Kurzfilm-Tipp: Aus dem Berufsalltag einer Fernsehmoderatorin mit Multipler Sklerose

Mit 24 Jahren erhielt Mirjam Kottmann die Diagnose Multiple Sklerose. Das veränderte ihr Leben und ihre berufliche Karriere grundlegend. Lange Zeit sprach sie im Job nicht offen über ihre Erkrankung, aus Angst, benachteiligt oder auf ihre Behinderung reduziert zu werden. Doch irgendwann entschied sie sich dafür, einen anderen Weg einzuschlagen.

Der 15-minütige ZDF-Film „Ich will gesehen werden“ erzählt, wie fordernd es für Mirjam Kottmann war, sich in einer stark durch Bilder und Klischees geprägten Branche ganz bewusst sichtbar zu machen. Und auch, wie sehr sich diese Entscheidung für die Nachrichtenmoderatorin persönlich gelohnt hat. Mirjam Kottmann geht es dabei aber um mehr als nur um ihre eigene Geschichte, sie begreift sich auch als Vorbild – und ihren Weg als Signal für mehr Vielfalt in den Medien und für eine Gesellschaft, in der Menschen mit Behinderung selbstverständlich Teil des öffentlichen Bildes sind. „Ich will gesehen werden“ ist daher nicht nur ein sehr persönliches Film-Porträt, sondern wirbt auch eindrücklich für Sichtbarkeit, Selbstbestimmung und Veränderung.




Ein Neuanfang mit Blumen: Mit Denise Urban bei Moderne Floristik Steinbrecher

Die Begeisterung für Natur begleitet Denise Urban seit ihrer Kindheit. Nach der Schule wollte sie deswegen vor allem eines: Floristin werden.

Doch der Weg in die Ausbildung war nicht einfach. Denise Urban ist schwerhörig und hat Dyskalkulie. Nach der Grundschule wechselte sie auf eine LWL-Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Hörbeeinträchtigungen. Der Alltag war herausfordernd.

Nach der Schule machte sie zunächst ein langes Praktikum in einem Floristikbetrieb, um zu prüfen, ob der Beruf wirklich zu ihr passt. In ihrem ersten Ausbildungsbetrieb wurde sie aber nicht akzeptiert. Statt die Tätigkeiten zu lernen, die den Beruf ausmachen – Sträuße binden, Kunden beraten, an der Kasse arbeiten – erledigte sie vor allem einfache Aufgaben im Hintergrund.

Der Wendepunkt kam, als die 28-Jährige zu Moderne Floristik Steinbrecher in Waltrop wechselte. In dem Inklusionsunternehmen arbeiten 26 Menschen, darunter zehn Menschen mit einer Behinderung. Hier traf sie auf eine Chefin und ein Team, die auf ihre Stärken schauten und sie Schritt für Schritt aufbauten. Denise Urban wiederholte das zweite und dritte Ausbildungsjahr, am Ende stand der erfolgreiche Abschluss.

Heute ist sie nicht nur fachlich angekommen, sondern auch persönlich. Sie hat inzwischen ihre eigene Wohnung, hat ihren Führerschein gemacht und ein eigenes Auto. Im Arbeitsalltag weiß sie heute genau, was sie braucht – und spricht es offen an.

Wer das Unternehmen, in dem Denise Urban arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Nico Wichmann

Denise Urbans Weg in einen Beruf, der zu ihr passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der Modernen Floristik Steinbrecher eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Denise Urban eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!




Teamgeist, Spaß und Anerkennung: Mit Nico Wichmann in der Josefsbrauerei

Die Josefsbrauerei wurde im Jahr 2000 gegründet und war europaweit die erste Firma für Menschen mit Behinderung, die Getränke herstellt. Seitdem arbeiten hier Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, alle in regulären, sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen.

Die Brauerei hat so mittlerweile 13 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt geschaffen – und produziert mit ihrem inklusiven Team unter dem Motto „Gutes trinken. Gutes tun!“ erfolgreich verschiedene Biere, Limonaden und Eistees.

