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„Masking“ überflüssig machen: Wie ein barrierefreies Arbeitsumfeld für Menschen mit Autismus aussehen kann

Blickkontakt herstellen, lächeln, die Augenbrauen kurz anheben: Diese Gesichtsausdrücke verwenden viele nicht-autistische Menschen ganz selbstverständlich, wenn sie ihrem Gegenüber signalisieren möchten, dass sie ein Gespräch beginnen wollen. Menschen im Autismus-Spektrum können diese nonverbalen Zeichen intuitiv aber nicht deuten und setzen sie selbst auch nicht ein. Um nicht aufzufallen, ahmen deshalb viele autistische Menschen die Mimik oder Gesten nach, die sie bei ihren Mitmenschen beobachtet haben. Diese Anpassung wird „Masking“ (übersetzt: „Maskierung“) genannt.

In diesem Beitrag des Online-Magazins zett.de erzählen Menschen mit Autismus von ihren Erfahrungen damit, sich auf diese Weise besser in ihr Umfeld einzufügen. Sie erklären, wann und warum sie Masking einsetzen und wie es ihnen damit geht. Und sie machen Vorschläge, wie nicht-autistische Freunde und Kollegen sie unterstützen können, damit das Masking vielleicht eines Tages aus dem Privat- und Berufsleben autistischer Menschen verschwindet.




Reisen mal anders: Der Blog von Natalie Dedreux

Natalie Dedreux möchte Journalistin werden. Die junge Frau arbeitet für das Magazin Ohrenkuss, für das nur Menschen mit Down-Syndrom schreiben, und hat ein Praktikum beim Deutschlandfunk gemacht. Sie hat auch einen eigenen Blog, auf dem sie regelmäßig Texte über politische Themen, ihren Alltag und ihre Reisen veröffentlicht. „Das Leben mit Down-Syndrom ist cool“, schreibt sie. Das möchte sie mit ihrem Blog und ihrem Instagram-Account auch Menschen ohne Down-Syndrom zeigen.

Wie viele andere Menschen auch musste Natalie Dedreux wegen der Corona-Pandemie ihre geplanten Reisen in diesem Jahr absagen. In ihren älteren Blogbeiträgen könnt ihr aber nachlesen, was sie in den vergangenen Jahren erlebt hat. Sie erzählt von einer Safari und einem Kochkurs in Südafrika, einem Kunstprojekt in der Ukraine und einem Hängemattentest in Berlin. Unser Tipp gegen Fernweh!




Digitale Teilhabe im „PIKSL Labor“: Technik kostenlos ausprobieren

Im Beitrag der Diakonie erklärt unter anderem Tim Neumann die Idee des Labors. Der Leiter des Standorts in Düsseldorf ist überzeugt, dass PIKSL einen wichtigen Beitrag zu einer barrierefreien Zukunft leisten kann. Leider musste das Labor in der Corona-Pandemie vorübergehend schließen, doch seit Mitte Juli ist es wieder geöffnet – mit telefonischer Voranmeldung sowie den üblichen Abstands- und Hygieneregeln.

Die Zeit der Schließung war nicht einfach, denn digitale Einsteigerinnen und -einsteiger waren plötzlich – und ironischerweise – nur noch digital erreichbar. Also musste sich das PIKSL-Team etwas einfallen lassen.
Der Alltag vieler Menschen war und ist durch die Pandemie sehr stark eingeschränkt. Das betraf vor allem Menschen mit Behinderung in stationären Einrichtungen, die das Angebot von PIKSL vorher besonders viel nutzten. Sie wünschten sich vor allem eins: Ablenkung. Also begann das Labor, mit der App Padlet zu arbeiten und erstellte damit eine interaktive Pinnwand, auf der Infos und Spiele angeboten werden – und zwar möglichst barrierearm.

Was PIKSL sonst noch im Programm hat: Hier lest ihr den ganzen Artikel der Diakonie RWL!




Stand-up im Rollstuhl: der Comedian Tan Çaglar (Radiobeitrag)

Tan Çaglar konnte über seine Behinderung lange Zeit weder lachen noch Witze machen. Er hat eine angeborene Erkrankung des Rückenmarks, die sich seit seiner Kindheit langsam verschlechtert hat. Bis er 22 Jahre alt war, konnte er laufen und spielte gerne Fußball. Als das nicht mehr ging, traf ihn das sehr hart. Er bekam eine Depression.
In diesem 25-minütigen MDR-Radiofeature erzählt Tan Çaglar, wie er die Depression überwunden hat, warum er mit Ende 30 Comedian geworden ist und was er über Inklusion denkt.

