Linktipp: Warum zu Nachhaltigkeit auch Inklusion gehört

Nachhaltigkeit wird oft nur im Kontext von Klima- und Umweltschutz verstanden. Ebenso dazu gehört jedoch, dass für Vielfalt in den Führungsetagen und unter den Mitarbeiter:innen gesorgt und damit soziale Ungleichheit verhindert wird.

Viele Unternehmen sind bereits auf dem richtigen Weg: „Um Vielfalt zu fördern, nehmen immer mehr Unternehmen an Programmen und Aktionen teil und bekennen sich öffentlichkeitswirksam zu einer Haltung, die Vielfalt fördert. Die dabei unterzeichneten Statements sind eine Selbstverpflichtung auf dieses Ziel hinzuarbeiten“, schreibt die Inklusions-Kampagne JOBinklusive diesen Monat in einem Online-Artikel zum Thema. Und nennt zugleich einen wichtigen Kritikpunkt: „Die Dimension von Inklusion und Behinderung fällt dabei oft hinten runter, obwohl sie im Bereich Arbeit seit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention vor elf Jahren nicht mehr nur eine nette Sache ist, sondern ein Menschenrecht.“

Den ganzen Artikel lest ihr hier.




Schauspielerin Lucy Wilke bekommt Theaterpreis „FAUST“

Ein Jahr lang hat Lucy Wilke den Satz „Ich möchte schauspielern“ in ihr Tagebuch geschrieben – jeden Tag. Zum Theater hat sie seit ihrer Kindheit eine enge Beziehung, ihr Vater arbeitete als Bühnenbauer und die Familie lebte in einem Wohnwagen neben dem Münchner Theaterzelt „Das Schloss“. Lange Zeit traute sie sich aber nicht, eine Karriere als Schauspielerin anzustreben, weil sie wegen einer Muskelerkrankung mit Rollstuhl lebt.

Inzwischen arbeitet Lucy Wilke aber in ihrem Traumberuf. Das Stück „Fucking Disabled“ – der Titel kann mit „scheiß behindert“ oder mit „behindert ficken“ übersetzt werden – machte sie bekannt und war für sie selbst eine Art persönlicher Befreiungsschlag. Im BR-Beitrag erzählt sie, warum das so war und wann ihre Behinderung auf der Bühne eine Rolle spielt oder gerade keine spielen sollte. Ein sehr inspirierender Text, den wir sehr empfehlen!




Was ist „Ableismus“? Lesetipp zu einem Begriff, den Menschen ohne Behinderung kennen sollten

Fremdwörter können Hemmschwellen aufbauen. Beim Begriff „Ableismus“ ist das ein Problem, weil er wichtig ist, aber viele nicht wissen, was er bedeutet.

Die Journalistin Rebecca Maskos erklärt in diesem Artikel für das Online-Magazin „Die neue Norm“, was dahintersteckt und warum gerade Menschen ohne Behinderung sich damit auseinandersetzen sollten. Außerdem erläutert sie, warum die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung etwas anderes ist als Behindertenfeindlichkeit — und wie das Thema durch den Hashtag #AbleismTellsMe erst in den USA und danach in Deutschland endlich sichtbarer wurde. Unser Fundstück der Woche!

Hier geht es direkt zum Artikel:

Warum Ableismus Nichtbehinderten hilft, sich „normal“ zu fühlen

Über „Die Neue Norm“

Das Online-Magazin ist ein Projekt des Vereins Sozialhelden e. V.. Vor allem das Thema Behinderung will das Redaktionsteam damit gesellschaftlich in einen neuen Zusammenhang setzen — und es „raus aus der Charity- und Wohlfahrtsecke“ in die Mitte der Gesellschaft tragen.




Video-Eventtipp: Ausbildungen und Karrieremöglichkeiten in der Justiz

Das nächste Video-Event trägt den Titel „Arbeiten bei der Justiz.NRW – Inklusion inklusive“, startet am Dienstag, den 27. Oktober um 15 Uhr und dauert etwa 30 Minuten*. Wie der Name schon sagt, richtet sich dieses Event gezielt an Menschen mit Behinderung, die über einen juristischen Beruf nachdenken und sich dazu informieren möchten.

Alle „HeimRechts“-Events laufen immer ähnlich ab: Angestellte aus den verschiedenen Einrichtungen und Fachrichtungen sitzen mit in der Konferenz und erzählen aus ihrem Arbeitsalltag. Wer am Meeting teilnimmt, kann ihnen live Fragen stellen.
Bei der Veranstaltung zum Thema Inklusion im Justizdienst zum Beispiel sind eine Mitarbeiterin des Amtsgerichts Krefeld und ein Mitarbeiter des Amtsgerichts Bochum mit dabei und erzählen von ihrer Arbeit. Beide haben eine Behinderung.