Nico Wichmann ist einer der Mitarbeiter, die eine Behinderung haben. Bevor er zur Brauerei kam, besuchte er Förderschulen und arbeitete in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Doch wirklich aufgehoben fühlte er sich dort nicht.

Hier kann er zeigen, was er kann, hilft in der Abfüllung, arbeitet am Pasteurisierer, sortiert Kästen im Lager, gibt Waren aus und hält den Hof sauber. Wenn irgendwo Unterstützung gebraucht wird, springt er ein. Der Umgang miteinander ist dabei immer respektvoll und humorvoll zugleich. Jeder Tag ist anders – und genau diese Abwechslung gefällt Nico Wichmann besonders gut.

Wer das Unternehmen, in dem Nico Wichmann arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

buntes Plakat mit Nico Wichmann

Nico Wichmanns Weg in einen Beruf, der zu ihm passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der Josefsbrauerei aus Bad Lippspringe eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Nico Wichmann eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!




Zurück ins Leben, Schritt für Schritt: Im Büro eines Recyclinghofs mit Nico Ackermann

Das Telefon klingelt, Kund:innen kommen an den Tresen, Aufträge werden erfasst, Touren geplant. Mittendrin steht Nico Ackermann. Der 37-Jährige arbeitet seit zwei Jahren beim Inklusionsunternehmen AGA in Detmold, was für „Arbeitsgemeinschaft Arbeit“ steht. Die gemeinnützige GmbH ist ein Inklusionsunternehmen, 60 der 113 Beschäftigten hier haben eine Behinderung. Die AGA verbindet damit soziale Verantwortung mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit, die aus Recycling- und Entsorgungsdienstleistungen, Industriemontagen und Umwelt- oder Beschäftigungsprojekten besteht.

Nico Ackermann ist seit 2023 Teil des Teams. Die Arbeit im Büro des Recyclinghofs bedeutete für ihn seinerzeit einen großen Schritt zurück ins Leben: Mit 20 Jahren erlebte er eine schwere familiäre Katastrophe, die ihn traumatisierte. Daraus entwickelte sich eine massive Adipositas. Noch vor wenigen Jahren wog er 236 Kilogramm, vieles ging deswegen gar nicht mehr, selbst kurze Strecken wurden zur Belastung.

Mit Hilfe von Therapeuten krempelte er schließlich sein Leben um, fand zurück in den Alltag, absolvierte eine Reha-Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement, um auch beruflich wieder Tritt zu fassen – und wieder soziale Kontakte aufzubauen.

Nach der Umschulung bekam Nico Ackermann einen Magenbypass gelegt und begann, abzunehmen, mit großem Erfolg. Parallel fing er bei der AGA als kaufmännischer Mitarbeiter in der Disposition und in der Annahme an.

Der Weg in ein Inklusionsunternehmen ist für ihn bis heute der einzig richtige. Hier kann er sich entwickeln, beruflich wie gesundheitlich – und sowohl sein Team als auch das Unternehmen selbst unterstützen ihn dabei voll und ganz.

Wer das Unternehmen, in dem Nico Ackermann arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Nico Ackermanns Weg in einen Beruf, der zu ihm passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der AGA aus Detmold eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Nico Ackermann eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!




Selbstständig arbeiten, ohne Druck: In der Großküche mit Johanna Schielke

Johanna Schielke hat einen längeren Weg hinter sich. Von der Regelschule wechselte sie in die Förderschule, weil sie wegen einer Merkschwäche schlecht mitkam. Später machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin und kam schließlich über Praktika zur IKS, einem Inklusionsunternehmen in Lippstadt. Heute arbeitet sie dort in der kalten Küche – selbstständig, ohne Druck, mit individueller Unterstützung.