Zwischen den Interview-Ausschnitten und Moderationen werden übrigens immer wieder Auszüge aus Tan Çaglars erstem Bühnenprogramm „Rollt bei mir“ eingespielt – inzwischen ist er mit seinem zweiten Programm „Geht nicht? Gibt’s nicht!“ auf Tournee.




Kurzfilm-Tipp: „Unbehindert arbeiten. Wie Menschen mit Behinderung ihre Berufsziele erreichen“

Sreco Dolanc hat den Beruf, in dem er schon immer arbeiten wollte. Der gehörlose Mann besuchte in seinem Herkunftsland Slowenien eine Schule für pharmazeutische Technik und ist heute in einer Apotheke in Wien angestellt. Im Film „Unbehindert arbeiten“ (Youtube-Link) erzählt er von seinem Weg und den Schwierigkeiten und Vorurteilen, die ihm dabei begegnet sind. Auch seine Chefin Karin Simonitsch kommt zu Wort und erklärt, warum Inklusion nicht nur gesellschaftlich wichtig ist, sondern auch ein Gewinn für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sein kann.
Der Regisseur Stefan Bohun und der Filmemacher Gregor Centner haben noch zwei weitere Menschen getroffen und interviewt – neben Sreco Dolanc auch Anna Haunlieb, eine Platzanweiserin im Wiener Konzerthaus, oder den gelernten Koch Patrick Idinger, der heute als Friseurmeister einen eigenen Betrieb leitet.

Aus diesen drei Begegnungen ist dieser schöne, 20-minütige Film entstanden:

Der Kurzfilm „Unbehindert arbeiten“ von Stefan Bohun und Gregor Centner erzählt von drei Menschen, die ihren beruflichen Weg gefunden haben.

Zum Weiterlesen: Das Buch zum Film

Der Kurzfilm „Unbehindert arbeiten“ ist Teil eines multimedialen Projektes. Im gleichnamigen Buch der österreichischen Autorin und Journalistin Ursula Müller werden nicht nur die drei Film-Protagonistinnen und -Protagonisten vorgestellt, sondern auch noch andere Menschen mit Behinderung, die ihre beruflichen Ziele verwirklicht haben. Im zweiten Teil des Buches beschreibt die Autorin, was aus ihrer Sicht für einen inklusiven Arbeitsplatz wichtig ist und wie ein inklusiver Arbeitsmarkt entstehen kann.




Podcast-Tipp: „Kleinwüchsige schenken Kurze aus“

Wer in den vergangenen Jahren gerne Festivals besucht hat, kennt vielleicht die „MiniBar“: An einer 80 Zentimeter hohen Theke servieren die drei kleinwüchsigen Männer Peter Brownbill, Peter Gatzweiler und Frank Ramirez Schnäpse – also „Kurze“. Unter ihrem Künstlernamen „TimeBandits“ bieten sie außerdem für Veranstaltungen eine „MiniSecurity“ und Comedy-Auftritte an.
Die Idee der Bar finden viele lustig und gut aber nicht alle. Der Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien (BKMF) kritisiert, das Geschäftsmodell der „TimeBandits“ bediene ein veraltetes Bild von Menschen mit Behinderung und diskrimiere andere Kleinwüchsige.

Die Autorin Anke van de Weyer hat die drei Künstler und Michel Arriens vom BKMF dazu interviewt. Daraus ist eine tolle Audio-Reportage für den Deutschlandfunknova-Podcast „Einhundert“ entstanden über berufliche Selbstbestimmung, Provokation, Diskriminierung, den schmalen Grat dazwischen und die damit verbundenen Grundsatzfragen. Unser Fundstück der Woche!




Diese Fragen werden blinden Menschen besonders oft gestellt (Video-Tipp)

„Wie orientierst du dich in einer fremden Stadt?“
„Brauchst du im Alltag viel Hilfe?“
„Wie träumst du?“

So lauten einige der insgesamt über 70 Fragen, die Fabiana vor der Produktion ihres Videos von sehenden Menschen gestellt bekommen hat. In einem ihrer YouTube-Videos sortiert sie diese Fragen und antwortet darauf sehr offen, mit viel Humor und manchmal auch sehr sarkastisch. Denn die meisten Fragenden sind ehrlich interessiert, einige andere überschreiten für Fabiana aber Grenzen und werden sogar manchmal unhöflich.

Ein Beispiel: Die YouTuberin hat noch ein Prozent Sehkraft (damit gilt sie in Deutschland als blind) und gerät deshalb immer wieder in skurrile Situationen. So fragen sie manchmal Menschen, die sie gerade erst kennengelernt hat, ob sie weiter entfernte Gegenstände oder die Farbe ihrer Kleidung erkennen kann. Solche „Tests“ empfindet Fabiana als sehr übergriffig und erzählt in ihrem YouTube-Beitrag, wie sie damit umgeht. Außerdem gibt sie sehenden Menschen Tipps, wie und wann sie ihre Fragen zum Thema Sehbehinderung oder Blindheit am besten stellen sollten.

