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Kompetent – und trotzdem arbeitslos

Menschen mit Behinderung einstellen: Zu teuer und zu aufwändig? Das scheinen jedenfalls rund ein Viertel aller beschäftigungspflichtigen Unternehmen in Deutschland so zu sehen, die sich immernoch davor scheuen, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung anzubieten. Warum genau das so ist, bleibt ungeklärt, denn nur die wenigsten äußern sich zu diesem Problem. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer entrichten lieber die gesetzlich vorgeschriebene Ausgleichsabgabe (was hinter diesem Begriff steckt, wird in unserem Interview-Artikel „Was sind Integrationsunternehmen?” erklärt).

Sie sind aber nicht die einzigen „Inklusionsbremsen” in unserer Arbeitswelt. Warum so vielen Menschen mit Behinderung nach wie vor die Teilhabe am Arbeitsleben verwehrt bleibt, obwohl sie gute Qualifikationen mitbringen, ergründet Charly Kowalczyk in seinem ARD-Radio-Feature Schwer behindert – Ein Feature über hoch qualifizierte Menschen, das in der Mediathek des ARD nachzuhören ist unsere ausdrückliche Empfehlung zum Wochenende!




Barrierefreie Veranstaltungen planen

Die Räumlichkeiten sind gebucht, das Programm steht, die Catering-Firma weiß Bescheid. Das Event kann kommen oder? Noch nicht ganz. Was vielen Veranstaltern oft “durchrutscht”, ist das Thema Barrierefreiheit. Denn ob ein Event wirklich für alle Gäste zugänglich ist, hängt sowohl vom Veranstaltungsort ab als auch vom Programm und von der Kommunikation vor und während des Ereignisses  technisch wie inhaltlich. Diese Aspekte sollten am besten frühzeitig bedacht werden und direkt in die Planungen einfließen.

Was dabei wichtig ist und welche interessanten Möglichkeiten es gibt, Veranstaltungen bewusst barrierefrei zu gestalten, ist das Thema des Portals Ramp-up.me. Die Seite ist als Initiative des Vereins Sozialhelden e. V. entstanden und gibt viele Tipps und Hinweise rund um barrierefreie Planung von Events. Der Wunsch und das Ziel der Initiatoren ist es, eine vielfältigere und buntere Veranstaltungskultur schaffen, in der alle Menschen gleichberechtigt agieren und teilnehmen können und mit ihren Beiträgen gehört werden.

Hier geht es zum Portal: ↗ ramp-up.me




Ohne Blatt vor dem Mund

Ihre Behinderung sei ihr „persönlicher Arschlochfilter”, sagt in bewusst unverblümter Wortwahl die Bloggerin Frau Gehlhaar über sich und ihre Begegnungen mit anderen Menschen. Die Autorin und Redakteurin schreibt, direkt und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, über das Leben, ihre Arbeit und über das, was sie im täglichen Kontakt mit anderen erlebt. Die Begegnungen reichen von angenehm bis anstrengend und Inklusion ist dabei nur eines von vielen Themen. Schließlich ist auch Gelhaars Behinderung nur eine von vielen Facetten, die sie als Mensch ausmachen das scheinen andere aber manchmal zu vergessen.
Fazit: Es macht Spaß, den Blog zu lesen. Die unterhaltsamen Beiträge enthalten außerdem indirekt und ohne erhobenen Zeigefinger Anregungen dazu, wie Menschen auf Augenhöhe miteinander umgehen könnten und sollten – egal, ob sie mit oder ohne Behinderung durchs Leben rollen und laufen.

Hier geht es zum Blog: Frau Gehlhaar




Alle sind anders

“Anderssein ist keine Hürde, sondern eine große Chance”, könnte der Grundsatz einer Initiative lauten, die sich in Deutschland für eine bessere Unternehmenskultur engagiert: Die Charta der Vielfalt hat sich zum Ziel gesetzt, dafür zu sorgen, dass in Zukunft das Potenzial aller Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, Behinderung oder sexueller Orientierung angemessen wertgeschätzt, gefördert und genutzt wird.
“Diversity Management” heißt dieses Prinzip in der Fachwelt und in den Personalabteilungen von Unternehmen. Die Idee dahinter: Wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Firma oder Organisation sich gegenseitig schätzen, untereinander gerne Erfahrungen austauschen und ihr Fachwissen ungehindert weitertragen können, fördert das die Kreativität eines Teams – und das wirkt sich wiederum positiv auf die Innovationskraft des Unternehmens aus. Vielfalt beim Personal lohnt sich für Firmen demnach nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht, es steigert auch deren Anpassungsfähigkeit an neue Entwicklungen auf den Märkten in Deutschland und der Welt.
Wie diese wertschätzende und profitable Unternehmenskultur gestaltet werden kann, wird auf den  Seiten der Charta der Vielfalt genauer erklärt.




