„Inklusion ist ein Innovationsfaktor für Kunst und Kultur“

Frau Reuter, Sie möchten sich mit Ihrer Organisation „Un-Label“ für Inklusion und Vielfalt in der Kunst einsetzen. Wie genau machen Sie das?

Indem wir Kulturakteur:innen mit und ohne Behinderung zusammenbringen, inklusive Theater-, Tanz- und Musikproduktionen umsetzen, Kulturschaffende aus vielen Ländern verbinden und viel Netzwerkarbeit machen. Vor allem mit unserem Qualifizierungsprogramm „Access Maker“ begleiten wir bundesweit Kultureinrichtungen dabei, sich für mehr Barrierefreiheit und Inklusion zu öffnen.

Mit unserer Arbeit möchten wir zeigen: Inklusion und kulturelle Teilhabe sind für alle möglich. Gleichzeitig schaffen wir mit unseren Projekten und Programmen für Künstler:innen, Kulturschaffende und Berater:innen mit Behinderung konkrete Arbeits- und Entwicklungsmöglichkeiten, die im Kulturbereich bisher oft fehlen. Mir ist dabei aber wichtig: Inklusion ist kein Sozialthema, sondern ein Innovationsfaktor für Kunst und Kultur.

Wie meinen Sie das?

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Körpern, Wahrnehmungen und Erfahrungen zusammenarbeiten, entstehen neue künstlerische Formen und Ausdrucksweisen. Ein Beispiel dafür ist das Verfahren „Aesthetics of Access“ (Deutsch: Zugangsästhetik). Das bedeutet, dass Barrierefreiheit nicht erst nachträglich hinzugefügt wird, etwa durch Untertitel über der Bühne oder durch klassische Audiodeskription, also die Beschreibung von Handlungen auf der Bühne. Bei „Aesthetics of Access“ ist Barrierefreiheit von Anfang an Teil des künstlerischen Konzepts. Das kann beispielsweise bedeuten, dass Gebärdensprache Teil der Inszenierung ist. Oder: Die Kulturschaffenden integrieren die Audiodeskription direkt in den Text und die Dramaturgie, sodass Menschen mit Sehbehinderung keine Kopfhörer mehr benötigen. Sie gestalten Untertitel bewusst, die zum Teil des Bühnenbilds werden. Oder sie entwickeln Licht, Klang, Kostüme, Gerüche oder Bewegung so, dass diese verschiedene Sinne gleichzeitig ansprechen. Barrierefreiheit ist für uns also nicht nur eine Frage der Zugänglichkeit, sondern erweitert die künstlerischen Möglichkeiten.

Können inklusive Kunst und Kultur dazu beitragen, dass auch die Gesellschaft inklusiver wird?

Ja, auf jeden Fall. Kunst und Kultur sind Orte, in denen Menschen gesellschaftliche Fragen aushandeln und neue Perspektiven sichtbar machen. Das kann Veränderungen anstoßen. Wenn Menschen mit Behinderung selbstverständlich Kultur machen oder im Publikum sind, beeinflusst das nicht nur die Kultur selbst. Es verändert auch, wie das Publikum und die Kulturschaffenden ohne Behinderung Kultur, Gesellschaft und Teilhabe wahrnehmen. Menschen erleben andere Körper, andere Erzählweisen und andere Lebenserfahrungen. Das stärkt demokratische Prozesse.

Sie haben 2023 im Rahmen des Projekts „L.I.K. – Labor für inklusive Kultur“ in Köln einen Kulturort eingerichtet, das Un-Label Studio. Welche Erfahrungen haben Sie mit diesem Projekt gemacht?

Das Un-Label Studio ist der erste vollständig barrierefreie Kulturort der freien Szene in Köln und einer von wenigen solcher Orte in ganz Deutschland. Künstler:innen mit und ohne Behinderung können in dem Studio gemeinsam arbeiten, neue Formate entwickeln und künstlerisch forschen. Dort finden Proben, Ausstellungen, Netzwerk- und Austauschformate sowie Workshops und Fortbildungen mit deutschen und internationalen Expert:innen aus unterschiedlichen künstlerischen Genres statt. Darüber hinaus haben wir bezahlte Künstlerresidenzen für Künstler:innen mit Behinderung vergeben. Dazu gehörten unter anderem das Studio als Raum zum Arbeiten, Unterkünfte, Honorare, Reisekosten sowie Mittel für Arbeitsassistenzen und weitere Maßnahmen, um möglichst barrierefrei arbeiten zu können. Die Anschlussfinanzierung für das Programm ist leider noch nicht gesichert, sodass wir es erst einmal aussetzen müssen.

Wir haben gesehen, wie groß der Bedarf nach wirklich barrierefreien Arbeits- und Produktionsorten in der freien Szene ist. Gleichzeitig haben wir die Erfahrung gemacht, dass solche Orte nicht nur künstlerisch und kulturell wirken. Unser Studio liegt mitten in Köln-Ehrenfeld und ist auch als offener Begegnungsraum für die Nachbarschaft gedacht. Hier treffen sich Menschen mit und ohne Behinderung, auch wenn gerade keine Veranstaltungen stattfinden. Inklusion ist dann nicht nur ein Konzept, sondern einfach Alltag.

