Von LWL-Messe 2026 | Menschen und ihre Geschichten

Zurück ins Leben, Schritt für Schritt: Im Büro eines Recyclinghofs mit Nico Ackermann

Für Nico Ackermann ist seine Arbeit bei der AGA in Detmold nicht nur ein Job, sondern war Teil eines Neuanfangs nach vielen schweren Jahren. Der 37-Jährige hat uns für die zweite Folge unserer Videostory-Reihe „Am richtigen Platz“ vor der Kamera von seinem Weg zurück in den Alltag erzählt, von gesundheitlichen Herausforderungen – und davon, wie er durch seinen Job wieder Sicherheit, Struktur und Selbstvertrauen gefunden hat.

Nico Ackermann sitzt in einem Büro an seinem Schreibtisch vor zwei Monitorenund schaut direkt in die Kamera.
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Das Telefon klingelt, Kund:innen kommen an den Tresen, Aufträge werden erfasst, Touren geplant. Mittendrin steht Nico Ackermann. Der 37-Jährige arbeitet seit zwei Jahren beim Inklusionsunternehmen AGA in Detmold, was für „Arbeitsgemeinschaft Arbeit“ steht. Die gemeinnützige GmbH ist ein Inklusionsunternehmen, 60 der 113 Beschäftigten hier haben eine Behinderung. Die AGA verbindet damit soziale Verantwortung mit ihrer wirtschaftlichen Tätigkeit, die aus Recycling- und Entsorgungsdienstleistungen, Industriemontagen und Umwelt- oder Beschäftigungsprojekten besteht.

Nico Ackermann ist seit 2023 Teil des Teams. Die Arbeit im Büro des Recyclinghofs bedeutete für ihn seinerzeit einen großen Schritt zurück ins Leben: Mit 20 Jahren erlebte er eine schwere familiäre Katastrophe, die ihn traumatisierte. Daraus entwickelte sich eine massive Adipositas. Noch vor wenigen Jahren wog er 236 Kilogramm, vieles ging deswegen gar nicht mehr, selbst kurze Strecken wurden zur Belastung.

Mit Hilfe von Therapeuten krempelte er schließlich sein Leben um, fand zurück in den Alltag, absolvierte eine Reha-Umschulung zum Kaufmann für Büromanagement, um auch beruflich wieder Tritt zu fassen – und wieder soziale Kontakte aufzubauen.

Nach der Umschulung bekam Nico Ackermann einen Magenbypass gelegt und begann, abzunehmen, mit großem Erfolg. Parallel fing er bei der AGA als kaufmännischer Mitarbeiter in der Disposition und in der Annahme an.

Der Weg in ein Inklusionsunternehmen ist für ihn bis heute der einzig richtige. Hier kann er sich entwickeln, beruflich wie gesundheitlich – und sowohl sein Team als auch das Unternehmen selbst unterstützen ihn dabei voll und ganz.

Wer das Unternehmen, in dem Nico Ackermann arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Nico Ackermanns Weg in einen Beruf, der zu ihm passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der AGA aus Detmold eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Nico Ackermann eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!

Was sind Inklusionsunternehmen – und warum sind sie so wichtig?

Inklusionsunternehmen heißen so, weil sie besonders viele Menschen mit Schwerbehinderung auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen beschäftigen (30 bis 50 Prozent ihrer Stellen). Allein in der Region Westfalen-Lippe gibt es inzwischen über 170 solcher Betriebe, in denen rund 2.200 Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten. Damit liegt Westfalen bundesweit an der Spitze. Inklusionsunternehmen sind damit Vorreiter für eine soziale und gleichberechtigte Gesellschaft. Auch deshalb werden sie mit Fördergeldern unterstützt, mit denen sie etwa die Mehrkosten für die Einrichtung inklusiver Arbeitsplätze abfangen.

Das Geld dafür kommt unter anderem aus der sogenannten Ausgleichsabgabe. Diesen Betrag müssen alle Unternehmen in Deutschland zahlen, die eine bestimmte Größe haben, aber im Verhältnis dazu nicht genug oder sogar gar keine Menschen mit Behinderung beschäftigen. Bei Unternehmen ab 20 Mitarbeiter:innen ist in Deutschland eine Quote von 5 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Inklusionsunternehmen übererfüllen diese also bei weitem. Genau wie alle anderen Unternehmen müssen sich Inklusionsbetriebe dabei aber eigenständig auf dem freien Markt behaupten und mit anderen Unternehmen in Konkurrenz treten – sie wirtschaften also nicht in Schutzräumen.

Inklusionsunternehmen gibt es in vielen verschiedenen Branchen, zum Beispiel im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Gebäudereinigung, bei Hausmeisterdiensten, in Wäschereien, in der IT-Branche oder in der industriellen Fertigung für die Automobilindustrie.

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