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Wie offen gehe ich am Arbeitsplatz mit meiner Behinderung um? Ein Selbsttest hilft bei der Entscheidung

Sag ich’s – oder nicht? Vor dieser Entscheidung stehen viele Arbeitnehmer:innen mit einer Behinderung oder chronischen Erkrankung früher oder später in ihrer beruflichen Laufbahn. Ein Selbsttest, der von der Uni Köln und Kooperationspartner:innen entwickelt wurde, soll jetzt dabei helfen, eine individuell passende Antwort auf diese Frage zu finden. Am 17. Februar 2022 stellt das Projektteam den Test in einem kostenlosen Online-Meeting genauer vor, beantwortet Fragen und nimmt Anregungen entgegen.

Rot hinterlegtes Bildschirmfoto der Website sag-ichs.de

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund (DGB) verschweigen viele Menschen mit Schwerbehinderung diese am Arbeitsplatz lieber – aus Angst vor Nachteilen. Andersherum können Arbeitgeber:innen ihren Pflichten gegenüber Angestellten mit Behinderung nur dann nachkommen, wenn sie darüber Bescheid wissen. Eine Zwickmühle, die auch rechtlich nicht eindeutig geklärt ist.

Gerade wer keine sichtbare Behinderung hat, steht im Laufe der Karriere wahrscheinlich irgendwann vor der Entscheidung: Sag ich’s – oder nicht? Die Antwort auf diese Frage hängt von vielen verschiedenen Faktoren und der individuellen Lebenssituation ab.
Die Uni Köln hat im Rahmen eines Forschungsprojektes einen Selbsttest für Menschen mit chronischer Erkrankung oder Schwerbehinderung im Job entwickelt, um bei der Entscheidung zu helfen. Der Test steht kostenlos auf der Website „Sag ich’s? Chronisch krank im Job“ zur Verfügung und fragt detailliert ab, wie die persönliche und die berufliche Situation aussieht. Zum Beispiel: Wie ist das Verhältnis zu Vorgesetzten, Kolleg:innen, Arbeitgeber:innen? Was sind die persönlichen Bedürfnisse am Arbeitsplatz, was ist dort schon vorhanden? Wie gehe ich anderen gegenüber mit für mich sehr persönlichen Informationen um? Wie wichtig ist es mir, ich selbst sein zu können? Wenn ich anderen gegenüber offen war, welche Erfahrungen habe ich damit gemacht?

Die Testergebnisse werden am Schluss sofort anschaulich mit einer Auswertung aufbereitet und können auch als PDF heruntergeladen werden. Außerdem gibt es hilfreiche Tipps für weitere Beratung und Unterstützung.

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*So funktionierte die Unterstützung durch den Integrationsfachdienst (IFD)

Nachdem Marco Bähner sich für eine Weiterbildung zum Pflegedienstleiter entschieden hatte, war der Integrationsfachdienst (IFD) Siegen-Wittgenstein und Olpe seine erste Anlaufstelle. Für den IFD war es allerdings eine Premiere, dass eine so umfangreiche Kursreihe von Gebärdensprachdolmetscherinnen begleitet wurde – und auch noch vollständig online stattfand. Bis dahin hatte das IFD-Team eher mit kurzen Fortbildungen zu tun, die zumindest teilweise in Präsenz stattfanden und bei denen für einen oder zwei Tage Dolmetscher:innen gebraucht wurden.

Um zu ermitteln, was Marco Bähner genau für seine Weiterbildung und die Prüfungen benötigen würde, besprach sein Berater Thomas Wied vom Integrationsfachdienst die Anforderungen mit der Bildungsakademie, vermittelte den Kontakt zu den Gebärdensprachdolmetscherinnen und berechnete das nötige Dolmetscherkontingent. Das LWL-Inklusionsamt Arbeit bewilligte diesen Umfang. Nach Abschluss der Weiterbildung besprach Thomas Wied mit Marco Bähner und allen Beteiligten, was gut geklappt hatte und was hätte verbessert werden können. Diese Erfahrungen kann der IFD in Zukunft nun für ähnliche Situationen nutzen.

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