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Die Arbeitsmarkt-Kampagne „The Hiring Chain“: Der Bäcker, der Simone anstellte

Menschen mit Down-Syndrom haben es schwer, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen – nicht nur in Deutschland. Neben vielen anderen Gründen ist auch eine Art Teufelskreis dafür mitverantwortlich: Weil sie im beruflichen Umfeld kaum zu sehen sind, gibt es keine guten Beispiele, die mehr Unternehmen dazu motivieren, selbst Menschen mit Down-Syndrom einzustellen.

Genau darum geht es bei der Kampagne „The Hiring Chain“ (frei aus dem Englischen übersetzt: „Die Arbeitsplatz-Kettenreaktion“). Mehrere Organisationen weltweit, die bereits Menschen mit Down-Syndrom beschäftigen, haben sie gemeinsam gestartet – und einen sehr prominenten Fürsprecher dafür gefunden: Sting, den ehemaligen Sänger und Bassisten der Band „The Police“. Er hat einen Song darüber geschrieben, wie eine positive Kettenreaktion auf dem Arbeitsmarkt mit einem Bäcker beginnt, der eine junge Frau mit Down Syndrom namens Simone einstellt. Eine Anwältin beobachtet durchs Fenster, dass Simone einen guten Job macht, und stellt daraufhin selbst einen jungen Anwalt namens John ein, der auch das Down-Syndrom hat. Und so setzt sich die Kette immer weiter fort.

Der Song wird auf Englisch gesungen, ist durch das schöne Musikvideo aber auch ohne Englischkenntnisse gut verständlich. Durch einen Klick rechts auf den runden Button „Change Mode“ lassen sich auf der Website übrigens auch englische Untertitel einblenden.

Wenn ihr noch mehr zum heutigen Welt-Down-Syndrom-Tag über das Thema lesen und sehen möchtet: Hier findet ihr viele tolle Aktionen, Initiativen und Projekte.




Wie die Covid-19-Impfung barrierefrei organisiert werden kann

Der Autor fasst in seinem Artikel die „Empfehlungen für barrierefreie Impfzentren“ zusammen. Diese wurden gemeinsam vom Deutschen Gehörlosen-Bund, dem Verein „Sozialheld*innen“ und elf weiteren Organisationen formuliert und den Verantwortlichen in der Bundes- und den Landesregierungen übergeben. Die Anmeldung für die Impftermine ist nun tatsächlich schon barrierefrei organisiert, so, wie es die Organisationen fordern – das geht nämlich telefonisch oder schriftlich. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung können also bereits ohne fremde Hilfe einen Termin vereinbaren.

Constantin Grosch erklärt darüber hinaus, was in den Impfzentren selbst und bei der Organisation der Abläufe vor Ort wichtig ist. Hier könnt ihr seinen ganzen Beitrag auf „Die Neue Norm“ lesen.

Tipp zum Thema

Der Verein „Sozialheld*innen“ sammelt im Rahmen des Projekts „Wheelmap“ Informationen zur Barrierefreiheit von Covid-19-Teststellen. Auf der Website könnt ihr entsprechende Daten eintragen. Später entsteht daraus und aus den Hinweisen vieler anderer Nutzerinnen und Nutzer eine Karte.




„Salon im Kleisthaus“: Interview mit einem blinden Kunstkenner

Johann König bewertet Gemälde, Grafiken, Installationen und Videokunst. Er entdeckt junge Künstlerinnen und Künstler, er beschreibt deren Werke beschreiben und verkauft diese – all das macht er aber weniger mit den Augen, sondern mit seinen anderen Sinnen. Der heute 39-Jährige erblindete bei einem Unfall in seiner Kindheit fast vollständig. Seit vier Jahren und nach zahllosen Operationen kann er wieder etwas mehr sehen als früher. Er führt heute in Berlin eine der renommiertesten Galerien Deutschlands.

Vor Kurzem war er im neuen Videotalk „Salon im Kleisthaus“ zu sehen und zu hören, der seit Ende 2020 von Jürgen Dusel moderiert wird, dem Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen.
In dieser allerersten Folge erzählt Johann König von seinem Werdegang und seinem Weg zum Galeristen, von seiner Jugend als Sohn des Kunstprofessors und Kurators Kasper König, vom Arbeiten im Kunstgeschäft mit einer Behinderung und von seiner persönlichen Herangehensweise an die Kunst. Unser Fundstück der Woche!




Linktipp: Warum zu Nachhaltigkeit auch Inklusion gehört

Nachhaltigkeit wird oft nur im Kontext von Klima- und Umweltschutz verstanden. Ebenso dazu gehört jedoch, dass für Vielfalt in den Führungsetagen und unter den Mitarbeiter:innen gesorgt und damit soziale Ungleichheit verhindert wird.

