„Ich habe meine Bilder im Kopf und transportiere sie durch die Fotografie nach außen“

Frau Emmermann, Sie haben uns für diesen Beitrag ein tolles Foto zugeschickt. Darauf ist eine Frau mit langen Haaren zu sehen, die rote Handschuhe trägt und sich die Augen zuhält. Die Handschuhe und die Haare leuchten. Wie haben Sie das gemacht?

Mit einer Technik, die „Light Painting“ (auf Deutsch: „Licht-Malerei“) heißt. Sie kennen sicher Bilder, die im Dunklen aufgenommen wurden und auf denen jemand mit einer Taschenlampe oder mit Wunderkerzen Wörter oder Formen in die Luft „geschrieben“ hat. So ähnlich arbeite ich auch. Die Kamera wird in einem dunklen Raum oder bei Nacht draußen aufgestellt und nimmt mehrere Sekunden, Minuten oder sogar Stunden auf. Während der Belichtungszeit leuchte ich meine Motive mit unterschiedlich großen Taschenlampen, Knicklichtern oder Lichterketten an, manchmal direkt von vorne, manchmal von der Seite, manchmal befindet sich die Lichtquelle auch hinter dem Motiv – je nach dem gewünschten Effekt. Ich spiele mit dem Licht.
Für das Foto, das ich Ihnen geschickt habe, habe ich mit kleinen Lampen die Haare und die Handschuhe angeleuchtet. Der besondere Effekt ist unter anderem dadurch entstanden, dass der glänzende Stoff der Handschuhe das Licht reflektiert hat.

War das so geplant?

Nein, bei diesem Bild hat sich vieles erst im Prozess ergeben. Es war eines der ersten Fotos, die ich mit der Light-Painting-Technik aufgenommen habe. Ich wollte einen Bezug zum Nicht-sehen-Können herstellen und hatte die Idee, dass das Modell sich die Augen zuhalten soll. Den Rest haben wir während des Shootings erarbeitet. Inzwischen setze ich das Light Painting ganz gezielt ein und plane meine Motive vorher sehr gründlich. Ich habe die Bilder im Kopf und transportiere sie über Fotos nach außen.

Wann haben Sie die Fotografie für sich entdeckt?

Ich habe schon als Jugendliche sehr gerne fotografiert. Mein Vater hatte mir seine alte Kamera gegeben, damit habe ich im Urlaub und bei Festen Bilder gemacht. Diese Kamera habe ich lange benutzt, aber irgendwann ging es nicht mehr und es hat keinen Spaß mehr gemacht, weil ich nicht mehr richtig durch den Sucher schauen konnte.

Das hat mit Ihrer starken Sehbehinderung zu tun. Können Sie beschreiben, was Sie sehen können und was nicht mehr?

Ich habe die Netzhaut-Erkrankung Retinitis pigmentosa, die zu einer schleichenden Erblindung führt. Mit Anfang 30 habe ich die Diagnose bekommen. Inzwischen bin ich blind mit einem kleinen Sehrest. Ich kann noch ein bisschen hell und dunkel erkennen.

Wie haben Sie Ihr Jugend-Hobby später wiederentdeckt?

Die ersten Bilder habe ich mit meinem Smartphone gemacht, wenn ich schöne Momente erlebt habe oder in einer Gegend war, die ich kannte und mochte. Zum Beispiel an einem Ort an der Ostsee, wo ich schon als Kind Urlaub gemacht hatte. Wenn man dort zwischen den Dünen hindurch zum Strand läuft, kommt man an einen kleinen Durchgang mit Blick aufs Meer, rechts und links sind Sträucher und Bäume, wunderschön. Dieses Panorama wollte ich einfangen. Mit dem Smartphone geht so etwas ganz gut, weil es vieles automatisch einstellt und viele Bildinformationen ansagt, etwa den Fokus und wie viele Gesichter im Bildausschnitt zu sehen sind.

Heute arbeiten Sie zusammen mit anderen blinden Fotografinnen und Fotografen in einem Fotostudio. Wie kam es dazu?

Ich hatte mich vor Jahren zu einem Projekt der Alice-Salomon-Hochschule hier in Berlin angemeldet. Das ist eine Hochschule für Soziale Arbeit und Gesundheitsberufe. Bei dem Projekt haben Studentinnen und Studenten blinde Menschen beim Fotografieren begleitet und sie unterstützt, indem sie ihnen die Umgebung, die Motive und die Bilder beschrieben haben. Vor ein paar Jahren habe ich dann in einem Workshop das Light Painting kennengelernt und tolle Kolleginnen und Kollegen getroffen. Wir haben nach dem Kurs zusammen in einem Fotostudio weitergemacht, das speziell für blinde Menschen und das Light Painting eingerichtet ist. Wir alle arbeiten mit Light Painting und tauschen uns dazu viel aus. Wir gestalten in unserem Studio gemeinsam Ausstellungen. Zuletzt haben wir unsere Bilder bei f3 – freiraum für fotografie gezeigt. Außerdem bieten wir Workshops an, etwa für soziale Projekte. Es macht Spaß, Menschen diese Technik zu zeigen. Vor allem Kinder sind davon total begeistert.