Damit ist sie nicht die Einzige im Betrieb: Rund 60 Prozent der Belegschaft der IKS haben eine anerkannte Behinderung. Das ist deutlich mehr als in anderen Inklusionsbetrieben, wo die Quote zwischen 30 und 50 Prozent liegt und damit im Vergleich zu gewöhnlichen Unternehmen auch schon sehr hoch ist. In Lippstadt arbeiten insgesamt 15 Menschen mit Behinderung in Küche, Verwaltung, Spülbereich und Fahrdienst. Weitere Standorte des Unternehmens, wie etwa der in Warstein, funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip.

Denn: Die IKS gehört zur INI-Unternehmensgruppe, einem sozialen Träger, der in vielen verschiedenen Bereichen aktiv ist – in der Kinder- und Jugendhilfe ebenso wie in der schulischen Förderung und Ausbildung oder bei inklusiven Arbeitsprojekten.
Ein zentraler Bestandteil des INI-Netzwerks sind die Inklusionsbetriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten.

Die IKS ist einer dieser Betriebe. Er verantwortet die tägliche Verpflegung von Kindergärten, Schulen und offenen Ganztagsbereichen. Mittlerweile beliefert das Team rund 55 Einrichtungen und stellt an regulären Schultagen etwa 2.000 Essen her. Das Angebot reicht von warmen Mahlzeiten bis hin zu Salat- und Snackkomponenten für Schulmensen.

Die Vor- und Zubereitung genau solcher Lieferungen ist Johanna Schielkes Job, mit dem sie nach langer Suche endlich dort angekommen ist, wo sie hinwollte: mitten im Arbeitsleben.

Wer das Unternehmen, in dem Johanna Schielke arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Johanna Schielkes Weg in einen Beruf, der zu ihr passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der INI/IKS aus Lippstadt eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Johanna Schielke eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!




Wie inklusiv ist die Welt? Was zwei Freunde in 16 Ländern und auf sechs Kontinenten erlebt haben

Alex und Lovis, ihr beiden habt ein sehr spannendes Reiseprojekt hinter euch. Darauf habt ihr euch vorher sicher eine Weile vorbereitet – auch finanziell. Womit verdient ihr euren Lebensunterhalt normalerweise? Und wie habt ihr eure Reise finanziert?

Alex: Ich arbeite beim SC Poppenbüttel, einem Sportverein in Hamburg. Dort bin ich als Inklusionsbeauftragter festangestellt, arbeite zusätzlich im Sponsoring und leite ehrenamtlich den Herrenfußball. Den festen Job habe ich aber erst nach unserer großen Reise angefangen, die haben wir also unabhängig davon finanziert – und zwar aus Ersparnissen, mit Unterstützung unserer Familien und vor allem durch eine Crowdfunding-Kampagne. Lovis hat mich auf unserer Reise in meinem gesamten Alltag unterstützt, weil ich eine angeborene Gelenk- und Muskelerkrankung habe, die mich körperlich stark einschränkt. Ein Nebenjob zusätzlich dazu wäre also gar nicht möglich gewesen.

Lovis: Auf der Reise haben wir sehr viel für unsere Crowdfunding-Kampagne gearbeitet. Für unseren Blog und Social Media haben wir zum Beispiel viel gefilmt, das Material geschnitten und die Veröffentlichung geplant. Wir wollten mit diesen Inhalten zeigen, wie Inklusion unterwegs aussehen kann, wie es ist, als beste Freunde mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen zu reisen – und dass das geht. Nach der Reise habe ich angefangen, zu studieren. Dafür bekomme ich BAFöG* und Unterstützung von meinen Eltern. Nebenbei arbeite ich freiberuflich als Foto- und Videograf, außerdem verdienen wir etwas Geld mit unseren Vorträgen. Insgesamt komme ich damit gut über die Runden.

Was ist euch beim Thema Arbeit wichtig, worauf legt ihr Wert?