Vier Personen vor einer großen Leinwand, darunter eine im Rollstuhl, eine sitzend am Klavier, eine stehend mit Mikrofon und eine weitere stehend. Alle blicken auf die Leinwand mit abstrakten Schwarz-Weiß-Bildern.
Foto: Alessandro De Matteis

Wie haben Sie das Studio finanziert?

Verschiedene Förderpartner haben das Projekt ermöglicht. Hauptförderer war die Deutsche Fernsehlotterie, weitere Mittel kamen von der Postcode Lotterie sowie von der RheinEnergieStiftung Kultur, die insbesondere das Residenzprogramm unterstützt hat. Durch eine zusätzliche Förderung des Landschaftsverbands Rheinland konnten wir das Studio mit einer Rampe, einem Hublift und automatischen Türöffnern ausstatten und dadurch einen barrierefreien Arbeitsplatz für eine Mitarbeiterin im Rollstuhl schaffen. Mit Unterstützung des Kulturdezernats der Stadt Köln konnten wir außerdem in die technische Barrierefreiheit investieren. Wir haben unter anderem Brailledrucker, Audioguides und ein haptisches Soundsystem angeschafft, das einen neuen Zugang zu künstlerischen Arbeiten eröffnet.

Der erste Projektzeitraum von „L.I.K. – Labor für inklusive Kultur“ und damit die Finanzierung sind gerade ausgelaufen. Können Sie das Studio weiterführen?

Das Kulturamt der Stadt Köln hat angekündigt, künftig die Miete und die Nebenkosten des barrierefreien Studios für mehrere Jahre fördern zu wollen. Das ist eine wichtige Grundlage, um diesen Ort langfristig zu sichern. Wir haben außerdem zahlreiche neue Förderanträge gestellt, damit wir auch Personalkosten, Honorare, Kosten für Barrierefreiheit, künstlerische Programme, Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit finanzieren können. Für unser neues Projekt „Inklusive Kunstlabore“ hat uns die Deutsche Fernsehlotterie bereits eine Förderung ab April 2026 zugesagt. In diesen „Inklusiven Kunstlaboren“ bieten wir für Menschen mit und ohne Behinderung Aus- und Weiterbildungen in verschiedenen künstlerischen Sparten an.

Das Thema Förderung begleitet Sie dauerhaft, oder?

Ja, meistens gibt es nur Geld für zeitlich begrenzte Modellprojekte. Wir bauen mit „Un-Label“ bundesweit Strukturen auf, für die wir aber keine Planungssicherheit haben. Es bräuchte nachhaltige Förderstrukturen – nicht zuletzt, weil die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderung unter anderem in der in der UN-Behindertenrechtskonvention längst rechtlich verankert ist. Wir setzen uns mit Un-Label deshalb für eine neue Förderpolitik ein, damit inklusive Kulturarbeit dauerhaft wirken kann. In den vergangenen Jahren hat sich konkret etwas verändert und verbessert, etwa dass in Deutschland zum ersten Mal in manchen Förderprogrammen Kosten für Barrierefreiheit in Kulturförderprogrammen abgefragt wurden. Die aktuelle politische Entwicklung erschwert unsere Arbeit allerdings zunehmend. Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Ländern sehen wir Kürzungen im Kulturbereich, einen zunehmenden Rechtsruck und wachsenden Druck auf Programme für Diversität, Inklusion, Teilhabe und Demokratie. Deshalb finde ich internationale Kooperationen und starke Netzwerke so wichtig. Wir müssen diesen Entwicklungen gemeinsam entgegentreten.

Wie sind Sie selbst dazu gekommen, sich für inklusive und barrierefreie Kultur einzusetzen?

Ich bezeichne mich selbst als jemanden mit sogenannter „lived experience“, also mit eigener gelebter Behinderungserfahrung. Als Kind habe ich erlebt, dass Gleichbehandlung und Teilhabe für mich nicht selbstverständlich sind, sondern dass ich sie oft aktiv erkämpfen musste. Gleichzeitig bin ich aber in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich Teil des Lebens waren. Mein Vater hat 1988 an der Universität Köln eines der ersten Theaterfestivals für Menschen mit Behinderung in Deutschland gegründet. Ich habe dort schon als Jugendliche mitgearbeitet. Dadurch hatte ich sehr früh Berührungspunkte mit inklusiver Kulturarbeit.

Später habe ich Sonderpädagogik und Diplompädagogik studiert und in internationalen Kulturprojekten gearbeitet. Dort ging es häufig um Diversität (Deutsch: Vielfalt) und darum, dass Kunst- und Kulturprojekte Gruppen und Menschen fördern sollten, die sonst benachteiligt und an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden. Ich habe aber immer wieder festgestellt, dass Menschen mit Behinderung in diesen Projekten eigentlich nie mitgedacht und angesprochen wurden. Aus all diesen Erfahrungen ist schließlich die Idee für Un-Label entstanden: Räume zu schaffen, in denen Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammenarbeiten und ihr kreatives Potenzial entfalten können.