Weit mehr als Rampen und Aufzüge

Barrierefreiheit bedeutet nicht nur den freien Zugang zu Orten und Gebäuden. Genauso ist damit die Teilhabe etwa am Arbeitsleben gemeint, aber auch die Möglichkeit für jeden Menschen, ein eigenständiges Leben zu führen.
Welche verschiedenen Facetten Barrierefreiheit hat, darüber schreibt Christiane Link in ihrem Blog “Stufenlos”. Alltäglichkeiten sind bei ihr genauso Thema wie politische Fragen. Die Bloggerin beschränkt sich aber nicht darauf, Mängel aufzuzählen, sondern versucht stets, konstruktive Lösungswege aufzuzeigen. Christiane Link, die selbst mit Rollstuhl lebt, will damit ihren persönlichen Beitrag zu einer inklusiveren Gesellschaft leisten.

↗ Zum Zeit-Blog Stufenlos




Engagierten Nachwuchs fördern

Deutschland altert: Die Anzahl der über 60-Jährigen steigt stetig, junge Menschen hingegen gibt es vergleichsweise wenige. Diese Entwicklung, der so genannte demografische Wandel, wird für viele Berufe und Branchen früher oder später zum Problem werden. Das gilt auch für die Pflege, auf die immer mehr ältere Menschen angewiesen sind – doch der Nachwuchs für die entsprechenden Berufe fehlt schon heute.

In Hessen soll dem Fachkräftemangel jetzt mit einem neuen Ausbildungsgang entgegengewirkt werden. Das Konzept dahinter ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie Inklusion im Arbeitsleben umgesetzt werden kann: Das Projekt richtet sich gezielt an Menschen mit Lernbehinderungen, mit Autismus oder auch mit psychischen Erkrankungen, die oft einen zu niedrigen Schulabschlusses haben, um einen Pflegeberuf ergreifen zu können. Sie können sich seit diesem Jahr über das Berufsbildungswerk Südhessen zur Fachpraktikerin oder zum Fachpraktiker in Hauswirtschaft mit der Zusatzqualifikation Altenpflegehelferin bzw. -helfer ausbilden lassen – und zwar auch ohne Abitur.

Dieser ↗ Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) berichtet über das Konzept und den neuen Ausbildungsgang, mit dem Hessen den drohenden Fachkräftemangel auffangen will.




Ein Wegweiser für mehr inklusive Arbeitsplätze

Viele Arbeitgeber scheuen sich davor, Menschen mit Behinderungen in ihren Unternehmen einzustellen die Gründe dafür sind aber oft einfach mangelnde Informationen und fehlende Erfahrungswerte rund um das Thema Inklusion am Arbeitsplatz. Das will das Institut der deutschen Wirtschaft Köln e. V. gerne ändern und hat einen “Personalkompass Inklusion” erstellt: Der Ratgeber beantwortet viele Fragen rund um die Organisation, die Finanzierung und die Personalstrategie im Zusammenhang mit der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Die lesenwerte Broschüre steht auf den Seiten des Instituts zum Download bereit.

↗ Personalkompass Inklusion




Von der Werkstatt hinter’s Lehrerpult

Horst-Alexander Finke unterrichtet angehende Lehrer:innen und Sozialarbeiter:innen im Rahmen des Projektes „Inklusive Bildung und bringt ihnen bei, im späteren Beruf das gemeinsame Lernen und Leben von Menschen mit und ohne Behinderung besser zu managen. Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Kieler Stiftung „Drachensee“. Die Süddeutsche Zeitung hat sich das Projekt genauer angeschaut und eine Reportage dazu veröffentlicht.

↗ zur Reportage in der Süddeutschen Zeitung




Das Online-Magazin ROLLINGPLANET

Die Macher:innen beschreiben so gleich auf der Startseite sehr treffend, worum es bei ihrem nicht-kommerziellen Projekt geht:
Besucher:innen lesen hier keine gewöhnlichen Nachrichten, sondern viele verschiedene Beiträge, die immer einen Fokus auf Ereignisse und Entwicklungen haben, die sich um ältere Menschen und solche mit Behinderung drehen oder für diese besonders relevant sind. Die inzwischen acht ehrenamtlichen Redakteur:innen beschreiben sich selbst und ihren Stil als „politisch nicht immer korrekt“ und haben zu vielen Themen eine Meinung (aber „ohne ideologisch zu sein“).

Eine weitere interessante Funktion des Portals soll helfen, für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum zu sorgen und Behindertenparkplätze für diejenigen freihalten, die sie brauchen: Unter der Rubrik „Parkplatzschweine“ können die Nutzer Fotos von Falschparkern einreichen, die offenkundig ohne entsprechenden Ausweis einen Behindertenparkplatz blockieren.

Hier geht es zum Portal: www.rollingplanet.net