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Forderungen, Demonstrationen und viele Bilder: #missioninklusion

Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen beteiligten sich viele Verbände und andere Organisationen in ganz Deutschland. Die Berichterstattung in den Medien war aber eher schmal. Was wir finden konnten, haben wir hier für euch zusammengetragen:




Model mit Down-Syndrom

Die Modebranche gilt als hartes Pflaster. Wer als Model nicht in ein bestimmtes Schema passt, zu klein oder zu dick ist oder nicht die „richtige“ Art von Schönheit hat, wird aussortiert – und bekommt entweder keine Jobs oder kann den Beruf gar nicht erst ausüben.

Seit einigen Jahren beginnen manche Magazine und Designer in der Branche, umzudenken. Sie wollen nicht mehr nur dünne, weiße Mädchen, sondern suchen immer öfter auch Menschen und Gesichter, die etwa unterschiedlicher Herkunft sind, interessant aussehen und nicht in ein starres Ideal passen. Daraus können Karrieren für Menschen entstehen, die bisher zum Beispiel wegen einer Behinderung bisher nicht in die Branche passten – so auch die junge Australierin Madeline Stuart, die das Down-Syndrom hat. Mit 17 Jahren erzählte sie ihrer Mutter, dass sie Model werden möchte. Die organisierte ein Fotoshooting und stellte die Bilder ins Netz, wo die junge Frau schnell eine große Fangemeinde aufbaute. Auch ein südafrikanischer Modeschöpfer wurde auf sie aufmerksam und engagierte die damals 18-Jährige für einen Auftritt in New York. Damit ging Madeleine Stuarts Karriere so richtig los, die bis heute andauert.

Im Blog des Schweizerischen Tagesanzeigers könnt ihr eine kurze Version von Madeleine Stuarts Geschichte lesen – und euch dort auch einige tolle Fotos anschauen, die Ausschnitte aus Stuarts Berufsalltag bei den Fashion Weeks 2018 in New York und London zeigen. Der Reuters-Fotograf Andrew Kelly hat die junge Frau dorthin begleitet und seine Eindrücke mit der Kamera eingefangen.




Eine Anhängerkupplung für Rollstühle

Die Entwicklung des Erfinder-Duos der Teuto InServ aus Bielefeld ist ebenso simpel wie genial: zwei Mitarbeiter des Inklusionsunternehmens haben ein Kupplungssystem für den Rollstuhl entwickelt, an dem man Koffer, Transport- oder Kinderanhänger sicher befestigen kann. „Rollikup“ heißt diese Entwicklung von Andreas Neitzel und Eduard Wiebe, zusammengesetzt aus den Wörtern „Rollstuhl“ und „Kupplung“. Das System ist das weltweit erste seiner Art, denn anders als zum Beispiel schon existierende Kupplungen für Fahrradanhänger lässt sich „Rollikup“ auch hinter dem Rücken und mit einer Hand bedienen.

Das Entwickler-Team stellt seine Erfindung am Dienstag, 19. März, in der TV-Show „Das Ding des Jahres“ vor. Es bewirbt sich damit um ein Preisgeld von 100.000 Euro. Zur Jury gehören unter anderem der Moderator Joko Winterscheidt und das Model Lena Gercke.

Die Show wird um 20.15 Uhr auf Pro Sieben ausgestrahlt. Hier gibt es weitere Informationen zur Sendung und eine Mediathek mit allen Folgen.

Übrigens: Wenn ihr wissen wollt, was der Inklusionsbetrieb Teuto InServ sonst noch so alles macht, lest hier unser Porträt über das Unternehmen!




Ein Gemeinschaftsbüro für alle

Barrierefreie Räume, höhenverstellbare Schreibtische, Braille-Tastaturen: Das und noch vieles mehr bietet Deutschlands erster inklusiver Coworking-Space „TUECHTIG“ seit dem Jahr 2017.