Jetzt vormerken: Die LWL-Messe der Inklusionsunternehmen am 11. März 2026

Seit 2010 richtet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe alle zwei bis drei Jahre die „LWL-Messe der Inklusionsunternehmen“ aus. Inklusive Betriebe aus der Region zeigen dort, wie Menschen mit und ohne Behinderungen in vielen verschiedenen Branchen erfolgreich zusammenarbeiten. Die Mitarbeiter:innen der Unternehmen, die vor Ort mit dabei sind, stehen auf der Messe außerdem für Gespräche und Austausch mit den Besucher:innen bereit.

Auf der Jobbörse, die im Rahmen der Messe ebenfalls stattfindet, können sich Menschen mit Behinderungen beraten lassen und Praktikums-, Ausbildungs- oder Arbeitsstellen entdecken. Stellenangebote von Unternehmen, die auf der Messe vertreten sind, sind hier besonders gekennzeichnet – so können Interessierte direkt persönlich ins Gespräch kommen.

In drei Seminarräumen sowie im Messeforum können Besucher:innen außerdem Vorträge und Workshops aus dem umfangreichen Seminarprogramm besuchen. Menschen aus Inklusionsunternehmen berichten beispielsweise von ihren Erfahrungen mit inklusiver Arbeit und Ausbildung, aber auch Fachleute sind vertreten, die etwa darüber informieren, wie digitale Assistenzsysteme und Robotik im Arbeitsalltag unterstützen können. Darüber hinaus gibt es auch fachlichen Input zu vielen Themen rund um die Führung eines Inklusionsunternehmens – unter anderem zum Steuerrecht, zu Fördermöglichkeiten und zu den Chancen für inklusive Betriebe im Wettbewerb auf dem freien Markt.


Die Messe auf einen Blick

Wann?
Mittwoch, 11. März 2026, 9–17 Uhr

Wo?
Messe Dortmund, Halle 5

Der Eintritt ist kostenlos. Die Messe ist barrierefrei gestaltet. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am Info-Stand am Eingang der Messe kostenlose Unterstützungsangebote. Die Messe Dortmund stellt auf ihren Seiten außerdem einige Hinweise zur Anreise bereit.

Alle weiteren Informationen zum Programm und den Ausstellenden ist auf www.lwl-messe.de zu finden. Die Website wird laufend aktualisiert.

Die Gesichter und Geschichten zur Messe

In den Wochen vor der Messe hat das LWL-Inklusionsamt Arbeit in einem längeren Prozess zehn Mitarbeiter:innen mit Behinderungen aus Inklusionsunternehmen ausgewählt und für eine Plakatkampagne fotografiert. Mit ihren Geschichten zeigen diese zehn Menschen, was inklusives Arbeiten für sie persönlich bedeutet.

→ Einige der Mitarbeiterinnen mit Mitarbeiter aus der Plakatkampagne stellen wir mit Videostorys auch in unserem Blog vor:

Johanna Schielke beispielsweise, die in einer Großküche arbeitet, oder Nico Ackermann, der im Büro eines Recyclingunternehmens einen Neuanfang gemacht hat.





Hör-Tipp: Erfindungen für mehr Barrierefreiheit, die heute alle Menschen nutzen

„Curb Cut“ heißt übersetzt „abgeschnittener Bordstein“. Das sind barrierearme Stellen an Straßen und Fußwegen, die für Menschen mit Rollstuhl und für Menschen mit Sehbehinderungen eingerichtet wurden, die sich mit einem Langstock orientieren. Menschen ohne Behinderungen profitieren aber auch davon, wenn sie mit Kinderwagen oder Koffer unterwegs sind oder wegen einer Verletzung vorübergehend abgesenkte Bordsteine brauchen. Auch viele digitale Tools wurden ursprünglich für Menschen mit Behinderungen entwickelt – beispielsweise die SMS oder die Spracheingabe und -ausgabe.

In der ersten Folge des Podcasts „Unlimited – Digital für alle“ geht es um die Geschichte dieser und anderer Hilfsmittel. Darüber hinaus wird auch diskutiert, wie solche Erfindungen in Zukunft ältere Menschen im Alltag unterstützen könnten.

Der Podcast wird seit Dezember 2025 von der Überwachungsstelle des Bundes für barrierefreie IT veröffentlicht und von einem inklusiven Team produziert. Er ist bei Spotify und bei Apple Podcasts zu hören. Bei Spotify gibt es auch ein Transkript jeder Folge als PDF, das online gelesen oder heruntergeladen werden kann.




Umfrage des IW Köln zur Inklusion am Arbeitsplatz: Wie offen gehen Menschen im Job mit ihrer Behinderung um?

Das Institut der deutschen Wirtschaft, kurz „IW“, ist ein privates Forschungsinstitut. Es wird von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und dem Bundesverband der Deutschen Industrie getragen.
Jedes Jahr befragt es etwa 5.000 Beschäftigte zu verschiedenen Themen rund um ihren Beruf und ihren Arbeitsplatz. Dabei geht es zum Beispiel darum, welche Qualifikationen Menschen für ihren Job benötigen, welche Anforderungen die Unternehmen an ihre Mitarbeiter:innen stellen – zum Beispiel mit Blick auf Arbeitszeiten oder Arbeitsorganisation – und was sich die Beschäftigten umgekehrt von Unternehmen wünschen.