Hier ist das Video:

Fabiana antwortet in ihrem Video auf die Fragen von Sehenden und erklärt, welche davon sie übergriffig findet.



Lesetipp: „LiES“ – oder: Geschichten in Einfacher Sprache

Menschen, die nicht gut Texte in Alltagssprache lesen können, weil sie zum Beispiel (noch) nicht so gut Deutsch sprechen oder weil sie eine Lernbehinderung haben, brauchen Bücher in Einfacher Sprache. Die gibt es zwar schon länger auf dem Markt – bisher sind das aber vor allem Kinderbücher oder stark gekürzte Übersetzungen von bekannten Romanen (zum Beispiel „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf) oder Theaterstücken (wie Shakespeares „Romeo und Julia“).

Der Geschichtenband „LiES” ist etwas ganz Neues. Für dieses Buch haben insgesamt 13 bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller ganz neue Texte in Einfacher Sprache geschrieben – darunter Judith Hermann, Arno Geiger und Nora Bossong.

Zuerst haben sie dafür gemeinsam einige Regeln festgelegt. Zum Beispiel sollten möglichst viele Verben und möglichst keine Zeitsprünge in den Geschichten vorkommen. Für die Autorinnen und Autoren war es sehr ungewohnt, so zu schreiben, erklärt Hauke Hückstädt, der Herausgeber des Buches, in diesem „Spiegel“-Interview. Er erzählt darin auch, warum das LiES-Buch für andere Leserinnen und Leser ebenfalls eine interessante Lektüre sein kann – also für all diejenigen, die sonst keine Texte in Einfacher Sprache lesen würden.

Mehr Infos zu „LiES“

„LiES“ ist im Piper-Verlag erschienen. Das gebundene Buch kostet 18 Euro, das E-Book 14,99 Euro. Die Geschichten gibt es außerdem als Hörbuch: Die CD kostet 18 Euro, der Download 14,95 Euro. Hier hat der Hörbuch-Hamburg-Verlag eine Hörprobe veröffentlicht.




Digitale Barrierefreiheit: Jetzt erst recht

Die Corona-Pandemie hat in den letzten Wochen das Kommunikationsverhalten von Menschen weltweit verändert. Treffen in Cafés, im Park, in der Kneipe, bei Freunden, im Büro oder beim Sport gehören erst einmal der Vergangenheit an. Der soziale Austausch zwischen Menschen findet plötzlich vor allem im Internet und in Telefon- oder Videokonferenzen statt.

In diesen Zeiten ist es besonders wichtig, dass digitale Informationen und Inhalte auch für Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen verfügbar sind. Was diese „digitale Barrierefreiheit“ genau bedeutet, was dafür nötig ist und warum auch Menschen ohne Behinderung davon profitieren, erklärt das Digital-Magazin D3 sehr gut in diesem Artikel.

D3 hat unterhalb des Artikels übrigens auch noch ein paar gute Empfehlungen zum Weiterlesen zusammengetragen. Einer davon enthält Tipps für barrierefreies Posten in den sozialen Netzwerken. Ein Beispiel: Ihr könnt auf Twitter, Facebook oder Instagram Bildbeschreibungen zu hochgeladenen Fotos einfügen. So können auch blinde Menschen oder Menschen mit Sehbehinderungen per Screenreader lesen, was auf den Fotos zu sehen ist. Wie das genau geht und noch mehr gute Social-Media-Tipps findet ihr in diesem D3-Artikel.




Corona-Risikogruppen schützen: Rücksicht, bitte!

Noch immer haben offenbar nicht alle Menschen in der Bevölkerung verstanden, worum es bei den aktuellen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in erster Linie geht: diejenigen zu schützen, für die eine Infektion besonders gefährlich werden könnte. Menschen aus Risikogruppen also – und die müssen nicht unbedingt über 75 Jahre alt sein, auch wenn in der Presse von ihnen am häufigsten die Rede ist. Auch für eine ganze Reihe jüngerer Menschen, die Vorerkrankungen oder bestimmte Behinderungen haben, kann die Infektion mit dem Corona-Virus lebensgefährlich sein. Sie sind deshalb besonders auf die Solidarität der übrigen Bevölkerung angewiesen.
Drei dieser jungen Menschen erzählen in einem Artikel auf jetzt.de, wie sie die Corona-Krise gerade erleben – und appellieren an all diejenigen, die sich immer noch zu wenig Gedanken machen. Diesen Aufruf möchten wir nachdrücklich unterstützen. Unser Fundstück der Woche!