Viele Unternehmen sind bereits auf dem richtigen Weg: „Um Vielfalt zu fördern, nehmen immer mehr Unternehmen an Programmen und Aktionen teil und bekennen sich öffentlichkeitswirksam zu einer Haltung, die Vielfalt fördert. Die dabei unterzeichneten Statements sind eine Selbstverpflichtung auf dieses Ziel hinzuarbeiten“, schreibt die Inklusions-Kampagne JOBinklusive diesen Monat in einem Online-Artikel zum Thema. Und nennt zugleich einen wichtigen Kritikpunkt: „Die Dimension von Inklusion und Behinderung fällt dabei oft hinten runter, obwohl sie im Bereich Arbeit seit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention vor elf Jahren nicht mehr nur eine nette Sache ist, sondern ein Menschenrecht.“

Den ganzen Artikel lest ihr hier.




Schauspielerin Lucy Wilke bekommt Theaterpreis „FAUST“

Ein Jahr lang hat Lucy Wilke den Satz „Ich möchte schauspielern“ in ihr Tagebuch geschrieben – jeden Tag. Zum Theater hat sie seit ihrer Kindheit eine enge Beziehung, ihr Vater arbeitete als Bühnenbauer und die Familie lebte in einem Wohnwagen neben dem Münchner Theaterzelt „Das Schloss“. Lange Zeit traute sie sich aber nicht, eine Karriere als Schauspielerin anzustreben, weil sie wegen einer Muskelerkrankung mit Rollstuhl lebt.

Inzwischen arbeitet Lucy Wilke aber in ihrem Traumberuf. Das Stück „Fucking Disabled“ – der Titel kann mit „scheiß behindert“ oder mit „behindert ficken“ übersetzt werden – machte sie bekannt und war für sie selbst eine Art persönlicher Befreiungsschlag. Im BR-Beitrag erzählt sie, warum das so war und wann ihre Behinderung auf der Bühne eine Rolle spielt oder gerade keine spielen sollte. Ein sehr inspirierender Text, den wir sehr empfehlen!




Was ist „Ableismus“? Lesetipp zu einem Begriff, den Menschen ohne Behinderung kennen sollten

Fremdwörter können Hemmschwellen aufbauen. Beim Begriff „Ableismus“ ist das ein Problem, weil er wichtig ist, aber viele nicht wissen, was er bedeutet.

Die Journalistin Rebecca Maskos erklärt in diesem Artikel für das Online-Magazin „Die neue Norm“, was dahintersteckt und warum gerade Menschen ohne Behinderung sich damit auseinandersetzen sollten. Außerdem erläutert sie, warum die Benachteiligung von Menschen mit Behinderung etwas anderes ist als Behindertenfeindlichkeit — und wie das Thema durch den Hashtag #AbleismTellsMe erst in den USA und danach in Deutschland endlich sichtbarer wurde. Unser Fundstück der Woche!

Hier geht es direkt zum Artikel:

Warum Ableismus Nichtbehinderten hilft, sich „normal“ zu fühlen

Über „Die Neue Norm“

Das Online-Magazin ist ein Projekt des Vereins Sozialhelden e. V.. Vor allem das Thema Behinderung will das Redaktionsteam damit gesellschaftlich in einen neuen Zusammenhang setzen — und es „raus aus der Charity- und Wohlfahrtsecke“ in die Mitte der Gesellschaft tragen.




Video-Eventtipp: Ausbildungen und Karrieremöglichkeiten in der Justiz

Das nächste Video-Event trägt den Titel „Arbeiten bei der Justiz.NRW – Inklusion inklusive“, startet am Dienstag, den 27. Oktober um 15 Uhr und dauert etwa 30 Minuten*. Wie der Name schon sagt, richtet sich dieses Event gezielt an Menschen mit Behinderung, die über einen juristischen Beruf nachdenken und sich dazu informieren möchten.

Alle „HeimRechts“-Events laufen immer ähnlich ab: Angestellte aus den verschiedenen Einrichtungen und Fachrichtungen sitzen mit in der Konferenz und erzählen aus ihrem Arbeitsalltag. Wer am Meeting teilnimmt, kann ihnen live Fragen stellen.
Bei der Veranstaltung zum Thema Inklusion im Justizdienst zum Beispiel sind eine Mitarbeiterin des Amtsgerichts Krefeld und ein Mitarbeiter des Amtsgerichts Bochum mit dabei und erzählen von ihrer Arbeit. Beide haben eine Behinderung.