In der Beschäftigtenbefragung 2024 hat das IW Köln außerdem danach gefragt, wie Menschen mit Behinderungen ihre Situation im Beruf erleben. Eines der Ergebnisse: Viele Beschäftigte mit Behinderungen gehen im Arbeitsumfeld offen mit ihren Behinderungen um. Ein Arbeitsklima, in dem solch eine Offenheit möglich ist, wirkt sich gleich mehrfach positiv aus: Die Beschäftigten sind zufriedener und engagierter, außerdem empfinden sie weniger Stress am Arbeitsplatz. Für Unternehmen wiederum kann das ein Pluspunkt sein, wenn sie neue Mitarbeiter:innen gewinnen und im Betrieb halten möchten.

Die Befragung hat aber auch gezeigt, dass es in diesem Zusammenhang feine Unterschiede gibt: Es hängt sehr von der Art der Beeinträchtigung ab, ob und wem gegenüber Menschen im beruflichen Umfeld eine Behinderung kommunizieren oder nicht.




Unterstützung bei der beruflichen Neuorientierung: Interview mit Thomas Schramm von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung

Herr Schramm, Sie beraten Menschen, die sich wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit beruflich neu orientieren müssen. Wer kann sich von Ihnen unterstützen lassen?

Wer aus den genannten Gründen seinen Beruf nicht mehr ausüben kann und einen Versicherungsschutz über die gesetzliche Unfallversicherung hat, kann von uns unterstützt werden, sofern sein Unfallversicherungsträger uns damit beauftragt. Dabei ist es egal, wie schwerwiegend die gesundheitliche Beeinträchtigung ist. Denn nicht nur Schwerbehinderungen, sondern auch kleinste Gesundheitseinschränkungen können sich auf das Berufsleben auswirken. Ein Beispiel: Eine kleine Schnittverletzung am Zeigefinger führt möglicherweise dazu, dass ein Feinmechaniker mit seiner Führungshand seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann. Eine solche Verletzung würde nicht dazu führen, dass der Mechaniker eine Rente aus der Unfallversicherung erhält. Er müsste seinen Lebensunterhalt weiterhin komplett selbst erarbeiten. Wir helfen in solchen Fällen dabei, eine neue Stelle zu finden. Das machen wir übrigens auch vorbeugend: Wir unterstützen auch Menschen, die ihren Job aufgeben müssen, damit gar nicht erst eine Berufskrankheit eintritt.

Wie hilft „DGUV job“ bei einem solchen Berufswechsel?

Für das erste Beratungsgespräch besuchen wir die Menschen zu Hause. Das entlastet sie, schafft Vertrauen und hat den praktischen Vorteil, dass alle Unterlagen schnell zur Hand sind. Gleichzeitig bekommen wir einen Eindruck vom familiären Umfeld und den Lebensbedingungen. Für die berufliche Neuorientierung sind ja viele verschiedene Faktoren wichtig: Wie wirken sich die gesundheitlichen Einschränkungen auf den Alltag und ein künftiges Berufsleben aus? Wie empfindet ein Mensch ganz persönlich seine neue Situation? Wie sind die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vor Ort? All das kann hilfreich sein, um gemeinsam weiter zu planen.

Im Anschluss an die erste Beratung bieten wir Unterstützung bei Stellenbewerbungen an: Wir helfen dabei, die Unterlagen zu optimieren und eine Strategie für die Bewerbungsphase zu entwickeln. Dazu gehört zum Beispiel, dass wir mit den Ratsuchenden ein positives Talent- und Potenzialprofil erarbeiten. Das bedeutet: Wir schreiben gemeinsam auf, was eine Person beruflich machen möchte und kann. Wir schauen so bewusst auf die Fähigkeiten und Möglichkeiten statt auf die eventuellen Einschränkungen. Das ist wichtig für die innere Haltung der Menschen und dafür, wie sie sich in den Bewerbungsverfahren darstellen, also ihre Stärken, Fähigkeiten und Potenziale zeigen.

Wenn wir alle Informationen beisammen haben, übertragen wir sie in unser IT-System und schicken der Person passende Stellenangebote. Seit 2023 gibt es außerdem eine App, mit der viele Funktionen im Bewerbungsmanagement direkt und digital selbst erledigt werden können.

Ist Ihre Unterstützung zeitlich begrenzt?

Nein, eine zeitliche Befristung gibt es nicht. Wir begleiten die Menschen so lange, bis sie eine neue Stelle oder eine andere Perspektive gefunden haben.

Die Berater:innen stellen im Rahmen von „DGUV job“ auch Kontakte zu Arbeitgeber:innen her. Wie wählen sie diese aus?

