichtigen Thema, das oft noch ein Tabu ist.

Hier geht es zum ZDF-Dokumentarfilm mit Einblicken in die Arbeit von Edith Arnold.