In den weiteren Events geht es um die Ausbildung zur Justizfachangestellten (4. November) und um die Ausbildung zur Mitarbeiterin im Krankenpflegedienst (26. November).

Teilnehmen könnt ihr an den Meetings über die Videokonferenz-Software Zoom, aber auch über euren Webbrowser, über Facebook oder über Instagram. Wie das genau funktioniert, lest ihr am besten auf der Website zum Projekt im FAQ nach.

Übrigens findet ihr auf der Seite auch viele Ausschnitte aus vergangenen Video-Events, in denen es zum Beispiel um die Ausbildung zum Justizfachangestellten oder um das Duale Studium „Diplom-Rechtspflegerin“ ging. Und: Neben Videos gibt es einen Stellenmarkt und viele, gut aufbereitete schriftliche Informationen – zum Beispiel zu den verschiedenen Möglichkeiten, in das Berufsfeld einzusteigen, oder Steckbriefe zu den unterschiedlichen Berufen.


*Da das Event inzwischen vorbei ist, haben wir euch hier den Zusammenschnitt der Veranstaltung verlinkt (YouTube-Video).




„Wer sich nicht divers aufstellt, findet keine guten Leute mehr“

Viele Firmen werben inzwischen damit, dass sie sich vielfältig aufstellen und mit diversen Teams arbeiten möchten. Einige von ihnen haben so genannte Diversitätsbeauftragte angestellt, die sich um dieses Thema kümmern und die Führungskräfte dazu beraten sollen.

Das Problem aus der Sicht von Laura Gehlhaar, die seit mehr als zehn Jahren mit Rollstuhl lebt: Oft sind die Menschen an den Spitzen der Firmen – ebenso wie die Beauftragten für das Thema Vielfalt – weiße Männer ohne Behinderung.

Die 37-Jährige kritisiert in dem SZ-Interview aber nicht nur, was alles schiefläuft. Sie gibt auch Anregungen, wie Inklusion in Unternehmen und in der Gesellschaft besser gelingen kann. Genau darüber haben wir mit ihr vor gut drei Jahren übrigens auch schon für unseren eigenen Blog gesprochen.




„Masking“ überflüssig machen: Wie ein barrierefreies Arbeitsumfeld für Menschen mit Autismus aussehen kann

Blickkontakt herstellen, lächeln, die Augenbrauen kurz anheben: Diese Gesichtsausdrücke verwenden viele nicht-autistische Menschen ganz selbstverständlich, wenn sie ihrem Gegenüber signalisieren möchten, dass sie ein Gespräch beginnen wollen. Menschen im Autismus-Spektrum können diese nonverbalen Zeichen intuitiv aber nicht deuten und setzen sie selbst auch nicht ein. Um nicht aufzufallen, ahmen deshalb viele autistische Menschen die Mimik oder Gesten nach, die sie bei ihren Mitmenschen beobachtet haben. Diese Anpassung wird „Masking“ (übersetzt: „Maskierung“) genannt.

In diesem Beitrag des Online-Magazins zett.de erzählen Menschen mit Autismus von ihren Erfahrungen damit, sich auf diese Weise besser in ihr Umfeld einzufügen. Sie erklären, wann und warum sie Masking einsetzen und wie es ihnen damit geht. Und sie machen Vorschläge, wie nicht-autistische Freunde und Kollegen sie unterstützen können, damit das Masking vielleicht eines Tages aus dem Privat- und Berufsleben autistischer Menschen verschwindet.




Reisen mal anders: Der Blog von Natalie Dedreux

Natalie Dedreux möchte Journalistin werden. Die junge Frau arbeitet für das Magazin Ohrenkuss, für das nur Menschen mit Down-Syndrom schreiben, und hat ein Praktikum beim Deutschlandfunk gemacht. Sie hat auch einen eigenen Blog, auf dem sie regelmäßig Texte über politische Themen, ihren Alltag und ihre Reisen veröffentlicht. „Das Leben mit Down-Syndrom ist cool“, schreibt sie. Das möchte sie mit ihrem Blog und ihrem Instagram-Account auch Menschen ohne Down-Syndrom zeigen.

Wie viele andere Menschen auch musste Natalie Dedreux wegen der Corona-Pandemie ihre geplanten Reisen in diesem Jahr absagen. In ihren älteren Blogbeiträgen könnt ihr aber nachlesen, was sie in den vergangenen Jahren erlebt hat. Sie erzählt von einer Safari und einem Kochkurs in Südafrika, einem Kunstprojekt in der Ukraine und einem Hängemattentest in Berlin. Unser Tipp gegen Fernweh!