Arbeiten Sie bei Ihren Foto-Shootings allein?

Nein, ich habe immer eine Assistentin oder einen Assistenten dabei, meistens Freundinnen und Freunde von mir, die selbst auch fotografieren oder sich einfach dafür interessieren. Sie stellen für mich die Kamera so ein, dass sie das Motiv genau so erfasst, wie ich es mir vorstelle. Wenn wir ein Bild gemacht haben, beschreiben sie es mir mit allen Details – so, wie es damals auch die Studentinnen und Studenten an der Hochschule gemacht haben. Anhand dieser Informationen kann ich entscheiden, ob ein Foto gut geworden ist oder ob wir noch etwas verändern müssen.

Welche Motive fotografieren Sie am liebsten?

Ich mache gerne Bilder von Menschen, zuletzt habe ich mich viel mit Händen beschäftigt. Das sind Körperteile, die Halt und Sicherheit geben und Mut machen können. Das möchte ich zeigen. Auf einem Foto sind zwei Frauen zu sehen, die sich über einen symbolisch dargestellten Fluss hinweg die Hände reichen. Zwischen den Händen habe ich mit Taschenlampen Lichtstreifen erzeugt, um ihre Verbindung darzustellen.
Ich finde es aber auch sehr spannend, abstrakte Formen zu schaffen. Für ein Foto habe ich mich zum Beispiel ganz dunkel gekleidet und mit schwarzen Handschuhen eine Taschenlampe gehalten, die wir vorher mit buntem Transparentpapier beklebt hatten. Ich habe sie schräg in die Kamera gehalten und spiralförmig bewegt, dabei bin ich von der Kamera aus rückwärtsgelaufen. Dadurch ist ein Bild mit 3D-Effekt entstanden. Die Form hat Ähnlichkeit mit einer Luftschlange.

Ist die Fotografie für Sie ein Hobby oder ein Beruf?

Sie ist nicht mein Beruf, aber mehr als ein Hobby. Die Fotografie ist für mich eine Möglichkeit, Gefühle und Erlebnisse kreativ zu verarbeiten und auszudrücken. Im Hauptberuf arbeite ich in der Finanzabteilung der Berliner Verkehrsbetriebe. —




Wie die Covid-19-Impfung barrierefrei organisiert werden kann

Der Autor fasst in seinem Artikel die „Empfehlungen für barrierefreie Impfzentren“ zusammen. Diese wurden gemeinsam vom Deutschen Gehörlosen-Bund, dem Verein „Sozialheld*innen“ und elf weiteren Organisationen formuliert und den Verantwortlichen in der Bundes- und den Landesregierungen übergeben. Die Anmeldung für die Impftermine ist nun tatsächlich schon barrierefrei organisiert, so, wie es die Organisationen fordern – das geht nämlich telefonisch oder schriftlich. Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung können also bereits ohne fremde Hilfe einen Termin vereinbaren.

Constantin Grosch erklärt darüber hinaus, was in den Impfzentren selbst und bei der Organisation der Abläufe vor Ort wichtig ist. Hier könnt ihr seinen ganzen Beitrag auf „Die Neue Norm“ lesen.




Faire Mode für alle

Herr Kowalewski, wie kamen Sie auf die Idee, eine Modemanufaktur als Inklusionsunternehmen zu gründen?

Dafür muss ich etwas ausholen: Ich wollte schon immer gerne mit Menschen mit Behinderung arbeiten, diese Begeisterung ist mir sozusagen zugeflogen. Als ich meinen Zivildienst gemacht habe, habe ich aber leider keine passende Stelle bekommen. Vor einigen Jahren hat es dann geklappt. Ich hatte 13 Jahre lang in der Industrie gearbeitet, zuletzt bei der Firma Zeiss. Zwischen meinem Wohnort und meinem Arbeitsplatz musste ich weite Strecken pendeln. Außerdem war mir das Unternehmen zu groß. Es passte einfach nicht mehr, deshalb habe ich gekündigt. Eigentlich wollte ich mir direkt eine neue Stelle in einem anderen Unternehmen suchen, habe mich dann aber erst einmal für eine Auszeit entschieden, mich beim Bundesfreiwilligendienst beworben und in einem sonderpädagogischen Zentrum gearbeitet. Danach kam es für mich nicht mehr in Frage, in meine „alte“ Arbeitswelt zurückzukehren. Ich wollte etwas machen, das am Gemeinwohl orientiert ist und die Gesellschaft weiterbringt.

Und da kam Ihnen die Idee zu „Wasni“?

