Von LWL-Messe 2026 | Menschen und ihre Geschichten

Ein Neuanfang mit Blumen: Mit Denise Urban bei Moderne Floristik Steinbrecher

Denise Urban arbeitet bei Moderne Floristik Steinbrecher in Waltrop. Für den vierten Teil unserer Videostory-Reihe „Am richtigen Platz“ hat uns die 28-Jährige erzählt, wie aus ihrer Liebe zu Blumen ein Berufswunsch wurde, den sie sich trotz einiger Rückschläge erfüllt hat.

Denise Urban in grauem Pulli und Weste steht mitten in einem Blumenladen und stützt die Hände in die Hüften.
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Die Begeisterung für Natur begleitet Denise Urban seit ihrer Kindheit. Nach der Schule wollte sie deswegen vor allem eines: Floristin werden.

Doch der Weg in die Ausbildung war nicht einfach. Denise Urban ist schwerhörig und hat Dyskalkulie. Nach der Grundschule wechselte sie auf eine LWL-Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Hörbeeinträchtigungen. Der Alltag war herausfordernd.

Nach der Schule machte sie zunächst ein langes Praktikum in einem Floristikbetrieb, um zu prüfen, ob der Beruf wirklich zu ihr passt. In ihrem ersten Ausbildungsbetrieb wurde sie aber nicht akzeptiert. Statt die Tätigkeiten zu lernen, die den Beruf ausmachen – Sträuße binden, Kunden beraten, an der Kasse arbeiten – erledigte sie vor allem einfache Aufgaben im Hintergrund.

Der Wendepunkt kam, als die 28-Jährige zu Moderne Floristik Steinbrecher in Waltrop wechselte. In dem Inklusionsunternehmen arbeiten 26 Menschen, darunter zehn Menschen mit einer Behinderung. Hier traf sie auf eine Chefin und ein Team, die auf ihre Stärken schauten und sie Schritt für Schritt aufbauten. Denise Urban wiederholte das zweite und dritte Ausbildungsjahr, am Ende stand der erfolgreiche Abschluss.

Heute ist sie nicht nur fachlich angekommen, sondern auch persönlich. Sie hat inzwischen ihre eigene Wohnung, hat ihren Führerschein gemacht und ein eigenes Auto. Im Arbeitsalltag weiß sie heute genau, was sie braucht – und spricht es offen an.

Wer das Unternehmen, in dem Denise Urban arbeitet, gerne selbst kennenlernen möchte, hat dazu am

11. März 2026 bei der LWL-Messe der Inklusionsunternehmen in Dortmund

die Gelegenheit. Die Veranstaltung widmet sich alle drei Jahre den Inklusionsunternehmen in der Region, die dort sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren. Darüber hinaus gibt es ein vielseitiges Begleitprogramm aus Seminaren und Vorträgen sowie einen Stellenmarkt, bei dem sich Interessierte und Arbeitssuchende beraten lassen oder direkten Kontakt mit Inklusionsunternehmen aufnehmen können.

Wann? Mittwoch, 11. März 2026, 9-17 Uhr
Wo? Messe Dortmund, Halle 5

Weitere Infos gibt es unter www.lwl-messe.de (die Website wird laufend aktualisiert).

Der Eintritt zur Messe ist kostenlos und sie ist barrierefrei zugänglich. Für Menschen mit Seh- oder Hörbehinderung gibt es am LWL-Infostand kostenlose Unterstützungs- und Übersetzungsangebote. Außerdem stellt die Messe Dortmund auf ihrer Website Hinweise zur Anreise bereit.

Nico Wichmann

Denise Urbans Weg in einen Beruf, der zu ihr passt, ist eine Erfolgsgeschichte, bei der nicht zuletzt das Engagement von Inklusionsunternehmen wie der Modernen Floristik Steinbrecher eine wichtige Rolle spielt. Inklusion im Berufsleben kann also für jede einzelne Person funktionieren – auch deshalb ist Denise Urban eines der zehn „Gesichter der LWL-Messe 2026“!

Was sind Inklusionsunternehmen – und warum sind sie so wichtig?

Inklusionsunternehmen heißen so, weil sie besonders viele Menschen mit Schwerbehinderung auf sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen beschäftigen (30 bis 50 Prozent ihrer Stellen). Allein in der Region Westfalen-Lippe gibt es inzwischen über 170 solcher Betriebe, in denen rund 2.200 Menschen mit Schwerbehinderung arbeiten. Damit liegt Westfalen bundesweit an der Spitze. Inklusionsunternehmen sind damit Vorreiter für eine soziale und gleichberechtigte Gesellschaft. Auch deshalb werden sie mit Fördergeldern unterstützt, mit denen sie etwa die Mehrkosten für die Einrichtung inklusiver Arbeitsplätze abfangen.

Das Geld dafür kommt unter anderem aus der sogenannten Ausgleichsabgabe. Diesen Betrag müssen alle Unternehmen in Deutschland zahlen, die eine bestimmte Größe haben, aber im Verhältnis dazu nicht genug oder sogar gar keine Menschen mit Behinderung beschäftigen. Bei Unternehmen ab 20 Mitarbeiter:innen ist in Deutschland eine Quote von 5 Prozent gesetzlich vorgeschrieben. Inklusionsunternehmen übererfüllen diese also bei weitem. Genau wie alle anderen Unternehmen müssen sich Inklusionsbetriebe dabei aber eigenständig auf dem freien Markt behaupten und mit anderen Unternehmen in Konkurrenz treten – sie wirtschaften also nicht in Schutzräumen.

Inklusionsunternehmen gibt es in vielen verschiedenen Branchen, zum Beispiel im Einzelhandel, in der Gastronomie, der Gebäudereinigung, bei Hausmeisterdiensten, in Wäschereien, in der IT-Branche oder in der industriellen Fertigung für die Automobilindustrie.

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