In den weiteren Events geht es um die Ausbildung zur Justizfachangestellten (4. November) und um die Ausbildung zur Mitarbeiterin im Krankenpflegedienst (26. November).

Teilnehmen könnt ihr an den Meetings über die Videokonferenz-Software Zoom, aber auch über euren Webbrowser, über Facebook oder über Instagram. Wie das genau funktioniert, lest ihr am besten auf der Website zum Projekt im FAQ nach.

Übrigens findet ihr auf der Seite auch viele Ausschnitte aus vergangenen Video-Events, in denen es zum Beispiel um die Ausbildung zum Justizfachangestellten oder um das Duale Studium „Diplom-Rechtspflegerin“ ging. Und: Neben Videos gibt es einen Stellenmarkt und viele, gut aufbereitete schriftliche Informationen – zum Beispiel zu den verschiedenen Möglichkeiten, in das Berufsfeld einzusteigen, oder Steckbriefe zu den unterschiedlichen Berufen.


*Da das Event inzwischen vorbei ist, haben wir euch hier den Zusammenschnitt der Veranstaltung verlinkt (YouTube-Video).




„Wer sich nicht divers aufstellt, findet keine guten Leute mehr“

Viele Firmen werben inzwischen damit, dass sie sich vielfältig aufstellen und mit diversen Teams arbeiten möchten. Einige von ihnen haben so genannte Diversitätsbeauftragte angestellt, die sich um dieses Thema kümmern und die Führungskräfte dazu beraten sollen.

Das Problem aus der Sicht von Laura Gehlhaar, die seit mehr als zehn Jahren mit Rollstuhl lebt: Oft sind die Menschen an den Spitzen der Firmen – ebenso wie die Beauftragten für das Thema Vielfalt – weiße Männer ohne Behinderung.

Die 37-Jährige kritisiert in dem SZ-Interview aber nicht nur, was alles schiefläuft. Sie gibt auch Anregungen, wie Inklusion in Unternehmen und in der Gesellschaft besser gelingen kann. Genau darüber haben wir mit ihr vor gut drei Jahren übrigens auch schon für unseren eigenen Blog gesprochen.




„Masking“ überflüssig machen: Wie ein barrierefreies Arbeitsumfeld für Menschen mit Autismus aussehen kann

Blickkontakt herstellen, lächeln, die Augenbrauen kurz anheben: Diese Gesichtsausdrücke verwenden viele nicht-autistische Menschen ganz selbstverständlich, wenn sie ihrem Gegenüber signalisieren möchten, dass sie ein Gespräch beginnen wollen. Menschen im Autismus-Spektrum können diese nonverbalen Zeichen intuitiv aber nicht deuten und setzen sie selbst auch nicht ein. Um nicht aufzufallen, ahmen deshalb viele autistische Menschen die Mimik oder Gesten nach, die sie bei ihren Mitmenschen beobachtet haben. Diese Anpassung wird „Masking“ (übersetzt: „Maskierung“) genannt.

In diesem Beitrag des Online-Magazins zett.de erzählen Menschen mit Autismus von ihren Erfahrungen damit, sich auf diese Weise besser in ihr Umfeld einzufügen. Sie erklären, wann und warum sie Masking einsetzen und wie es ihnen damit geht. Und sie machen Vorschläge, wie nicht-autistische Freunde und Kollegen sie unterstützen können, damit das Masking vielleicht eines Tages aus dem Privat- und Berufsleben autistischer Menschen verschwindet.




Reisen mal anders: Der Blog von Natalie Dedreux

Natalie Dedreux möchte Journalistin werden. Die junge Frau arbeitet für das Magazin Ohrenkuss, für das nur Menschen mit Down-Syndrom schreiben, und hat ein Praktikum beim Deutschlandfunk gemacht. Sie hat auch einen eigenen Blog, auf dem sie regelmäßig Texte über politische Themen, ihren Alltag und ihre Reisen veröffentlicht. „Das Leben mit Down-Syndrom ist cool“, schreibt sie. Das möchte sie mit ihrem Blog und ihrem Instagram-Account auch Menschen ohne Down-Syndrom zeigen.

Wie viele andere Menschen auch musste Natalie Dedreux wegen der Corona-Pandemie ihre geplanten Reisen in diesem Jahr absagen. In ihren älteren Blogbeiträgen könnt ihr aber nachlesen, was sie in den vergangenen Jahren erlebt hat. Sie erzählt von einer Safari und einem Kochkurs in Südafrika, einem Kunstprojekt in der Ukraine und einem Hängemattentest in Berlin. Unser Tipp gegen Fernweh!




