Die Portale „DGUV job“ und „Wegweiser Berufsumstieg“: Unterstützung bei Berufswechsel und Gesundheitsschutz

Welchen gesundheitlichen Belastungen und Risiken sind Arbeitnehmer:innen in der heutigen Arbeitswelt ausgesetzt? Wie können sie in einen neuen Beruf wechseln, der zu ihren Fähigkeiten und Interessen passt? Und wie erkennen sie, wann sie über einen solchen Wechsel nachdenken sollten?

Im „Wegweiser Berufsumstieg“ der DGUV finden Arbeitnehmer:innen Antworten, Tipps und beispielhafte Erfolgsgeschichten rund um diese Fragen. Über die Berufssuche können sie mögliche alternative Berufe finden, die zu ihrem bisherigen Werdegang, ihren Stärken und Wünschen passen. Außerdem sind Beratungsstellen und weiterführende Informationsquellen verlinkt.

Auch Menschen, die wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit nicht in ihrem bisherigen Job weiterarbeiten können, finden im „Wegweiser Berufsumstieg“ Anregungen für die berufliche Neuorientierung. Wer möchte, kann sich darüber hinaus aber auch an das Team von „DGUV job“ wenden, das bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt. Die Berater:innen nutzen unter anderem eine spezialisierte Suchmaschine, um passende Jobangebote zu finden und vorzuschlagen. Sie können außerdem Kontakte zu Arbeitgeber:innen herstellen und über Fördermöglichkeiten informieren. Auf Wunsch helfen sie Ratsuchenden auch dabei, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

Hier geht es zum „Wegweiser Berufsumstieg“ und hier zum Portal „DGUV job“.




Inklusion aus Westfalen auf der internationalen Kinoleinwand: Ein japanisches Filmteam zu Gast in Bielefeld

In Ken-ichi Oguris Dokumentarfilm „Let People Be People“ (auf Deutsch: „Lass Menschen Menschen sein“) stehen unter anderem zwei Beschäftigte mit Behinderung im Mittelpunkt, die in der Außenstelle der LWL-Archäologie in Bielefeld arbeiten und dort fester Bestandteil des Teams sind. Das Filmteam porträtierte deren Arbeitsalltag als vorbildliches Beispiel dafür, dass jeder Mensch wertvolle Arbeit leisten kann, wenn das Umfeld stimmt.
Spannend ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern auch der Perspektivwechsel: Wie blickt ein japanisches Kamerateam auf Inklusion „Made in Westfalen“? Und was können beide Länder voneinander lernen?

Der Film soll später auf Filmfestivals und in japanischen Kinos gezeigt werden und so ein internationales Publikum für das Thema Inklusion sensibilisieren.

Als Träger der Archäologie-Außenstelle in Bielefeld dokumentiert der LWL die Dreharbeiten auf seinem Story-Portal und beleuchtet, warum der Regisseur sich gezielt für diesen Drehort und die Protagonist:innen entschieden hat. Dabei wird schnell klar: Hier geht es nicht um Helden- oder Mitleidsgeschichten, sondern um echte Teilhabe.

Den vollständigen Artikel findet ihr hier: 👉 Inklusionsgeschichten für das japanische Kino




Lese- und Video-Tipp: NDR-Beitrag über einen blinden Landwirt, der auf Instagram seine Arbeit erklärt

Axel Duensing, der wegen einer Erberkrankung im Laufe seines Lebens erblindet ist, studierte ökologische Landwirtschaft und kehrte danach zurück auf den Familienbetrieb. „Landwirtschaft und Inklusion passen super zusammen“, sagt er im Interview mit dem NDR. Auf seinem Instagram-Kanal zeigt er, wie genau das bei ihm aussieht. „Was mache ich als blinder Landwirt auf dem Trecker?“ oder „Wie mache ich als blinder Landwirt den Weidezaun für meine Rinder?“, so heißen zwei seiner bisher gut 50 Beiträge auf der Plattform. Seine Frau nimmt die Videos auf und arbeitet auf dem Hof mit, ebenso wie Axel Duensings Vater und Schwester – ein klassischer Familienbetrieb, auf dem der junge Landwirt nun neue Ideen ausprobieren möchte.

Hier könnt ihr den NDR-Beitrag über Duensing lesen und den Video-Beitrag sehen (oben über dem Text).