Die Unfallversicherungsträger pflegen überall in Deutschland Kontakte zu Unternehmen in ihren Regionen und tragen offene Stellen in unseren internen Stellenmarkt ein. Auf diesen können wir dann in der Beratung zugreifen. Darüber hinaus haben wir ein innovatives Rechercheinstrument, das täglich mehr als zwei Millionen freie Stellen aus einer Vielzahl an Quellen analysiert. Damit können wir die Möglichkeiten einer Person am jeweiligen regionalen Arbeitsmarkt noch besser einschätzen. Aus all diesen Informationen erarbeiten wir dann für die Menschen eine oder mehrere individuelle Strategien und machen konkrete Vorschläge. Der Vorteil ist die konkrete und pragmatische Analyse zur realistischen Umsetzung.

Die DGUV bietet in ihrem Online-Portal auch den „Wegweiser Berufsumstieg“ an, mit dem sich Menschen über mögliche neue Berufe und die Arbeitsbedingungen informieren können. Wie funktioniert dieses Programm?

Dieses Instrument steht allen Menschen offen, unabhängig von ihrem jeweiligen Versicherungsstatus. Interessierte können dort ihre Berufserfahrungen, Kenntnisse, Qualifikationen und ihre gesundheitliche Situation eintragen sowie ihre Wünsche und gesundheitlichen Anforderungen an einen künftigen Beruf angeben. Das Programm gleicht dann das Profil ab, und zwar mit allen nach dem Berufsbildungsgesetz anerkannten Ausbildungsberufen sowie Berufsbildern im Bereich der Hilfs- und Facharbeiter. Über ein Ampelsystem wird farblich dargestellt, wie gut bestimmte Berufe passen und welche möglichen gesundheitlichen Risiken es geben könnte. Zu allen Berufen sind außerdem weiterführende Informationen und ein Steckbrief im Portal „Berufenet“ der Bundesagentur für Arbeit verlinkt. Bevor jemand sich für einen neuen Beruf entscheidet, ist es aber immer sinnvoll, sich den regionalen Arbeitsmarkt sehr genau anzuschauen.

Können Sie auch Fördermöglichkeiten anbieten, wenn Menschen für einen neuen beruflichen Weg zum Beispiel eine Weiterbildung benötigen?

Grundsätzlich ja, dazu stimmen wir uns mit den zuständigen Unfallversicherungsträgern ab. Was und wie genau gefördert werden kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab – zum Beispiel davon, in welcher Branche eine Person die besten Chancen hat, wirklich nachhaltig und mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit Fuß zu fassen. Auch die künftige finanzielle Situation der Menschen muss berücksichtigt werden: Können Menschen mit einem neuen Beruf wieder ein Einkommen verdienen, sodass sie nach Möglichkeit keine Sozialleistungen mehr benötigen? Das wird jeweils individuell geprüft, um zu entscheiden, welche Schulungen, Zertifizierungen oder Qualifikationen wir mit einer Förderung oder einer Bewilligung des Unfallversicherungsträgers unterstützen können.

Gibt es Branchen, in die Menschen besonders häufig oder selten wechseln?

Wir haben mit „DGUV job“ bisher mehr als 22.000 Menschen dabei begleitet, eine neue berufliche Zukunft zu gestalten. Dabei sind keine Prioritäten und Tendenzen zu erkennen, weil Menschen und ihre Berufswege sowie die Rahmenbedingungen einfach zu unterschiedlich sind. Manchmal können wir auch dabei unterstützen, in „exotische“ Nischenberufe zu wechseln, wo es oft weniger Konkurrenz gibt, sodass jemand sehr schnell eine neue Arbeit beginnen kann. Wir haben zum Beispiel Menschen begleitet, die neue Perspektiven in der Bestattungsberatung, im Fahrschulwesen, im öffentlichen Dienst oder auch in sehr interessanten Aufgaben im Wach- und Sicherheitswesen gefunden haben.  




Veranstaltungstipp im September: Die Messen „Zukunft Personal Europe 2025“ und „REHACARE 2025“

Die „Zukunft Personal Europe 2025“ findet dieses Jahr in Köln statt und feiert dort ihr 25-jähriges Jubiläum. Sie steht deshalb unter dem Motto „Time for New Beginnings“ (deutsch: Zeit für neue Anfänge). Den Besucher:innen bietet die Veranstaltung ein umfangreiches Programm mit Vorträgen und Workshops zu Themen wie Personalentwicklung, Führung, gesundes Arbeiten, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Eine zentrale Frage ist: Was braucht die Arbeitswelt von morgen – und wer bringt sie jetzt auf den Weg?

Das Inklusionsamt Arbeit des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe ist auf der „Zukunft Personal“ unter dem Motto „Inklusion wirkt“ gemeinsam mit dem Inklusionsamt Arbeit des Landschaftsverbands Rheinland und den Einheitlichen Ansprechstellen für Arbeitgeber (EAA) vertreten.

Das Standteam informiert über die Arbeit inklusiver Unternehmen und berät Arbeitgeber:innen direkt vor Ort unter anderem zu diesen Themen:

  • Förderungen für Unternehmen, die Menschen mit Schwerbehinderung beschäftigen oder neu einstellen,
  • barrierefreie Arbeitsplatzgestaltung,
  • Unterstützung bei Fragen zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM), zum Kündigungsschutz sowie zur Prävention am Arbeitsplatz, damit Mitarbeitende gesund bleiben, und
  • Förderung von Inklusionsbetrieben.