Digitale Teilhabe im „PIKSL Labor“: Technik kostenlos ausprobieren

Im Beitrag der Diakonie erklärt unter anderem Tim Neumann die Idee des Labors. Der Leiter des Standorts in Düsseldorf ist überzeugt, dass PIKSL einen wichtigen Beitrag zu einer barrierefreien Zukunft leisten kann. Leider musste das Labor in der Corona-Pandemie vorübergehend schließen, doch seit Mitte Juli ist es wieder geöffnet – mit telefonischer Voranmeldung sowie den üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

Die Zeit der Schließung war nicht einfach, denn digitale Einsteigerinnen und -einsteiger waren plötzlich – und ironischerweise – nur noch digital erreichbar. Also musste sich das PIKSL-Team etwas einfallen lassen.
Der Alltag vieler Menschen war und ist durch die Pandemie sehr stark eingeschränkt. Das betraf vor allem Menschen mit Behinderung in stationären Einrichtungen, die das Angebot von PIKSL vorher besonders viel nutzten. Sie wünschten sich vor allem eins: Ablenkung. Also begann das Labor, mit der App Padlet zu arbeiten und erstellte damit eine interaktive Pinnwand, auf der Infos und Spiele angeboten werden – und zwar möglichst barrierearm.

Was PIKSL sonst noch im Programm hat: Hier lest ihr den ganzen Artikel der Diakonie RWL!




Stand-up im Rollstuhl: der Comedian Tan Çaglar (Radiobeitrag)

Tan Çaglar konnte über seine Behinderung lange Zeit weder lachen noch Witze machen. Er hat eine angeborene Erkrankung des Rückenmarks, die sich seit seiner Kindheit langsam verschlechtert hat. Bis er 22 Jahre alt war, konnte er laufen und spielte gerne Fußball. Als das nicht mehr ging, traf ihn das sehr hart. Er bekam eine Depression.
In diesem 25-minütigen MDR-Radiofeature erzählt Tan Çaglar, wie er die Depression überwunden hat, warum er mit Ende 30 Comedian geworden ist und was er über Inklusion denkt.

Zwischen den Interview-Ausschnitten und Moderationen werden übrigens immer wieder Auszüge aus Tan Çaglars erstem Bühnenprogramm „Rollt bei mir“ eingespielt – inzwischen ist er mit seinem zweiten Programm „Geht nicht? Gibt’s nicht!“ auf Tournee.




Kurzfilm-Tipp: „Unbehindert arbeiten. Wie Menschen mit Behinderung ihre Berufsziele erreichen“

Sreco Dolanc hat den Beruf, in dem er schon immer arbeiten wollte. Der gehörlose Mann besuchte in seinem Herkunftsland Slowenien eine Schule für pharmazeutische Technik und ist heute in einer Apotheke in Wien angestellt. Im Film „Unbehindert arbeiten“ (Youtube-Link) erzählt er von seinem Weg und den Schwierigkeiten und Vorurteilen, die ihm dabei begegnet sind. Auch seine Chefin Karin Simonitsch kommt zu Wort und erklärt, warum Inklusion nicht nur gesellschaftlich wichtig ist, sondern auch ein Gewinn für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sein kann.
Der Regisseur Stefan Bohun und der Filmemacher Gregor Centner haben noch zwei weitere Menschen getroffen und interviewt – neben Sreco Dolanc auch Anna Haunlieb, eine Platzanweiserin im Wiener Konzerthaus, oder den gelernten Koch Patrick Idinger, der heute als Friseurmeister einen eigenen Betrieb leitet.

Aus diesen drei Begegnungen ist dieser schöne, 20-minütige Film entstanden:

Der Kurzfilm „Unbehindert arbeiten“ von Stefan Bohun und Gregor Centner erzählt von drei Menschen, die ihren beruflichen Weg gefunden haben.

Zum Weiterlesen: Das Buch zum Film

Der Kurzfilm „Unbehindert arbeiten“ ist Teil eines multimedialen Projektes. Im gleichnamigen Buch der österreichischen Autorin und Journalistin Ursula Müller werden nicht nur die drei Film-Protagonistinnen und -Protagonisten vorgestellt, sondern auch noch andere Menschen mit Behinderung, die ihre beruflichen Ziele verwirklicht haben. Im zweiten Teil des Buches beschreibt die Autorin, was aus ihrer Sicht für einen inklusiven Arbeitsplatz wichtig ist und wie ein inklusiver Arbeitsmarkt entstehen kann.