Das Gemeinschaftsbüro liegt mitten im Berliner Stadtteil Wedding. Menschen mit und ohne Handicap können hier einen Schreibtisch oder Konferenzraum anmieten, sich mit anderen Gründerinnen und Freiberuflern austauschen oder auch gemeinsame Projekte entwickeln.

Das „TUECHTIG“ bietet auf Wunsch auch Angestellten einen Ort zum Arbeiten an, die nach einem Unfall oder einer Erkrankung einen barrierefreien Arbeitsplatz brauchen, ihr Arbeitgeber diesen aber noch nicht zur Verfügung stellen kann.

Den ganzen Tag lang stehen im Gemeinschaftsbüro mehrere Arbeitsassistentinnen und -assistenten bereit. Sie unterstützen alle, die es wünschen, bei der Arbeit. Außerdem ist im „TUECHTIG“ eine Psychologin fest angestellt. Sie begleitet zum Beispiel Menschen nach einem Burn-Out oder anderen Erkrankungen dabei, wieder ins Berufsleben zurückzukehren und neue Arbeitsabläufe zu entwickeln.

Das „TUECHTIG“-Team hat noch mehr Pläne für die Zukunft. Welche das sind und wie es diese umsetzen möchte, könnt ihr hier nachlesen.




Feuerwehreinsatz mit Rollstuhl

Schon im Alter von zehn Jahren engagierte sich Finn-Niklas Gerken bei der Feuerwehr im niedersächsischen Achim. Jetzt hat der 18-Jährige den ersten Teil der Grundausbildung abgeschlossen und die so genannte Truppmann-1-Prüfung bestanden.

Was an dieser Geschichte etwas anders ist als bei anderen Feuerwehrmännern: Finn-Niklas Gerken lebt seit knapp drei Jahren mit Rollstuhl. Er ist seit einem Badeunfall im Sommer 2016 querschnittsgelähmt.

Nach der Reha wollte er seinerzeit unbedingt bei der Feuerwehr bleiben. Auch für seine Kameraden und den Wehrleiter war klar: Finn-Niklas Gerken gehört zum Team. Sie unterstützten ihn in der Zeit nach seinem Unfall, besuchten ihn im Krankenhaus und planten mit ihm gemeinsam, welche Aufgaben er bei den Übungen und Einsätzen künftig übernehmen würde. Der Truppe begegeneten im Alltag aber dennoch einige Schwierigkeiten.

Dieser kurze Film-Beitrag aus dem NDR-Regionalmagazin „Hallo Niedersachsen“ zeigt, wie die Feuerwehrleute die neuen Herausforderungen im Team gemeinsam gemeistert haben und welche Pläne Finn-Niklas Gerken für seine Zukunft bei der Feuerwehr hat. Unser Fundstück der Woche!




„Ich will arbeiten“: Berufs-Geschichten von Menschen mit Behinderung

Raphael Spitz lebt seit einem Autounfall mit Rollstuhl. Für den 46-Jährigen stand fest: Er wollte nach der Reha unbedingt wieder als Baumaschinist arbeiten. Tatsächlich steuert er heute wieder einen 25-Tonnen-Radlader, den sein Arbeitgeber für ihn behindertengerecht umbauen ließ. Auch Ingo Hofman, der als Kind seinen rechten Unterarm verlor, arbeitet heute in seinem Traumberuf als Schweißer.

In kurzen Porträts erzählt „Menschen – Das Magazin“ (ZDF) die Geschichten von Menschen mit Behinderung und ihren Erfolgen im Beruf. Die Filme berichten aber auch davon, wie schwierig für sie die Jobsuche oft ist. Nesrin Bektas zum Beispiel schrieb nach ihrem Abitur drei Jahre lang fast täglich Bewerbungen, bis sie einen Ausbildungsplatz fand. Auch Safet Srebrenica musste mit vielen Vorbehalten umgehen lernen, weil er mit nur einer Hand zur Welt kam. Heute unterstützt er als Fahrdiensthelfer beim Deutschen Roten Kreuz andere Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag.