Nicht sofort. Anfangs hatte ich nur eine sehr vage Vorstellung, die dann immer konkreter wurde. Ich wollte etwas herstellen, das nachhaltig ist und den fairen Handel stärkt. Gleichzeitig hat mich sehr beschäftigt, dass es Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt oft noch so schwer haben. Viele sind in Werkstätten für behinderte Menschen unterfordert, bekommen in klassischen Unternehmen aber leider keine Chance. Ich wollte und will gerne beweisen, dass es anders geht und dass Inklusionsunternehmen auch langfristig am Markt bestehen und erfolgreich sein können. Die Idee, Kleidung herzustellen, ist durch einen Zufall entstanden – ich selbst kann gar nicht nähen. Eine Nachbarin, die selbst Taschen produziert, brachte mich auf den Gedanken.

Wie groß war Ihr Team, als Sie gegründet haben?

Wir haben zu dritt angefangen. Ich habe über Stellenanzeigen beim Arbeitsamt und private Kontakte zwei junge Kolleginnen gefunden, die nähen können. Nadine Feist ist gelernte Modedesignerin und Maßschneiderin und hat die Schnitte für unsere Kleidungsstücke entworfen. Yaprak Cukurova ist Modeteilnäherin, sie schneidet unter anderem die einzelnen Teile für die Sweatshirts und Jacken zu. Sie ist gehörlos, deshalb macht unser Team gerade einen Gebärdensprachkurs. Inzwischen arbeiten zehn Menschen bei „WASNI“.

Sie bieten auch Maßanfertigungen an. Gehörte das von Anfang an zu Ihrem Konzept?

Nein, auch diese Idee ist uns zufällig zugeflogen. (lacht) Einen Tag vor der Eröffnung unserer Manufaktur und unseres kleinen Ladens in Esslingen hatten wir die Idee, dass die Kundinnen und Kunden sich besondere Farben für die Bündchen, das Innenfutter der Kapuzen und die Reißverschlüsse aussuchen können. Wir wollten etwas Besonderes anbieten, mit dem wir uns von der Konkurrenz abheben. Und diese Teile werden sowieso separat vernäht, das bedeutet also keinen Mehraufwand.
Der richtige Durchbruch kam dann am Eröffnungstag. Ein sehr großer, schlanker Mann wollte bei uns ein Sweatshirt kaufen. Er erzählte, dass er beim Kleidungskauf immer dasselbe Problem hatte: In der Weite reichte ihm eigentlich die Konfektionsgröße M. Damit Rumpf und Ärmel in der Länge passten, musste er aber Größe XL kaufen. So entstand die Idee zu unserem Konfigurator im Online-Shop, in dem unsere Kundinnen und Kunden alle Farben und Maße individuell auswählen können. Für die Maßanfertigungen berechnen wir übrigens keinen Aufpreis. Wir möchten niemanden durch höhere Kosten dafür „bestrafen“, dass ihr oder ihm Standardgrößen nicht passen. Unser Motto „Wenn anders sein normal ist“ gilt ja nicht nur für unser Team, sondern auch für unsere Kundschaft. Für uns schließt sich damit ein Kreis.

Eine Nähmaschine und die Hände einer Person, die gerade ein Stoffstück näht.
Arbeiten an der Nähmaschine in der wasni-Manufaktur in Esslingen. Foto: wasni/Sandra Eberwein

Rechnet es sich für Ihr Unternehmen, alle Kleidungsstücke in Handarbeit und aus fair gehandeltem Bio-Stoff zu nähen? Die meisten Modefirmen lassen ihre Ware ja in Ländern mit einem deutlich niedrigeren Lohnniveau herstellen und verarbeiten herkömmliche Baumwolle.

Eine Kapuzenjacke kostet bei uns 79 Euro. Wir orientieren uns an den Preisen des Unternehmens „Armedangels“, das auch fair gehandelte Kleidung verkauft, und der Firma Trigema, die ausschließlich in Deutschland produziert. Wahrscheinlich würden einige Kundinnen und Kunden auch mehr für unsere Pullover bezahlen, aber wir möchten ja viele Menschen erreichen. Wir können mit unseren Preisen vor allem deshalb wirtschaftlich arbeiten, weil wir ausschließlich in unserem eigenen Laden und über unseren Online-Shop verkaufen. Wir arbeiten nicht mit Zwischenhändlern zusammen. Außerdem dürfen wir sieben statt 19 Prozent Mehrwertsteuer berechnen, weil wir ein gemeinnütziges Unternehmen sind.

Und reicht das für einen Gewinn?

Natürlich erwirtschaften wir keine hohen Profite, aber das ist auch nicht unser Anspruch. Meine beiden ersten Mitarbeiterinnen und ich haben nach der Gründung zum Mindestlohn von 8,50 Euro gearbeitet, inzwischen haben wir den Stundenlohn auf 12 Euro angehoben. Das ist immer noch wenig, für die Branche aber in Ordnung. Alle Gewinne, die übrigbleiben, müssen wir als gemeinnütziges Unternehmen sowieso wieder in den Betrieb investieren.