Lovis: Zeitliche Freiheit ist mir gerade wichtiger als viel Geld. Ich möchte selbst entscheiden, wann und wie ich arbeite. Das gibt mir nämlich die Möglichkeit, auch an eigenen Projekten zu arbeiten – zum Beispiel an unserem Buch. Davon abgesehen ist das Studium ja auch ein Job.

Alex: Mir geht es ähnlich. Ich habe bewusst einen Job gewählt, der mir Spaß macht. Sport ist einfach meine Leidenschaft. Gerade das Ehrenamt im Fußball erfüllt mich deshalb sehr. Ich habe im Verein außerdem viel direkten Kontakt zu Menschen und die Atmosphäre ist sehr familiär – beides ist mir wichtig. Ein anonymer Konzern wäre also gar nichts für mich. Ein Gewinn ist auch, dass ich nebenher noch genug Zeit und Freiheiten habe, an Projekten wie dem Buch zu arbeiten oder weitere Reisen zu planen.

Wie lief das mit dem Buch eigentlich ab – wer hat was gemacht, wie lange hat es gedauert und was war schwierig?

Lovis: Von der ersten Anfrage bis zur Veröffentlichung hat es etwa zweieinhalb Jahre gedauert. Etwa ein halbes Jahr davon haben wir konkret am Inhalt gearbeitet. Schon während unserer Reise haben wir die ersten Gespräche dazu geführt, denn die Anfrage für das Buch kam, als wir noch unterwegs waren. Die Kapitel haben wir abwechselnd geschrieben, aber am Ende alles gemeinsam überarbeitet. Das lief im Großen und Ganzen gut, auch wenn es manchmal echt anstrengend war. Wir hatten am Ende unzählige Word-Dateien in verschiedenen Versionen. Nächstes Mal würden wir das schlauer lösen.

Alex: Es war definitiv eine Herausforderung, das Buch neben meinem Vollzeitjob zu schreiben. Gerade in der intensiven Phase saßen wir oft bis spät in die Nacht. Aber die Zusammenarbeit beim Schreiben hat sehr gut geklappt, auch wenn wir einige Runden gebraucht haben. Wir wollten aber einfach ein Buch, mit dem wir beide wirklich zufrieden sind. Nur die Korrektur am Ende war mühsam, weil wir uns damit abwechseln mussten. Wenn das nur einer von uns gemacht hätte, wäre es aber zu viel geworden.

Gab es auf eurer Reise Orte, an denen euch ein besonders positiver Umgang mit Behinderung und Inklusion aufgefallen ist?

Lovis: In den USA waren wir auf der NCIL-Konferenz (NCIL: Abkürzung für „National Council on Independent Living“, auf Deutsch: „Nationalrat für unabhängiges Leben“). Das ist eine große Veranstaltung, bei der sich alles um selbstbestimmtes Leben mit Behinderung dreht. Es war dort ganz normal, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten, das wurde überhaupt nicht groß zum Thema gemacht. Das war beeindruckend. Ich finde aber, dass wir auch in Deutschland schon recht weit sind. Auch, wenn immer noch Luft nach oben ist.

Alex: Singapur haben wir sehr barrierefrei erlebt – vor allem im öffentlichen Raum. In der Metro wird zum Beispiel auch auf unsichtbare körperliche und psychische Einschränkungen Rücksicht genommen. Wenn jemand wegen einer Erkrankung beispielsweise nicht lange stehen kann, was von außen aber nicht unbedingt zu sehen ist, braucht diese Person einen Sitzplatz. Die gibt es im Zug speziell für solche Fälle. Auch am Ende des Zugs, wo es generell leiser ist, sind extra Plätze für lärmempfindliche Menschen vorgesehen. Und es gibt Hinweise, diese Plätze bei Bedarf freizugeben.
Südamerika war zwar nicht perfekt, was Barrierefreiheit angeht, aber die Menschen dort sind uns mit einer unglaublichen Hilfsbereitschaft in jeder erdenklichen Situation begegnet. Diese positive Grundhaltung würden wir uns auch hier in Deutschland wünschen.