Hör-Tipp: Ideen für eine inklusive Arbeitsumgebung

Kerstin Michels hat seit acht Jahren selbst eine Hörbehinderung. Mit Ende 20 stand sie deshalb vor einschneidenden Fragen: Wie kann ich noch arbeiten? Und: Wie offen gehe ich mit meiner unsichtbaren Behinderung um?
Anfangs versuchte sie, ihre Behinderung im Berufsalltag zu überspielen. Doch das war so anstrengend, dass sie sich irgendwann entschied, darüber zu sprechen. Dabei stellte sie fest, dass inklusives Arbeiten eine Art Henne-Ei-Frage ist: Sie selbst musste klar kommunizieren, was sie braucht, um gut arbeiten zu können – aber mit dieser Offenheit auch auf ein Umfeld stoßen, in dem sie keine Angst vor einer Stigmatisierung haben muss. Was muss also zuerst vorhanden sein? Am besten beides gleichzeitig.

Im IGEL-Podcast spricht Kerstin Michels darüber, wie Unternehmen ein solches Umfeld schaffen und wie Voiio dabei unterstützen kann.

Die Podcast-Folge dauert etwa 30 Minuten. Hier könnt ihr sie unabhängig von Streaming-Diensten direkt im Browser hören; hier geht’s zur Folge auf Spotify.




Film-Tipp: Von der Lkw-Waschkraft zum Vollzeitkünstler

Elias von Martial hat schon immer gerne gezeichnet. Seine Werke zeigen fantastische Kreaturen und imaginäre Welten, die gesellschaftlich relevante Themen wie den Klimawandel und Machtverhältnisse beschreiben. Sein Berufswunsch: Er möchte als Animator in der Filmbranche arbeiten.
Bis zum Jahr 2020 konnte der 28-Jährige, der seit seiner Geburt mit einer Halbseitenlähmung lebt, seine Leidenschaft nur nebenbei ausleben. Er musste sein Geld damit verdienen, dass er in einem Logistikunternehmen die Lkw wusch. Seit er im kaethe:k kunsthaus in Pulheim bei Köln einen Atelierplatz hat, kann er sich nun fünf Tage die Woche auf seine Kunst konzentrieren. Das Kunstprojekt kaethe:k wird von der Gold-Kraemer-Stiftung gefördert, die damit künstlerisch talentierte Menschen mit einer Behinderung in den Bereichen Malerei, Plastik, Grafik, Neue- und Interdisziplinäre Medien unterstützt.

Hier geht es zum 16-minütigen ZDF-Film „Elias von Martial – Ich bin ein Künstler“ von Heike Ebling, der den jungen Mann in seinem Alltag, beim Zeichnen, bei Ausstellungen und Workshops begleitet.




Selbstlernkurse zu digitaler Barrierefreiheit: Warum das Thema spätestens jetzt wichtig ist (nicht nur für Designer:innen)

Je nach Rolle, Vorwissen und Arbeitsbereich sind in der digitalen Barrierefreiheit unterschiedliche Inhalte wichtig:

  • Für Designer:innen, die direkt mit digitalen Benutzeroberflächen und visuellen Systemen arbeiten, geht es vor allem um eins: die Prinzipien und Regeln der barrierefreien Gestaltung kennenzulernen und sicher anwenden zu können.

  • Wer in Redaktionen, Kommunikation oder Verwaltung arbeitet, sollte lernen, verständliche Texte zu schreiben, barrierefreie Word- oder PDF-Dokumente zu erstellen und die Regeln der Einfachen Sprache anzuwenden.

  • Für fachübergreifende Teams, etwa in der IT, im Projektmanagement oder in Organisationen, hilft es oft, erst einmal einen Überblick über digitale Barrieren zu bekommen und zu erfahren, wie beispielsweise Websites überhaupt auf Barrierefreiheit überprüft werden können.

Wir haben dazu drei passende Selbstlernkurse herausgesucht:

🧠 Gehirngerecht Digital – Onlinekurs für Designer:innen

Dieser fundierte Selbstlernkurs richtet sich speziell an Produkt-, Marken- und UX-/UI-Designer:innen ohne weitere Vorkenntnisse. Er vermittelt in über 30 Lektionen die wichtigsten Anforderungen an barrierefreie Gestaltung auf Grundlage der WCAG- Standards (= Web Content Accessibility Guidelines, auf Deutsch: Richtlinien für barrierefreie Webinhalte). Der Kurs vermittelt zum Beispiel, welche unterstützenden Technologien Menschen mit Behinderung überhaupt nutzen – und was deshalb bei der Gestaltung von Websites und Apps generell beachtet werden muss. Dabei geht es etwa um den Aufbau einer Seite oder App, um Kontraste und Farben, Schrift und Typographie und vieles andere mehr. Der Workshop hilft außerdem dabei, die eigenen Design-Entscheidungen richtig zu dokumentieren und an Entwickler zu kommunizieren.