Bekommen Sie Fördermittel oder eine andere finanzielle Unterstützung?

Ja, wie alle Inklusionsunternehmen können wir Fördermittel aus der sogenannten Ausgleichsabgabe beantragen. Diese Abgabe müssen Firmen zahlen, die keine oder zu wenige Menschen mit Behinderung beschäftigen, obwohl sie dazu eigentlich gesetzlich verpflichtet sind. Aus diesem Topf bekommen Inklusionsbetriebe zum Beispiel Zuschüsse zu Investitionen, wenn sie einen Menschen mit Schwerbehinderung neu einstellen. Wir haben damit unter anderem einen höhenverstellbaren Tisch für Nähmaschinen finanziert, weil Nadine kleinwüchsig ist. Darüber hinaus bekommen wir Zuschüsse zu den Lohnkosten. Die kann jedes Unternehmen beantragen, das Menschen mit Behinderung einstellt, ob Inklusionsbetrieb oder nicht.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Wir haben dieses Jahr 3.000 Pullis verkauft, unser Ziel sind 5.000 bis 6.000. Es geht uns aber nicht darum, der größte Hoodie-Hersteller zu werden. Wir möchten Vorbild sein und zeigen, dass unser Geschäftsmodell funktioniert. Dafür muss unser Unternehmen eben mehr sein ein „nettes, kleines Atelier“. Wir wollen ja etwas bewegen.






4 Fragen an… Natalie Dedreux

Natalie, warum arbeitest du gerne als Journalistin?

Die Arbeit beim „Ohrenkuss“ ist meine Leidenschaft, ohne geht für mich gar nichts. Es macht Spaß, viel zu recherchieren und einfach drauflos zu schreiben. Wir sind 20 Kolleginnen und Kollegen mit Down-Syndrom, die sich regelmäßig zu den Redaktionssitzungen treffen. Für jedes „Ohrenkuss“-Heft haben wir ein Thema, zum Beispiel die Natur, die Familie oder Reisen. Dazu suchen wir im Internet und dann schreibt jeder einen Text. Manche Kollegen diktieren ihren Text auch.
Letztes Jahr habe ich auch ein Praktikum beim „Deutschlandfunk“ gemacht. Da habe ich über die Untersuchung von ungeborenen Kindern während einer Schwangerschaft recherchiert. Und ich habe Meldungen darüber geschrieben, was in der Welt passiert – zu ganz unterschiedlichen Themen. Das hat mir auch gut gefallen. Die Meldungen wurden später im Radio vorgelesen.

Wo würdest du gerne noch mehr arbeiten?

Ich würde gerne fürs Fernsehen arbeiten, weil ich dann noch berühmter werden könnte. Ich möchte, dass Menschen mit Down-Syndrom mehr gesehen werden und bekannter sind. Im Fernsehen, auf Instagram, überall. Deshalb mache ich auch viel auf Instagram und zeige da mein cooles Leben und meine Reisen, die ich mit meiner Familie mache. Meine Freunde, die auch das Down-Syndrom haben, haben auch Internetseiten und posten viele Bilder bei Instagram.

Was würdest du in der Welt gern verändern?

Es soll mehr Inklusion geben, vor allem bei der Arbeit und in der Schule. Da hapert es noch am meisten. Ich war auf einer inklusiven Schule und fand das gut. Es gibt mehr Bildung und alle sind zusammen, auch Menschen mit Behinderung. Im Beruf sollen auch alle zusammenarbeiten. Wenn Menschen mit Behinderung eine Assistenz bekommen, dann funktioniert das. Ich kann zum Beispiel sehr gut Texte schreiben, aber bei der Recherche brauche ich manchmal meine Assistentin. Sie übersetzt für mich Texte, die in Schwerer Sprache geschrieben sind, in Leichte Sprache.

Welche Ziele hast du noch für dein Leben?

Ich möchte weiter als Aktivistin für Menschen mit Down-Syndrom kämpfen, sie gehören zur Welt und zur Gesellschaft. Deshalb habe ich im März 2019 eine Petition gegen den Pränataltest auf das Down-Syndrom gestartet. 28.000 Leute haben schon unterschrieben. Das finde ich gut. Ich möchte, dass gegen den Bluttest richtig Krach gemacht und demonstriert wird. Der Test soll nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. Und ich will, dass die Politiker über meine Petition diskutieren.




Schauspielerin Lucy Wilke bekommt Theaterpreis „FAUST“

Ein Jahr lang schrieb Lucy Wilke täglich den Satz „Ich möchte schauspielern“ in ihr Tagebuch. Zum Theater zieht es sie schon seit ihrer Kindheit, denn ihr Vater war Bühnenbauer und die Familie lebte in einem Wohnwagen neben einem Münchner Theaterzelt. Weil sie wegen einer Muskelerkrankung mit Rollstuhl lebt, traute sich Lucy Wilke aber lange Zeit nicht, selbst eine Karriere als Schauspielerin zu beginnen.