Wenn ihr drei Dinge ändern könntet, damit ihr selbstbestimmter leben und arbeiten könnt – was wäre das?

Lovis: Ich möchte nicht mehr das Gefühl haben, etwas verstecken zu müssen. Zweitens: Ob es nun eine körperliche Behinderung ist wie bei Alex oder Neurodiversität* wie bei mir – solche persönlichen Voraussetzungen sollten im Arbeitsleben auf die potentiellen Stärken hin betrachtet werden, nicht als erstes auf die Schwächen. Und ich wünsche mir, dass andere mit mir arbeiten wollen, weil ich bin, wie ich bin, nicht obwohl.

Alex: Für mich müsste sich erstens die ganze Haltung zum Thema verändern. Menschen mit Behinderung gehören in die Mitte der Gesellschaft. Dafür muss aber – zweitens – Bürokratie abgebaut werden. Um ein selbstbestimmtes und diskriminierungsfreies Leben zu führen, brauche ich Unterstützung, die mir in Deutschland auch gesetzlich zusteht. Aber um sie zu bekommen, muss ich sehr viele bürokratische Hürden überwinden. Das müsste künftig viel pragmatischer organisiert sein. Und zum Schluss: Wir müssen die Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung beseitigen. Denn inklusiv und divers aufgestellte Arbeitsteams haben nachweislich große Stärken. Davon würde wiederum die ganze Gesellschaft profitieren.


Über unsere Interviewpartner




Inklusion aus Westfalen auf der internationalen Kinoleinwand: Ein japanisches Filmteam zu Gast in Bielefeld

In Ken-ichi Oguris Dokumentarfilm „Let People Be People“ (auf Deutsch: „Lass Menschen Menschen sein“) stehen unter anderem zwei Beschäftigte mit Behinderung im Mittelpunkt, die in der Außenstelle der LWL-Archäologie in Bielefeld arbeiten und dort fester Bestandteil des Teams sind. Das Filmteam porträtierte deren Arbeitsalltag als vorbildliches Beispiel dafür, dass jeder Mensch wertvolle Arbeit leisten kann, wenn das Umfeld stimmt.
Spannend ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern auch der Perspektivwechsel: Wie blickt ein japanisches Kamerateam auf Inklusion „Made in Westfalen“? Und was können beide Länder voneinander lernen?

Der Film soll später auf Filmfestivals und in japanischen Kinos gezeigt werden und so ein internationales Publikum für das Thema Inklusion sensibilisieren.

Als Träger der Archäologie-Außenstelle in Bielefeld dokumentiert der LWL die Dreharbeiten auf seinem Story-Portal und beleuchtet, warum der Regisseur sich gezielt für diesen Drehort und die Protagonist:innen entschieden hat. Dabei wird schnell klar: Hier geht es nicht um Helden- oder Mitleidsgeschichten, sondern um echte Teilhabe.

Den vollständigen Artikel findet ihr hier: 👉 Inklusionsgeschichten für das japanische Kino




Lese- und Video-Tipp: NDR-Beitrag über einen blinden Landwirt, der auf Instagram seine Arbeit erklärt

Axel Duensing, der wegen einer Erberkrankung im Laufe seines Lebens erblindet ist, studierte ökologische Landwirtschaft und kehrte danach zurück auf den Familienbetrieb. „Landwirtschaft und Inklusion passen super zusammen“, sagt er im Interview mit dem NDR. Auf seinem Instagram-Kanal zeigt er, wie genau das bei ihm aussieht. „Was mache ich als blinder Landwirt auf dem Trecker?“ oder „Wie mache ich als blinder Landwirt den Weidezaun für meine Rinder?“, so heißen zwei seiner bisher gut 50 Beiträge auf der Plattform. Seine Frau nimmt die Videos auf und arbeitet auf dem Hof mit, ebenso wie Axel Duensings Vater und Schwester – ein klassischer Familienbetrieb, auf dem der junge Landwirt nun neue Ideen ausprobieren möchte.

