ADHS
ADHS ist die Abkürzung für „Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätsstörung“ und zugleich die Bezeichnung einer psychiatrischen Diagnose. Kurz erklärt nehmen Menschen mit ADHS – genetisch und neurobiologisch bedingt – mehr und andere Reize auf und verarbeiten diese anders als so genannte neurotypische Menschen. Ob und wie sich das für Außenstehende sichtbar äußert und ob ein Leidensdruck damit verbunden ist oder nicht, ist von Person zu Person aber sehr unterschiedlich.
In der öffentlichen Debatte kursieren trotzdem nach wie vor viele einseitige und oft negative Klischees zu ADHS. Am häufigsten ist das Bild des hibbeligen, unaufmerksamen Jungen, der in der Schule stört. Oft stehen also die vermeintlich sehr eindeutigen Symptome, das vorwiegende Auftreten von ADHS bei Jungen und Männern sowie die Schwächen stark im Vordergrund, obwohl all das nicht immer und vor allem nicht bei allen Menschen gleichermaßen zutrifft. Viel weniger bekannt sind die deutlich leiseren Symptome und – noch wichtiger – die ausgeprägte Palette an Begabungen und Stärken von Menschen mit ADHS, etwa eine ausgeprägte Kreativität und Neugier, eine hohe Begeisterungsfähigkeit oder eine schnelle Auffassungsgabe, um nur einige zu nennen.
Was besonders frustrierend für die Betroffenen ist, insbesondere dann, wenn sie erst im Erwachsenenalter diagnostiziert werden: Manchmal werden sie von ihrer Umgebung nicht ernst genommen oder fühlen sich aufgrund der Diagnose stigmatisiert. Insbesondere bei Mädchen und Frauen scheint das besonders oft der Fall zu sein. Ein Grund dafür: Anders als bei Jungen und Männern richten sich die Symptome bei ihnen häufiger nach innen und sind viel weniger von körperlicher Unruhe geprägt, entsprechen also seltener dem gängigen Klischee vom „Zappelphilipp“. Außerdem wenden Mädchen und Frauen meist viel Energie auf, ihren Leidensdruck zu verbergen und sich anzupassen. Auch deshalb werden sie in der Diagnostik nach wie vor häufig ganz übersehen.