Inzwischen arbeitet sie aber in ihrem Traumberuf. Die Theaterperformance „Fucking Disabled“ machte sie bekann, für das Stück »Scores that shaped our friendship« erhielt sie jetzt sogar den DER FAUST-Theaterpreis in der Kategorie ‚Beste Darsteller:in Tanz‘. Hier hat das Münchner Feuilleton eine lesenswerte Kritik dazu veröffentlicht.




Inklusion vor und hinter der Kamera

Welche Filme haben die „compagnons“ schon gedreht und an welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Elisabeth Dinh (ED): Wir entwickeln und drehen Dokumentarfilme, die meist einen Bezug zur Stadt Bremen haben. Wir haben auch schon zwei Spielfilme umgesetzt, die beide im Kino gezeigt wurden. Unser Spielfilm „Apostel & Partner“ lief anschließend im Fernsehen. Im Moment bemühen wir uns um einen Sendeplatz für unseren zweiten Film „Mae goes away“, in dem die Hauptfigur Mae ihren Mann verlässt, in ein neues Leben aufbricht und neue Freunde findet. Der Film ist also Beziehungsdrama und Roadmovie zugleich. Seit einigen Wochen arbeiten wir an unserem dritten Spielfilm mit dem Arbeitstitel „2035 Abgestürzt“, in dem es um den Klimawandel gehen wird.

Wie stellen Sie die Teams zusammen, mit denen Sie an diesen Filmprojekten arbeiten?

Jürgen Köster (JK): Je nach Projekt unterstützen uns eine externe Dramaturgin, professionelle Kameraleute oder auch neue Schauspielerinnen und Schauspieler. Meistens gefällt es einigen der „Neuen“ so gut bei uns, dass sie gerne weitermachen möchten. Das freut uns sehr, denn so ist aus anfangs fünf festen Mitgliedern inzwischen ein richtig großes Team von 20 Menschen mit und ohne Behinderungen und psychischen Erkrankungen geworden.

Sie sind ein inklusives Filmunternehmen. Was bedeutet das genau und warum ist das etwas Besonderes?

ED: Die meisten inklusiven Filmprojekte oder -teams sind nur vor der Kamera inklusiv. Das heißt, es werden zwar eine oder mehrere Rollen mit Schauspielerinnen und Schauspielern mit Behinderung besetzt – die Drehbuchautoren, Regisseurinnen und anderen Menschen hinter der Kamera haben aber meist keine Behinderung. Das ist bei uns anders. Jede und jeder kann die Aufgaben übernehmen, die sie oder er interessant findet und gut kann. Uns ist es wichtig, auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, alle Teammitglieder mit ihren Stärken zu sehen und niemanden zu über- oder zu unterfordern. Natürlich nehmen wir zugleich auch Rücksicht auf Erkrankungen. Dadurch entsteht eine tolle Arbeitsatmosphäre mit weniger Druck als in vielen anderen Teams. Das schätzen auch externe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne Behinderung sehr.

Wie und wann ist das Unternehmen entstanden?

JK: Wir haben vor zehn Jahren angefangen, die Idee ist aber viel älter und hat sich über eine lange Zeit immer weiter entwickelt. Ich selbst bin gelernter Sozialpädagoge, habe mich aber während meines Studiums auch im Bereich Fotografie, Kameratechnik und Dramaturgie fortgebildet. Ende der 1980er-Jahre habe ich in Bremen zusammen mit ehemaligen Patientinnen und Patienten einer psychiatrischen Klinik eine Medien-AG gegründet. Später habe ich auch in anderen Projekten gemeinsam mit psychisch erkrankten Menschen Filme gemacht. Dabei fiel mir immer mehr auf, dass Menschen mit Behinderung und Erkrankungen kaum in den Medien auftauchen – und wenn, dann stehen ihre Schwächen im Fokus. Deshalb haben wir die „compagnons“ gegründet.

Wie finanzieren Sie Ihre Filme?

JK: Manche Projekte sind Auftragsarbeiten, für die wir Honorare bekommen. Der Verein Martinsclub Bremen zum Beispiel ist einer dieser Auftraggeber. Die Organisation unterstützt Menschen mit Behinderung im Alltag und setzt sich für Inklusion ein. Für sie haben wir den Dokumentarfilm „Endlich zu Hause“ gedreht und dafür ein Jahr lang Menschen begleitet, die aus einem Wohnheim in ambulant betreute Wohnungen umgezogen sind. Das war ein sehr schönes Projekt. Den Menschen war anzusehen, wie sehr sie sich auf das neue Leben freuten.

Was ist mit Projekten, die keine Auftragsarbeiten sind?