Hier könnt ihr den NDR-Beitrag über Duensing lesen und den Video-Beitrag sehen (oben über dem Text).




Film-Tipp: Von der Lkw-Waschkraft zum Vollzeitkünstler

Elias von Martial hat schon immer gerne gezeichnet. Seine Werke zeigen fantastische Kreaturen und imaginäre Welten, die gesellschaftlich relevante Themen wie den Klimawandel und Machtverhältnisse beschreiben. Sein Berufswunsch: Er möchte als Animator in der Filmbranche arbeiten.
Bis zum Jahr 2020 konnte der 28-Jährige, der seit seiner Geburt mit einer Halbseitenlähmung lebt, seine Leidenschaft nur nebenbei ausleben. Er musste sein Geld damit verdienen, dass er in einem Logistikunternehmen die Lkw wusch. Seit er im kaethe:k kunsthaus in Pulheim bei Köln einen Atelierplatz hat, kann er sich nun fünf Tage die Woche auf seine Kunst konzentrieren. Das Kunstprojekt kaethe:k wird von der Gold-Kraemer-Stiftung gefördert, die damit künstlerisch talentierte Menschen mit einer Behinderung in den Bereichen Malerei, Plastik, Grafik, Neue- und Interdisziplinäre Medien unterstützt.

Hier geht es zum 16-minütigen ZDF-Film „Elias von Martial – Ich bin ein Künstler“ von Heike Ebling, der den jungen Mann in seinem Alltag, beim Zeichnen, bei Ausstellungen und Workshops begleitet.




„Gespräche über Inklusion“: Wie kann Theater für alle zugänglicher werden?

Seit der Spielzeit 2022/23 ist Ann-Kathrin Hickert als Inklusionsagentin am Theater Münster dafür verantwortlich, die Veranstaltungen des Hauses für alle zugänglicher zu gestalten – also gleichermaßen vor, auf und hinter der Bühne. Dazu führte sie zu Beginn viele Gespräche mit Menschen aus der Stadt, aber auch mit den Künstler:innen und Mitarbeiter:innen am Theater, um herauszufinden, was es schon gibt und was von verschiedenen Seiten noch benötigt wird.

Langfristig will sie so Strukturen schaffen, die einen gleichberechtigten Zugang für alle ermöglichen, und hat deshalb auch nicht nur Menschen mit Behinderungen im Blick. Sie möchte mit ihrer Arbeit nämlich dazu beitragen, dass sich die Kultur stärker für verschiedene Bedürfnisse öffnet und insgesamt zugänglicher wird.

Am Theater Münster entstand aus diesen Bestrebungen unter anderem das inklusive Format „Theater entspannt“, das einmal im Monat abwechselnd in allen fünf Sparten des Theaters angeboten wird.
Das Format lehnt sich an den internationalen Standard der „Relaxed Performances“ an (wörtlich übersetzt: „entspannte Aufführungen“). Dieses Konzept wurde ursprünglich von Menschen im autistischen Spektrum entwickelt, hat aber große Vorteile für alle, die sich aus unterschiedlichen Gründen einen flexibleren Theaterbesuch wünschen. Der Name ist also Programm: Mit dem Format wird es für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen deutlich angenehmer, ins Theater zu gehen – und für manche sogar überhaupt erst möglich. Denn für alles rund um den Besuch gelten kaum oder nur sehr lockere Regeln. Das reicht von der Kleidung über den zeitlichen Rahmen der Aufführung bis hin zur Atmosphäre im Saal.

Ann-Kathrin Hickert hat uns das neue Format „Theater entspannt“ vor der Kamera genauer erklärt – und auch, was sie sich für die Zukunft wünscht:

TIPP: Untertitel können ganz rechts in der Menüleiste ein- und ausgeschaltet werden.