REHACARE 2025: Mehr als 850 Aussteller

Welche Innovationen braucht eine inklusive Gesellschaft – und welche gibt es bereits? Das ist die Leitfrage der diesjährigen REHACARE in Düsseldorf. Über 850 Aussteller aus mehr als 40 Ländern zeigen auf der Fachmesse zum Beispiel Hilfsmittel, die Menschen mit Behinderungen im Alltag und im Beruf unterstützen können, etwa digitale Assistenzsysteme und Pflegehilfen. Außerdem können Besucher:innen im Sport-Center inklusive Sportarten kennenlernen und sich im Programm des „Treffpunkt REHACARE“ über verschiedenste Themen rund um ein selbstbestimmtes Leben und eine inklusive Gesellschaft informieren.

Ein Schwerpunkt der Fachmesse ist wieder das Thema Berufliche Teilhabe. Darum geht es auch am gemeinsamen Stand der beiden Landschaftsverbände, die unter dem Motto „Beratung. Teilhabe. Perspektive.“ zu individueller Beratung und fachlichem Austausch einladen. Neben Fachleuten der Inklusionsämter von LWL und LVR sind auch Expert:innen aus der Eingliederungshilfe, den Integrationsfachdiensten (IFD), den LWL- und LVR-Landesjugendämtern sowie aus dem Bereich soziale Teilhabe am Stand vertreten.

Menschen mit und ohne Behinderungen können sich zu folgenden Themen informieren und beraten lassen:

  • Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für Arbeitgeber:innen und Beschäftigte mit Schwerbehinderung,
  • Kündigungsschutz,
  • Teilhabeberatung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene,
  • Übergang Schule-Arbeitswelt im Rahmen des Programms KAoA-STAR („Kein Abschluss ohne Anschluss – Schule trifft Arbeitswelt“),
  • Eingliederungshilfe und Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM),
  • Wechsel aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt und
  • Fragen zur Sozialen Teilhabe, beispielsweise zu Mobilität, Assistenzleistungen, Unterstützung im Alltag und zur Zusammenarbeit mit Sozialdiensten und Trägern vor Ort.

Tipp: Freier Eintritt mit Gutscheincode

Das LWL-Inklusionsamt Arbeit vergibt für beide Messen eine begrenzte Anzahl kostenfreier Eintrittsgutscheine. Dazu einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Gutschein – ZP 2025“ oder „Gutschein – Rehacare 2025“ an ina-info@lwl.org schreiben.




Die Portale „DGUV job“ und „Wegweiser Berufsumstieg“: Unterstützung bei Berufswechsel und Gesundheitsschutz

Welchen gesundheitlichen Belastungen und Risiken sind Arbeitnehmer:innen in der heutigen Arbeitswelt ausgesetzt? Wie können sie in einen neuen Beruf wechseln, der zu ihren Fähigkeiten und Interessen passt? Und wie erkennen sie, wann sie über einen solchen Wechsel nachdenken sollten?

Im „Wegweiser Berufsumstieg“ der DGUV finden Arbeitnehmer:innen Antworten, Tipps und beispielhafte Erfolgsgeschichten rund um diese Fragen. Über die Berufssuche können sie mögliche alternative Berufe finden, die zu ihrem bisherigen Werdegang, ihren Stärken und Wünschen passen. Außerdem sind Beratungsstellen und weiterführende Informationsquellen verlinkt.

Auch Menschen, die wegen eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit nicht in ihrem bisherigen Job weiterarbeiten können, finden im „Wegweiser Berufsumstieg“ Anregungen für die berufliche Neuorientierung. Wer möchte, kann sich darüber hinaus aber auch an das Team von „DGUV job“ wenden, das bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt. Die Berater:innen nutzen unter anderem eine spezialisierte Suchmaschine, um passende Jobangebote zu finden und vorzuschlagen. Sie können außerdem Kontakte zu Arbeitgeber:innen herstellen und über Fördermöglichkeiten informieren. Auf Wunsch helfen sie Ratsuchenden auch dabei, Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.

→ Hier geht es zum „Wegweiser Berufsumstieg“ und hier zum Portal „DGUV job“.




„Inklusion ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess“

Herr Metzdorf-Muigg, welche Aufgaben haben Sie bei Dachser als Expert Corporate Inclusion (Deutsch: Experte für Inklusion im Unternehmen)?