JK: Wenn wir eigene Ideen ohne externe Kunden umsetzen möchten, etwa unsere Spielfilme, beantragen wir dafür Fördergelder. Damit können wir aber nur die Produktion finanzieren. Das heißt, wir können nur die Honorare für die Kameraleute oder die Schauspieltrainerinnen zahlen, die unsere Darstellerinnen und Darsteller bei den Proben unterstützen. Alle anderen Kosten werden dadurch nicht gedeckt. Beispielsweise können wir aus den kleinen Budgets bei solchen Projekten keine Gagen für die Schauspielerinnen und Schauspieler zahlen. Und für die Koordination bekommen wir aus dem Organisationteam nur eine Aufwandsentschädigung, deshalb haben die meisten von uns noch einen anderen Beruf, in dem sie Geld verdienen. Das alles möchten wir ändern, hatten mit unseren Anträgen bei größeren Filmförderern bisher aber noch keinen Erfolg.

Woran liegt es, dass Sie bei größeren Förderanträgen bisher durchs Raster gefallen sind?

JK: Die Unternehmen und Stiftungen, die solche Filmförderungen anbieten, möchten meist Projekte unterstützen, die schon sicher einen Sendeplatz im Fernsehen haben. Wir können aber nicht garantieren, dass ein Sender unsere Filme ins Programm aufnimmt, auch wenn wir es natürlich immer wieder versuchen. Wir sind aber im Vergleich auch ein noch junges Unternehmen am Markt. Und wir verfolgen noch dazu einen Ansatz, der für unsere Branche bis heute noch sehr ungewöhnlich ist. Deshalb sind wir einfach weiterhin geduldig und bohren dicke Bretter – und setzen darauf, dass wir durch die Qualität unserer Arbeit bald stärker wahrgenommen werden. —


Über unsere Interviewpartner:innen




„Wer sich nicht divers aufstellt, findet keine guten Leute mehr“

Viele Firmen werben inzwischen damit, dass sie sich vielfältig aufstellen und mit diversen Teams arbeiten möchten. Einige von ihnen haben so genannte Diversitätsbeauftragte angestellt, die sich um dieses Thema kümmern und die Führungskräfte dazu beraten sollen.

Das Problem aus der Sicht von Laura Gehlhaar, die seit mehr als zehn Jahren mit Rollstuhl lebt: Oft sind die Menschen an den Spitzen der Firmen – ebenso wie die Beauftragten für das Thema Vielfalt – weiße Männer ohne Behinderung.

Die 37-Jährige kritisiert in dem SZ-Interview aber nicht nur, was alles schiefläuft. Sie gibt auch Anregungen, wie Inklusion in Unternehmen und in der Gesellschaft besser gelingen kann. Genau darüber haben wir mit ihr vor gut drei Jahren übrigens auch schon für unseren eigenen Blog gesprochen.




Mit den Fingern lesen: 7 Fragen und Antworten zur Brailleschrift

#1: Was ist Brailleschrift?

Braille ist eine taktile (also tastbare) Punktschrift. Die
Schriftzeichen sind aus kleinen, erhabenen Punkten zusammengesetzt, die von der
Rückseite aus in das Papier gedrückt sind. Blinde und Menschen mit Sehbehinderung
können diese Punkt-Buchstaben mit den Fingern ertasten und so Texte oder ganze
Bücher lesen.


#2: Hat die Brailleschrift die gleichen Buchstaben wie
das moderne lateinische Alphabet?

Ja, für jeden Buchstaben des Alphabets gibt es in der Brailleschrift eine Punktkombination. Das Raster, nach dem die Punkte angeordnet sind, wird oft mit einem senkrecht stehenden Eierkarton verglichen: Es gibt zwei Spalten und drei Reihen. Also können höchstens zwei Punkte nebeneinander und drei übereinander stehen. Pro Braillezeichen werden in diesem Raster nur an bestimmten Stellen Punkte platziert. Je nach Kombination ergeben sich daraus verschiedene Buchstaben, Umlaute und Satzzeichen.


#3: Gibt es die Blindenschrift auch in anderen Sprachen?

Alle Sprachen, für die es Schriftzeichen gibt, können auch in
Brailleschrift dargestellt werden. Sie wird von blinden Menschen auf der ganzen
Welt benutzt – zum Beispiel gibt es ganz eigene Punktkombinationen für das
russische Alphabet, für chinesische Schriftzeichen und für die Umlaute oder
andere Sonderzeichen der verschiedenen europäischen Sprachen. Sie alle werden immer
in dem einfachen Sechs-Punkte-Raster dargestellt, das Louis Braille entwickelt
hat.


#4: Wo gibt es Bücher in Brailleschrift zu kaufen oder zu leihen?

In Deutschland bieten mehrere große Bibliotheken verschiedene Bücher und Noten in deutscher Blindenschrift, aber auch Hörbücher oder Hörfilme zum Leihen oder Kaufen an. Drei Beispiele sind das Deutsche Zentrum für barrierefreies Lesen (dzb lesen), der Verein „Norddeutsche Hörbücherei“ und das Bundesweite Kompetenzzentrum für Menschen mit Blindheit und Sehbehinderung (blista). Sie alle verschicken Leihbücher auch an blinde Leserinnen und Leser, die weiter weg wohnen. Übrigens befördert die Deutsche Post Briefe und Päckchen mit Literatur in Brailleschrift bis zu einem Gewicht von sieben Kilogramm kostenlos.


