Johanna Schielke hat einen längeren Weg hinter sich. Von der Regelschule wechselte sie in die Förderschule, weil sie wegen einer Merkschwäche schlecht mitkam. Später machte sie eine Ausbildung zur Hauswirtschaftshelferin und kam schließlich über Praktika zur IKS, einem Inklusionsunternehmen in Lippstadt. Heute arbeitet sie dort in der kalten Küche – selbstständig, ohne Druck, mit individueller Unterstützung.
Damit ist sie nicht die Einzige im Betrieb: Rund 60 Prozent der Belegschaft der IKS haben eine anerkannte Behinderung. Das ist deutlich mehr als in anderen Inklusionsbetrieben, wo die Quote zwischen 30 und 50 Prozent liegt und damit im Vergleich zu gewöhnlichen Unternehmen auch schon sehr hoch ist. In Lippstadt arbeiten insgesamt 15 Menschen mit Behinderung in Küche, Verwaltung, Spülbereich und Fahrdienst. Weitere Standorte des Unternehmens, wie etwa der in Warstein, funktionieren nach einem ähnlichen Prinzip.
Denn: Die IKS gehört zur INI-Unternehmensgruppe, einem sozialen Träger, der in vielen verschiedenen Bereichen aktiv ist – in der Kinder- und Jugendhilfe ebenso wie in der schulischen Förderung und Ausbildung oder bei inklusiven Arbeitsprojekten.
Ein zentraler Bestandteil des INI-Netzwerks sind die Inklusionsbetriebe, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt zusammenarbeiten.
Die IKS ist einer dieser Betriebe. Er verantwortet die tägliche Verpflegung von Kindergärten, Schulen und offenen Ganztagsbereichen. Mittlerweile beliefert das Team rund 55 Einrichtungen und stellt an regulären Schultagen etwa 2.000 Essen her. Das Angebot reicht von warmen Mahlzeiten bis hin zu Salat- und Snackkomponenten für Schulmensen.
Die Vor- und Zubereitung genau solcher Lieferungen ist Johanna Schielkes Job, mit dem sie nach langer Suche endlich dort angekommen ist, wo sie hinwollte: mitten im Arbeitsleben.
Wer das Unternehmen, in dem Johanna Schielke arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am
11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund
die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.
Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5
Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).
Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Johanna Schielkes Weg in einen Beruf, der zu ihr passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der INI/IKS aus Lippstadt eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Johanna Schielke eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!
Was sind Inklusionsunternehmen – und warum sind sie so wichtig?
Inklusionsunternehmen heißen so, weil sie besonders viele Menschen mit Schwerbehinderung auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen beschäftigen (30 bis 50 Prozent ihrer Stellen). Allein in der Region Westfalen-Lippe gibt es inzwischen über 170 solcher Betriebe, in denen rund 2.170 Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten. Damit liegt Westfalen bundesweit an der Spitze. Inklusionsunternehmen sind damit Vorreiter für eine soziale und gleichberechtigte Gesellschaft. Auch deshalb werden sie mit Fördergeldern unterstützt, mit denen sie etwa die Mehrkosten für die Einrichtung inklusiver Arbeitsplätze abfangen.
Das Geld dafür kommt unter anderem aus der sogenannten Ausgleichsabgabe. Diesen Betrag müssen alle Unternehmen in Deutschland zahlen, die eine bestimmte Größe haben, aber im Verhältnis dazu nicht genug oder sogar gar keine Menschen mit Behinderung beschäftigen. Bei Unternehmen ab 20 Mitarbeiter:innen ist in Deutschland eine Quote von 5 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Inklusionsunternehmen übererfüllen diese also bei weitem. Genau wie alle anderen Unternehmen müssen sich Inklusionsbetriebe dabei aber eigenständig auf dem freien Markt behaupten und mit anderen Unternehmen in Konkurrenz treten – sie wirtschaften also nicht in Schutzräumen.
Inklusionsunternehmen gibt es in vielen verschiedenen Branchen, zum Beispiel im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Gebäudereinigung, bei Hausmeisterdiensten, in Wäschereien, in der IT-Branche oder in der industriellen Fertigung für die Automobilindustrie.