Die Geschichten von Nesrin Bektas und Safet Srebrenica sind noch bis zum 9. Dezember 2018 hier in der ZDF-Mediathek abrufbar. Die Kurzporträts über Raphael Spitz und Ingo Hofman gibt es ebenfalls in der Mediathek, und zwar unter diesem Link.




„Wir sind eine unfassbar laute Band“

Experimentierfreudig, verspielt, laut: So ist die Musik der Hamburger Krautrock-Band Station 17. In wechselnder Besetzung proben unter diesem Namen seit 30 Jahren Musiker mit und ohne Behinderung, spielen Konzerte und veröffentlichen Alben.
Die Aufschrift „Stop – Hier wird gearbeitet“ an der Tür des Probenraums ist dabei wörtlich zu nehmen, denn die Band ist viel mehr als ein Hobby. Die Musiker sind beim inklusiven Netzwerk Barner 16 fest angestellt und erwirtschaften ihr Einkommen durch ihre Kunst. Wie das klingt und aussieht, erzählt die taz in dieser Reportage.




Behinderung als Jobchance

Martin Neumann ist Asperger-Autist. Unregelmäßigkeiten in Mustern und Fehler in Programmiercodes fallen ihm sofort auf – eine außergewöhnliche und wertvolle Fähigkeit, die das Unternehmen Auticon erkannt hat und Neumann als Mitarbeiter eingestellt hat.

Auch Steffi Gedenk kann gerade wegen ihrer Behinderung Besonderes leisten: Sie ist fast blind und rettet Leben, nämlich dank ihres ausgeprägten Tastsinns, den sie in der Brustkrebsfrüherkennung nach der Methode „discovering hands“ einsetzt.

Beim spanischen Joghurthersteller LaFageda erwirtschaften Menschen mit und ohne Behinderung zusammen mit psychisch erkrankten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Jahresumsatz von mehr als 20 Millionen Euro.

Um diese drei Unternehmen geht es in dieser sehenswerte Arte-Dokumentation, die noch bis zum 19. September 2018 in der Mediathek des Senders abrufbar ist.




Eine Software für menschlichere Computerschrift

Die Digitalisierung macht’s möglich: Durch Untertitel können auch taube Menschen oder Menschen mit schweren Hörbehinderungen Filme, Dokus, Serien und Videos schauen und verstehen.

Doch die Computerschrift, die dafür eingesetzt wird, hat auch ein großes Manko: Im Gegensatz zu gesprochener Sprache hat sie nichts menschliches und emotionales, sie drückt keine Betonungen, kein Tempo und keine unterschiedlichen Lautstärken aus.

Der Unternehmer Tim Schlippe möchte das mit seiner Software „Wavefont“ ändern. Sie verändert das Aussehen von Computerschrift so, dass die Leser sich anhand dessen vorstellen können, wie sich die geschriebenen Worte gesprochen anhören würden. Gründerszene.de hat den Unternehmer und seine Idee in diesem Artikel vorgestellt.




„Für mich war klar: Ein Bürojob ist nichts für mich“

Egal, ob auf dem Platz oder im Stadion, in der Halle oder im Tanz- und Fitnessstudio, in der freien Natur oder rund ums Wasser: Sport bringt Menschen zusammen, ist halb Spiel, halb Arbeit, und löst Glücksgefühle aus, sobald sich die ersten kleinen und großen Erfolge einstellen.

Für Alexander Donner ist der Sport zur Berufung geworden. Der 30-Jährige ist seit seiner Jugend querschnittsgelähmt und arbeitet heute als Ruder-Trainer beim Hochschulsport an der Uni Hamburg. In diesem Interview erzählt er, wie es dazu kam – unser Fundstück der Woche!