#5: Sind Bücher in Brailleschrift größer als Bücher in
gedruckter Schrift?

Ja, weil Braillezeichen viel höher und breiter sind als „Schwarzschrift“, wie gedruckte Buchstaben von Braille-Nutzerinnen und -Nutzern genannt werden. Punktschriftzeichen müssen deshalb in größerem Abstand zueinander stehen. Für ein Buch in Brailleschrift wird auch dickeres Papier benötigt, damit die Punkte erhaben genug und damit gut zu ertasten sind. Bücher in Blindenschrift sind also deutlich größer und schwerer als Bücher, in denen die gleichen Texte in Schwarzschrift abgebildet sind. Ein Beispiel: Das erste Buch der Harry-Potter-Reihe in Brailleschrift umfasst vier dicke Bände. Wie ein Braille-Buch entsteht, könnt ihr übrigens bei der Schweizerischen Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte nachlesen.


#6: Wie lesen und arbeiten blinde Menschen ohne Papier –
also am Computer oder mit dem Smartphone?

Am Computer wird meist eine Braillezeile verwendet, auch
Brailledisplay genannt. Das flexible Gerät übersetzt mit einer speziellen
Software den Text auf dem Bildschirm in Punktschrift. Dem jeweiligen
Punkteraster entsprechend springen auf der Braillezeile kleine Stifte nach oben.
So können Blinde Texte lesen und im Internet surfen. Manche Menschen lassen
sich den Text, der gerade auf dem Bildschirm zu sehen ist, auch gleichzeitig über
eine sogenannte Screenreader-Software vorlesen. Damit funktioniert übrigens
auch das Lesen auch auf dem Smartphone.


#7: Wie entstehen selbst geschriebene Brailletexte?

Wenn ein Text vom Computer auf Papier übertragen werden
soll, kann dafür ein Brailledrucker verwendet werden, der einfach mit einem
Kabel angeschlossen wird. Eine Software übersetzt den getippten Text in
Braillezeichen, der Drucker prägt die Punkte ins Papier. Darüber hinaus gibt es
auch mechanische und elektrische Braille-Schreibmaschinen. Sie sehen so ähnlich
aus wie die Apparate, mit denen früher Texte in Schwarzschrift auf Papier
getippt wurden. Eine Braille-Schreibmaschine hat allerdings nur sieben Tasten: Je
eine für die insgesamt sechs Punkte, mit denen Buchstaben verschlüsselt werden
können, und eine Leertaste.





„Masking“ überflüssig machen: Wie ein barrierefreies Arbeitsumfeld für Menschen mit Autismus aussehen kann

Blickkontakt herstellen, lächeln, die Augenbrauen kurz anheben: Diese Gesichtsausdrücke verwenden viele nicht-autistische Menschen ganz selbstverständlich, wenn sie ihrem Gegenüber signalisieren möchten, dass sie ein Gespräch beginnen wollen. Menschen im Autismus-Spektrum können diese nonverbalen Zeichen intuitiv aber nicht deuten und setzen sie selbst auch nicht ein. Um nicht aufzufallen, ahmen deshalb viele autistische Menschen die Mimik oder Gesten nach, die sie bei ihren Mitmenschen beobachtet haben. Diese Anpassung wird „Masking“ (übersetzt: „Maskierung“) genannt.

In diesem Beitrag des Online-Magazins zett.de erzählen Menschen mit Autismus von ihren Erfahrungen damit, sich auf diese Weise besser in ihr Umfeld einzufügen. Sie erklären, wann und warum sie Masking einsetzen und wie es ihnen damit geht. Und sie machen Vorschläge, wie nicht-autistische Freunde und Kollegen sie unterstützen können, damit das Masking vielleicht eines Tages aus dem Privat- und Berufsleben autistischer Menschen verschwindet.




Sport für alle: Interview mit der Sportlotsin Linda Bull

Frau Bull, was genau macht eine Sportlotsin?