Ich bin dafür verantwortlich, eine Inklusionsstrategie für unser Unternehmen zu entwickeln und umzusetzen, und berate in allen Fragen rund um Inklusion und Behinderung. Wir haben eine Inklusionsvereinbarung geschlossen, in der unter anderem verbindlich festgehalten ist, dass unsere Kolleg:innen mit Behinderungen Anspruch auf eine angepasste Arbeitsumgebung haben. Wir haben darin außerdem vereinbart, dass Führungskräfte im Umgang mit Inklusion und Vielfalt qualifiziert werden müssen. Einige Trainings und Workshops für Verantwortliche, für Recruiter:innen (Deutsch: Personen, die neue Mitarbeiter:innen suchen und einstellen) und andere Mitarbeiter:innen biete ich selbst an – nicht nur, um Inhalte zu vermitteln, sondern auch, um mit den Menschen im Austausch zu bleiben. Mir liegt viel daran, mit meiner Arbeit die Themen Inklusion und Behinderung greifbar und verständlich darzustellen, ohne die Schwere und Negativität, die dabei oft mitschwingt.

Wie genau wollen Sie das Thema im Unternehmen sichtbar machen?

Ich veröffentliche Artikel im Intranet und gestalte praxisnahe Hilfen wie unseren „Disability Awareness“-Leitfaden (Deutsch: Leitfaden für das Bewusstsein für Behinderung), der Informationen für den Umgang und für Gespräche mit Menschen mit Behinderungen bietet. In Zukunft möchte ich außerdem gerne „Role Models“ für das Thema gewinnen, also Kolleg:innen mit Behinderungen, die als Rollenvorbilder auftreten, für ihre Identität einstehen und Mut machen können. Wir haben an einem Standort zum Beispiel einen gehörlosen Kollegen. Sein Arbeitsplatz wurde technisch angepasst, unter anderem, indem akustische Signale durch einen Vibrationsalarm auf dem Smartphone ersetzt wurden. Diesen Kollegen haben wir intern sichtbar gemacht und auch in externen Magazinen vorgestellt. Ich halte die Idee von solchen Role Models für sehr wirkungsvoll und würde das gerne ausbauen.

Dachser hat allein in Deutschland 70 Standorte und rund 19.000 Mitarbeiter:innen. Sind nur Sie im Unternehmen für das Thema Inklusion verantwortlich?

Nein, wir haben an unseren deutschen Standorten insgesamt mehr als 40 Inklusionsbeauftragte, die dort ähnliche Aufgaben wahrnehmen wie ich auf der Unternehmensebene. Gemeinsam mit den Schwerbehindertenvertretungen sind sie vertrauliche Ansprechpersonen für die Mitarbeiter:innen vor Ort und ermöglichen Hilfestellung auf kurzen Wegen. Eine meiner Aufgaben ist es, dieses interne Netzwerk zu koordinieren und auszubauen. Ich habe für die Inklusionsbeauftragten ein dreiteiliges Training entwickelt. Damit stellen wir sicher, dass alle den gleichen Wissensstand und ein gemeinsames Verständnis von Inklusion und Unternehmenskultur bei Dachser haben. Gleichzeitig bietet ein solches Training auch die Gelegenheit, sich auszutauschen. Die Inklusionsbeauftragten konnten voneinander lernen und unterstützen einander auch im Tagesgeschäft weiterhin.

Wie viele Stellen bei Dachser sind mit Menschen mit Behinderungen besetzt?

Das lässt sich gar nicht pauschal sagen. Der Anteil variiert zum einen je nach Standort und hängt zum anderen auch davon ab, ob sich jemand offen zu seiner Behinderung bekennt oder überhaupt bekennen möchte. Wir wissen: Es gibt eine Dunkelziffer. Nicht alle Mitarbeitenden fühlen sich sicher genug, um über ihre Einschränkungen zu sprechen, aus Sorge vor Stigmatisierung. Andere fühlen sich vielleicht gar nicht betroffen. Das Unternehmen muss sich in dieser Hinsicht das Vertrauen der Mitarbeitenden erst erarbeiten, durch Aufklärungsarbeit und Sichtbarmachen des Themas. Unser wichtigstes Ziel ist deshalb nicht, eine Quote zu erfüllen, sondern ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Menschen sich ohne Angst öffnen können. Wir haben uns jedoch auch vorgenommen, mindestens fünf Prozent unserer Arbeitsplätze in Deutschland mit Menschen mit Behinderungen zu besetzen.

Bisher erfüllt Dachser die gesetzliche Beschäftigungspflicht also noch nicht – woran liegt das?

Eine Herausforderung sind unsere vielfältigen Standorte, in denen wir für jeweils unterschiedliche Tätigkeiten, Arbeitsbedingungen und Schichtmodelle individuelle Lösungen entwickeln müssen. Auch das Thema bauliche Barrierefreiheit ist nicht zu unterschätzen. Wir haben viele ältere Gebäude im Bestand, von denen einige noch nicht barrierearm umgebaut sind. Ein solcher Umbau ist oft komplex und mit zeitlichem und organisatorischem Aufwand verbunden. Außerdem benötigen viele Führungskräfte und Mitarbeitende erst einmal ein grundlegendes Verständnis für die Themen Inklusion und Behinderung, um im Umgang sicherer zu werden und (auch gedankliche) Barrieren abzubauen. Inklusion ist deshalb kein kurzfristiges Projekt, sondern ein langfristiger Prozess, an dem viele Personen mitwirken müssen. Wir möchten eine nachhaltige Kulturentwicklung erreichen, damit neue Personen mit Behinderungen eingestellt werden und bereits angestellte Mitarbeitende den Mut finden, offen über ihre Behinderung zu sprechen. Wir nehmen bewusst in Kauf, dass es dadurch mehr Zeit braucht, auch die rein quantitativen Ziele zu erreichen. Wir sehen aber bereits, dass die Beschäftigungsquote ansteigt – aus unserer Sicht ist das ein Zeichen dafür, dass unsere Maßnahmen wirken. Es gibt auch schon Standorte, die die gesetzliche Beschäftigungsquote erreichen oder sogar übertreffen.