Im Kurs enthalten sind neben den Lektionen ein digitales Arbeitsbuch und – nach erfolgreichem Abschluss – ein Zertifikat.
Netter Bonus: Das Zertifikat kann auf LinkedIn mit dem persönlichen Profil verknüpft werden.

Kosten: 290 € (inklusive Mehrwertsteuer)


🧩 Aktion Mensch – Kostenlose E-Learning-Kurse zu verschiedenen Aspekten der Barrierefreiheit

Die Aktion Mensch bietet mehrere kostenfreie, digitale Kurse zu verschiedenen Aspekten der Barrierefreiheit – zwei davon besonders geeignet für Redaktionen, Verwaltungen, NGOs oder Kommunikationsabteilungen:

  • Selbstlernkurs „Einfache Sprache“: Wie komplexe Inhalte verständlich und inklusiv formuliert werden (Umfang: ca. 10 Stunden; → diesen Kurs hatten wir in unserem Blog hier schon einmal genauer vorgestellt)

  • Selbstlernkurs „Barrierefreie Word- und PDF-Dokumente erstellen“ (Umfang: ca. 8 Stunden)

Der Einstieg ist jederzeit möglich. Für beide Kurse ist kein Vorwissen nötig. Sie sind kostenlos, eine einmalige Registrierung ist jedoch erforderlich.


👩‍🏫 eGov-Campus – Gratis-Onlinekurs „Digitale Barrierefreiheit – Teilhabe für alle“

Der eGov-Campus ist eine Bildungsplattform, die vom deutschen IT-Planungsrat betrieben wird. Der Selbstlernkurs ist also staatlich gefördert und deshalb kostenfrei. Er richtet sich an alle Berufsgruppen – von Verwaltung über IT bis hin zu Kommunikation. Der Kurs ist ideal für Einsteiger:innen und Projektteams, die sich einen fundierten Überblick über das Thema verschaffen möchten.

Der Workshop kann im eigenen Tempo absolviert werden. Vom Anbieter wird der Umfang auf etwa 14 Wochen geschätzt – bei einem wöchentlichen Zeitaufwand von 6–9 Stunden pro Modul. Die tatsächliche Bearbeitungsdauer hängt aber stark vom individuellen Vorwissen und der eigenen Geschwindigkeit ab, eine Verkürzung ist also möglich.

Beispiele aus dem Kurs:

  • Warum digitale Barrierefreiheit nötig und wichtig ist
  • Die Rechtslage in Deutschland
  • Checklisten für barrierefreie Webseiten
  • Testmethoden zur Überprüfung der Zugänglichkeit von Websites

Auch für diesen Kurs ist kein Vorwissen nötig. Er ist kostenlos, eine einmalige Registrierung ist aber erforderlich.




Film-Tipp: Der einzigartige Blickwinkel von Käthe deKoe

Itje Kleinert lebt mit Achondroplasie, einer genetisch bedingten Wachstumsstörung, die zu Kleinwuchs führt. Unter dem Künstlerinnennamen Käthe deKoe hat sich die 1,23 Meter große Autodidaktin zur professionellen Konzertfotografin entwickelt. Ihren Blickwinkel, also von weiter unten, finden viele spannend und interessant. Sie selbst sagt, das sei nun einmal ihre Perspektive. Aus dieser hat sie zum Beispiel den Rapper Wiz Khalifa und Bands wie Bilderbuch, The Notwist oder Red Hot Chili Peppers abgelichtet. Gleichzeitig engagiert sich Käthe deKoe für mehr Inklusion und kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung im Nachtleben. Sie ist Mitglied der Initiative „Barrierefrei Feiern“, die sich dafür einsetzt, dass Clubs, Festivals und die Musikbranche inklusiver gestaltet werden.

Was die Fotografin antreibt und wo ihr immer noch Barrieren begegnen, zeigt diese 15-minütige Dokumentation „Käthe deKoe: Kunst im Fokus“ in der ZDF-Reihe „einfach Mensch“.