Meine Aufgabe ist es, Vereine mit Sportlerinnen und Sportlern mit Behinderung zusammenzubringen. Ich weise ihnen sozusagen den Weg zueinander – daher auch die Bezeichnung „Sportlotsin“. Außerdem motiviere ich Menschen mit Behinderung, die noch unsicher sind, ob sie überhaupt Sport treiben können. Manche sehen nämlich nur die Profisportlerinnen und -sportler im Fernsehen und denken: ‚So schnell kann ich nicht laufen, das ist nichts für mich‘. Ich zeige ihnen, dass Sport auch ganz leicht sein und Spaß machen kann.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Ich verknüpfe Menschen mit Behinderung, die Sport machen möchten, oder ihre Betreuerinnen oder Betreuer mit einem passenden Verein. Sie rufen mich an und wir sprechen darüber, was sie sich wünschen – und ich überlege, was gut passen könnte. Häufig melden sich auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer Stiftung, die für eine Wohngruppe ein Angebot suchen. Und wenn es im jeweiligen Stadtteil noch keine inklusive Sportgruppe gibt, versuche ich, gemeinsam mit einem Verein vor Ort etwas Neues auf die Beine zu stellen.
Manchmal besuche ich auch Menschen in ihren Wohngruppen, die geistige und schwere körperliche Behinderungen haben und deshalb nicht so einfach an einem externen Sportkurs teilnehmen können. Ich zeige ihnen und ihren Betreuerinnen und Betreuern einige Übungen und Spiele, die sie auch zu Hause in ihrem Wohnbereich machen können und für die sie nur ein paar Alltagsgegenstände brauchen. Manchmal reichen schon kleine Wattebäusche und Luftballons, die über den Tisch gepustet oder geworfen werden, oder eine Papierkugel, die über einen Stift gerollt wird. Oder wir spielen Kommando Pimperle. Jede Bewegung ist gut für den Körper und für das Selbstbewusstsein.

Was bieten Sie sonst noch an?

Es gibt bei uns zum Beispiel Freizeitsportgruppen für Einsteiger. Dort probieren wir jede Woche verschiedene Sportarten aus, spielen Fußball und Basketball und balancieren über Sportgeräte. Wenn sich dabei herausstellt, dass jemand besonders viel Spaß am Fußball oder an einer anderen Sportart hat, versuchen wir anschließend, eine passende Mannschaft zu finden. Wenn er oder sie viel Talent hat und es sich zutraut, kann das natürlich auch ein fortgeschrittenes Team sein.
Darüber hinaus unterstützen wir Menschen mit Behinderung auch dabei, Wege zu finden, wie Mitgliedsbeiträge für Vereine oder Sportgruppen finanziert werden können. Wenn sie etwa in einer Einrichtung leben und Sozialleistungen beziehen, sind 20 oder 30 Euro im Monat oft kaum zu stemmen. Viele haben aber zum Beispiel einen Anspruch auf Reha-Sport, über den sich die Kosten oft auffangen lassen. Außerdem fördert der Hamburger Sportbund inklusive Kurse. Darauf weisen wir Vereine hin, wenn sie neue Angebote für Menschen mit Behinderung schaffen.

Eine Gruppe Menschen mit verschiedenen Behinderungen beim Sport in einer Turnhalle.
Foto: Aktion Mensch/Dominik Buschardt

Entstehen aus Freizeitangeboten manchmal auch inklusive Mannschaften in den Vereinen?

Ja, das entwickelt sich durchaus so. Das ist aber nicht unser Hauptziel. Inklusion bedeutet für uns, dass wir es jeder und jedem ermöglichen, ganz zwanglos Sport zu treiben, ganz egal, ob das in einer festen Gruppe oder Mannschaft geschieht. Manchmal fühlt sich jemand mit Behinderung in einem Team sogar eher unsicher, in dem auch Menschen ohne Behinderung spielen. Dann ist es besser, wenn sie oder er erst einmal zusammen mit der Wohngruppe oder mit Freunden trainieren und dabei einfach Spaß haben kann.

An wen genau richtet sich Ihr Angebot?

Wir unterstützen grundsätzlich alle, die Sport treiben möchten und bei uns anfragen. Unsere Hauptzielgruppe sind im Alltag aber Erwachsene mit geistiger Behinderung, weil sie am häufigsten in den Arbeits- und Wohngruppen der Stiftung leben und arbeiten.

Worauf kommt es in Ihrem Beruf an?

Ich muss immer sehr lokal denken und planen. Je nach Behinderung können manche Menschen nicht so ohne Weiteres zum Training in einen anderen Stadtteil fahren. Damit ich sie gut beraten und etwas Passendes anbieten kann, ist Netzwerkarbeit also sehr wichtig. Viele Vereine kommen aber inzwischen schon von selbst auf mich zu und fragen, wie sie neue Angebote für Menschen mit Behinderung schaffen könnten. Das freut mich und mein Team natürlich sehr. Ich gebe dann Tipps und stelle den Kontakt zu unseren Einrichtungen her, die in der Nähe liegen und für die es vielleicht noch keine lokale Sportgruppe gibt.

Worauf müssen Vereine achten, die Sport für Menschen mit Behinderung anbieten möchten?

Die Trainerinnen und Trainer sollten gut mit Menschen umgehen können und einfühlsam sein. Eine pädagogische Ausbildung brauchen sie nicht. Kleine Gruppen mit bis zu zehn Leuten sind zu empfehlen, wobei die Gruppengröße natürlich auch vom jeweiligen Angebot abhängt. Wenn Menschen mit körperlichen Behinderungen in den Sportgruppen sind, müssen der Sportraum und die Umkleiden natürlich barrierefrei zugänglich sein. Zu all dem beraten wir die Vereine aber sehr gern.