Welche zum Beispiel?

In unserem Logistikzentrum in Memmingen liegt die Quote der Mitarbeitenden mit Schwerbehinderung oder Gleichstellung deutlich über der gesetzlichen Vorgabe von fünf Prozent. Dort arbeiten die Schwerbehindertenvertretung, die Inklusionsbeauftragte und die Personalabteilung seit vielen Jahren eng zusammen. Sie sind auch mit externen Partnern wie der Agentur für Arbeit, dem Integrationsfachdienst oder dem Inklusionsamt gut vernetzt, so dass Mitarbeitende bestmöglich unterstützt werden können. Mitarbeitende mit körperlichen Einschränkungen bekommen zum Beispiel so genannte Exoskelette, das sind Hilfsmittel, die die Wirbelsäule stabilisieren und Fehlbelastungen verhindern. Damit können diese Angestellten weiterhin im Lager tätig sein. Darüber hinaus bieten wir flexible Arbeitszeit- und Schichtmodelle oder Pausenregelungen, um auf gesundheitliche Bedürfnisse einzugehen und so die Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu sichern. Durch all das hat die Niederlassung in Memmingen eine Vorreiterrolle im Unternehmen.

Wir haben aber auch an anderen Standorten gute und teils kreative Lösungen gefunden. Unsere Zentrale in Kempten wird beispielsweise gerade neu gebaut. Dabei gestalten wir auch unsere bisherigen Büros um zu Großraumbüros mit verschiedenen Zonen für Zusammenarbeit, Konferenzen und sogenannten „Focus Rooms“, in die Mitarbeitende sich zurückziehen können, um konzentriert an etwas zu arbeiten. Ein Kollege mit einer Sehbehinderung an dem Standort braucht neben einer speziellen Computer-Ausstattung auch einen Raum, den er komplett abdunkeln kann. Wir haben deshalb einen der Focus Rooms in der Nähe seines Teams mit lichtundurchlässigen Vorhängen ausgestattet und es so eingerichtet, dass dieser Kollege bei der Raumbuchung Vorrang hat. Das waren vergleichsweise kleine Maßnahmen – aber mit großer Wirkung.




Lese- und Video-Tipp: NDR-Beitrag über einen blinden Landwirt, der auf Instagram seine Arbeit erklärt

Axel Duensing, der wegen einer Erberkrankung im Laufe seines Lebens erblindet ist, studierte ökologische Landwirtschaft und kehrte danach zurück auf den Familienbetrieb. „Landwirtschaft und Inklusion passen super zusammen“, sagt er im Interview mit dem NDR. Auf seinem Instagram-Kanal zeigt er, wie genau das bei ihm aussieht. „Was mache ich als blinder Landwirt auf dem Trecker?“ oder „Wie mache ich als blinder Landwirt den Weidezaun für meine Rinder?“, so heißen zwei seiner bisher gut 50 Beiträge auf der Plattform. Seine Frau nimmt die Videos auf und arbeitet auf dem Hof mit, ebenso wie Axel Duensings Vater und Schwester – ein klassischer Familienbetrieb, auf dem der junge Landwirt nun neue Ideen ausprobieren möchte.

Hier könnt ihr den NDR-Beitrag über Duensing lesen und den Video-Beitrag sehen (oben über dem Text).




Hör-Tipp: Ideen für eine inklusive Arbeitsumgebung

Kerstin Michels hat seit acht Jahren selbst eine Hörbehinderung. Mit Ende 20 stand sie deshalb vor einschneidenden Fragen: Wie kann ich noch arbeiten? Und: Wie offen gehe ich mit meiner unsichtbaren Behinderung um?
Anfangs versuchte sie, ihre Behinderung im Berufsalltag zu überspielen. Doch das war so anstrengend, dass sie sich irgendwann entschied, darüber zu sprechen. Dabei stellte sie fest, dass inklusives Arbeiten eine Art Henne-Ei-Frage ist: Sie selbst musste klar kommunizieren, was sie braucht, um gut arbeiten zu können – aber mit dieser Offenheit auch auf ein Umfeld stoßen, in dem sie keine Angst vor einer Stigmatisierung haben muss. Was muss also zuerst vorhanden sein? Am besten beides gleichzeitig.

Im IGEL-Podcast spricht Kerstin Michels darüber, wie Unternehmen ein solches Umfeld schaffen und wie Voiio dabei unterstützen kann.

Die Podcast-Folge dauert etwa 30 Minuten. Hier könnt ihr sie unabhängig von Streaming-Diensten direkt im Browser hören; hier geht’s zur Folge auf Spotify.