„Barbie kann dabei helfen, den Markt inklusiver zu gestalten“

Seit 65 Jahren gibt es die Barbie-Puppe, rund 175 Modelle hat der Hersteller Mattel im Laufe der Zeit auf den Markt gebracht. Lange waren die Puppen weiß, blond und dünn und hatten keine Behinderungen. Seit ein paar Jahren werden sie immer diverser. Inzwischen gibt es Barbies mit unterschiedlichen Körperformen oder Hautfarben. Und auch Puppen mit Behinderungen, zum Beispiel eine Barbie mit Rollstuhl, eine blinde Barbie oder eine Schwarze Barbie mit Down-Syndrom.

Die blinde Autorin Jennifer Sonntag, nach eigener Aussage Barbie-Fan, hat sich auf ihrem Blog mit der Puppe beschäftigt. „Blinde Barbie – empowernd* oder nicht?“, fragt sie – und beantwortet die Frage in ihrem Beitrag mit einem klaren „Ja“. Jennifer Sonntag schreibt: „Barbie kann mehr als Mode.“ Warum sie das so sieht, könnt ihr hier nachlesen.

(*„empowernd“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „befähigend“ oder „ermächtigend“.)




Tipps für den Start oder Wiedereinstieg in den Beruf: Das Portal REHADAT Bildung

Das Portal REHADAT Bildung ist ein Angebot des Instituts der Deutschen Wirtschaft. In der Rubrik „Meinen Beruf finden“ bietet es einen Überblick über mögliche Berufsfelder, etwa Elektronik, Gesundheit, Landwirtschaft und Medien. Darüber hinaus wird zu Seiten der Bundesagentur für Arbeit verlinkt, auf denen sämtliche Ausbildungsberufe vorgestellt und verschiedene Tests zur beruflichen Orientierung angeboten werden.
Wer wegen eines Unfalls oder einer Erkrankung den alten Beruf aufgeben musste und nun wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen möchte, kann sich auch über Weiterbildungen, Umschulungen und Unterstützungsmöglichkeiten informieren.

In einer „Infothek“ hat das REHADAT-Team Projekte zusammengestellt, die Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Weg zu ihrem Wunschberuf sowie beim Übergang zwischen Schule und Ausbildung unterstützen. Hier gibt es auch Informationen zu Mentorenprogrammen, Auslandsaufenthalten und den Beratungsangeboten der Handwerks-, Industrie- und Handelskammern sowie der Landwirtschaftskammern. Letztere beraten und informieren Betriebe, die junge Menschen mit Behinderungen ausbilden oder einstellen möchten.

In der Infothek finden junge Bewerber:innen außerdem Checklisten, die ihnen dabei helfen, sich auf einen Termin bei der Berufsberatung oder auf ein Vorstellungsgespräch vorzubereiten. Sie können hier beispielsweise prüfen, ob sie im Lebenslauf oder im Anschreiben ihrer Bewerbung an alles gedacht haben.

Diese und noch viele weitere Infos und Tipps gibt es auf www.rehadat-bildung.de!




Virtuelle Schere für mehr Inklusion: Wie „Mixed Reality“ angehende Friseur:innen in der Ausbildung unterstützt

Haare schneiden, ohne eine Schere in die Hand zu nehmen: Was wie Zauberei klingt, gehört im Berufsbildungswerk Hamburg zum Alltag in der Berufsausbildung angehender Friseur:innen. Dank einer so genannten Mixed-Reality-Brille verschmelzen hier virtuelle und reale Welt miteinander: Die Brille ermöglicht es, Haarschnitte zu üben und komplexe Techniken sichtbar zu machen, bevor sie an echten Haaren angewendet werden. Das hilft den jungen Menschen mit und ohne Behinderung dabei, das Handwerk ohne Druck und Risiko zu erlernen, und stärkt ihr Selbstvertrauen.

Hinter dem Ansatz steht das vom Bund geförderte Projekt EdAL MR 4.0. Die Abkürzung bedeutet „Entwicklung und Erprobung digitalisierter Arbeitshilfen und Lerneinheiten auf Mixed Reality Basis in der beruflichen Reha-Ausbildung zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt 4.0”. Das Projekt zielt also darauf ab, Menschen mit Behinderung oder Förderbedarfen durch digitale Werkzeuge und Lernkonzepte dabei zu unterstützen, ihre Ausbildung erfolgreich zu absolvieren – oder beispielsweise von einer Werkstatt für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu wechseln.

Der NDR hat das Berufsbildungswerk Hamburg und die Azubis besucht und sich das innovative Ausbildungskonzept aus der Nähe angeschaut. Hier lest ihr die ganze Reportage.